Freshfields kennt jeder, Poellath begeistert
In der azur-Bewerberumfrage führt Freshfields das Feld der juristischen Wunscharbeitgeber klar an. Internationale Großkanzleien dominieren die Top 30, doch die bekanntesten sind nicht gleich die beliebtesten. Auch Unternehmen und der öffentliche Dienst sind überraschend präsent.
Freshfields führt mit deutlichem Abstand die Liste der begehrten Arbeitgeber unter Jurastudierenden an. Mehr als jeder fünfte Befragte der azur-Bewerberumfrage 2025 nannte die internationale Großkanzlei als Wunscharbeitgeber. Hengeler Mueller folgt auf Platz zwei mit 12,4 Prozent der Nennungen, White & Case steht mit 11,1 Prozent an Platz 3.
Die Ergebnisse basieren auf der azur-Bewerberumfrage 2025 unter rund 1.800 Jurastudierenden, Referendaren und Assessoren aus ganz Deutschland, die bis zu fünf Wunscharbeitgeber nennen und auf einer Skala von „normaler Eindruck“ (Punktwert 1) bis „exzellenter Eindruck“ (Punktwert 4) bewerten konnten. Die folgende Auswertung konzentriert sich auf die 30 meistgenannten Arbeitgeber, das Gesamtfeld umfasst rund 100 häufig genannte Adressen.
Großkanzleien an der Spitze
22 der 30 Plätze gehen an Kanzleien. Auf den oberen Rängen finden sich neben Freshfields, Hengeler und White & Case die Magic-Circle-Häuser Clifford Chance (Rang 6) und Linklaters (11) sowie deutsche Sozietäten wie Gleiss Lutz (4), Noerr (7) und CMS Hasche Sigle (14).
Dazu kommen weitere international aufgestellte Großkanzleien wie Baker McKenzie (Rang 9) A&O Shearman (12) und Bird & Bird (10). Wer das Feld mit den azur100-Top-Arbeitgebern vergleicht, findet kaum Überraschungen, das Ranking der Bewerber bestätigt vor allem die bekannten Spitzenkanzleien.
Staat und Industrie weit oben
Auffällig weit oben in der Liste finden sich auch Behörden: Das Auswärtige Amt landet auf Rang 5, das Bundeskriminalamt auf Rang 8, die Europäische Kommission folgt auf Platz 20. Der Reiz der Arbeit im Staatsdienst ist bei Bewerbern offensichtlich hoch. Bei den Unternehmen dominiert die deutsche Automobilindustrie: BMW (15), Porsche (17) und Mercedes-Benz (25) sind vertreten. Viele Bewerber möchten auch bei Siemens (23) arbeiten und das ZDF überrascht als einziges Medienhaus auf Rang 18 der Wunscharbeitgeber.
Interessant ist neben dem Ranking der am häufigsten genannten Wunscharbeitgeber aber auch der persönliche Eindruck, den die Bewerberinnen und Bewerber von ihren Wunscharbeitgebern haben. Der Vergleich zeigt klar: Die bekanntesten sind nicht gleichzeitig die beliebtesten Arbeitgeber. Den Spitzenwert auf der Skala von 1 („normal“) bis 4 („exzellent“) innerhalb der Top 30 erreicht Poellath mit 3,33. Freshfields kommt immerhin auf 3,01. Einen sehr guten Eindruck macht auch Osborne Clarke (3,25), deren innovativer Legal-Tech-Einsatz und die intensive KI-Weiterbildung für Associates sich vielleicht auch im Bewerbermarkt herumgesprochen hat. Auch Kirkland & Ellis (3,29) und Baker McKenzie (3,27) haben einen sehr guten Ruf im Bewerbermarkt.
Geheimtipps der Bewerber
Am positivsten wahrgenommen werden jedoch Kanzleien, die etwas weiter unten in der Bekanntheitsliste stehen. Die beste Bewertung der gesamten Umfrage erhielt mit 3,63 Posser Spieth Wolfers & Partners. Die Sozietät liegt zwar nur auf Rang 93 der meistgenannten Arbeitgeber, der Ruf der Kanzlei ist jedoch exzellent. Die auf Öffentliches Wirtschaftsrecht spezialisierte Boutique hat Büros in Berlin und Düsseldorf und zählt knapp 30 Berufsträger. Dass die Associates in der Kanzlei überdurchschnittlich zufrieden sind, hat sich beim Nachwuchs offensichtlich herumgesprochen. Das Gleiche gilt für die Stuttgarter Kanzlei Menold Bezler (Bekanntheitsrang 71), die sowohl Associates überzeugt als auch beim Nachwuchs gut dasteht (3,36).
Unter den US-Häusern fallen McDermott Will & Emery (Rang 45) und Sullivan & Cromwell (Rang 88) mit besonders positiven Durchschnittsbewertungen auf (beide 3,44), bei den Unternehmen ist SAP mit 3,18 die bestbewertete Adresse vor Google (3,02) und der Allianz (3,00). Am unteren Ende der Bewertungsskala der Top 30 stehen mit dem Bundeskriminalamt (2,59) und dem ZDF (2,54) zwei öffentliche Arbeitgeber.
Insgesamt zeigt die Auswertung: Ein Großteil des Nachwuchses wünscht sich einen Platz bei den führenden Wirtschaftskanzleien. Das Renommee der Sozietäten spielt für sie offensichtlich eine Rolle. Gleichzeitig können sich viele auch alternative Karrierewege in der Justiz und in Unternehmen vorstellen. Manche der Arbeitgeber sehen sie zwar nicht als die absolut führenden Adressen an, können sich einen Einstieg dort aber dennoch vorstellen. Besondere Zufriedenheitswerte unter Associates, innovative Ausbildung und gute Teamstimmung in den Kanzleien sprechen sich auch unter Bewerberinnen und Bewerbern herum und beeinflussen ihre Karriereziele.