Gleiss Lutz
Top-Arbeitgeber: 4 Sterne
Full-Service-Kanzlei mit anspruchsvoller Ausbildung
Druck formt Diamanten. Gleiss Lutz gehört unbestritten zur Marktspitze und zugleich eilt ihr der Ruf als exzellente Ausbildungsstätte voraus. Die Kanzlei investiert massiv in die Zukunftsfähigkeit ihrer Associates: Ein neu aufgestelltes, dreijähriges Partnerentwicklungsprogramm sowie der Zugang zur KI-Software Harvey zeugen von einem hohen Professionalisierungsgrad. Die Arbeitsbelastung ist hoch, der Anspruch an die Qualität der Mandatsarbeit immens. Kritiker aus den eigenen Reihen äußern in der azur-Umfrage ihren Unmut: „unglaubliche Arbeitszeiten und ein Gehalt, das nicht mehr zu rechtfertigen ist.“ Zwar versucht das Management mit Modernisierungen wie einem Familienservice und Sabbatical-Optionen gegenzusteuern, doch die Noten für die Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance fallen vergleichsweise schlecht aus. Laut azur-Umfrage arbeiten die Associates bei Gleiss Lutz etwas mehr als 57 Stunden in der Woche, fast genauso viel wie ihre US-Wettbewerber und damit deutlich mehr als der Marktdurchschnitt.
Neue Wege. Strukturell hat Gleiss Lutz massive Veränderungen vorgenommen. Um den strengen Aufstiegsmechanismen – für die Aufnahme in die Equity-Partnerschaft etwa sind 85 Prozent der Partnerstimmen nötig – entgegenzuwirken und mehr Juristinnen und Juristen eine Perspektive zu bieten, hat die Kanzlei eine Salary-Partnerschaft eingeführt. Diese neue Stufe fungiert als Zwischenschritt zwischen dem Assoziierten Partner und dem Equity-Partner. Salary-Partner sollen zwei bis vier Jahre auf dieser Stufe verweilen, um ihren Business Case zu erproben und verfeinern. Mit ihren Chancen auf den Vollpartnerstatus sind die jungen Anwältinnen und Anwälte allerdings weniger zufrieden. „Associates werden im Unklaren darüber gelassen, ob es für sie Perspektiven gibt und was sie tun müssen”, findet ein Teilnehmer der azur-Umfrage.
Mehr Karrierealternativen. Parallel dazu wertet die Kanzlei den Counsel-Status deutlich auf, um eine attraktive Alternative zur Partnerschaft zu schaffen. Neu kamen die Karrierestufen ‚Senior Counsel‘ und ‚Lead Senior Counsel‘ hinzu, die mit erweiterten Mitwirkungs- und Entscheidungsrechten einhergehen. Für Counsel wird es künftig spezifische Weiterbildungsangebote und Retreats für den Austausch untereinander geben. Wichtig dabei: Der Counsel ist keine obligatorische Zwischenstation zur Partnerschaft, der Wechsel auf den Partnertrack bleibt theoretisch möglich. Unabhängig von den internen Reibungen bleibt die fachliche Substanz der Kanzlei unbestritten. Mit dem Anspruch und dem Niveau ihrer Arbeit sind die Gleiss-Associates laut azur-Umfrage überdurchschnittlich zufrieden.
- 45 bis 50 Volljuristen
- 190 Referendare
- 320 WiMis
- 110 Praktikanten
Praktikum & Referendariat
Das Referendarprogramm beinhaltet Kooperationen mit Kaiserseminare und Hemmer, Zugang zur Lern-App Jurafuchs, Englischkurse sowie intensive Aktenvortragstrainings. Ein ehemaliger Referendar empfand die Arbeitsatmosphäre als „sehr angenehm, trotz durchweg hoher Auslastung“. Ein Novum ist der Zugriff auf die KI-Plattform Harvey AI, inklusive entsprechender Schulungen. Besonders Engagierte können sich für ein LL.M.-Stipendium bewerben oder ihre Wahlstation im Ausland absolvieren. Praktikanten durchlaufen zweimal jährlich ein strukturiertes fünfwöchiges Programm.
Ausbildung & Karriere
Die Ausbildung ist institutionalisiert und umfangreich: Neben übergreifenden Trainings zu Soft Skills und BWL-Wissen gibt es fachspezifische Curricula in den Praxisgruppen. Neu ist eine digitale Lernplattform sowie verpflichtende interdisziplinäre Rotationen für Neueinsteiger, um den Blick über das eigene Rechtsgebiet hinaus zu schärfen. „Ein starker Fokus liegt auf Legal Tech: Alle Associates durchlaufen Pflichtschulungen, die auch Prompt Engineering und den Umgang mit generativer KI umfassen. Insgesamt sind die Anwältinnen und Anwälte bei Gleiss Lutz durchaus zufrieden mit dem Angebot. Auf dem Weg nach oben wurde das Partnerentwicklungsprogramm von einem auf drei Jahre erweitert, um Kandidaten gezielter auf unternehmerische Aufgaben vorzubereiten. Obwohl die Kanzlei 2026 neun Partnerinnen und Partner ernannte, sind die Associates laut Umfrage nicht so recht zufrieden mit ihren Aufstiegschancen.
Arbeit, Leben & Familie
• Familienservice u.a. mit Notfallkinderbetreuung
• Umfassendes Gesundheitsprogramm
• Zuschuss für Wellpass
• Einmonatige Sabbaticals ab dem 3. und ab dem 6. Jahr
Stand: Druckausgabe von azur100 2026 mit Erscheinungsdatum 20.03.2026 (Ausnahme: Gehalt, dieses wird regelmäßig aktualisiert). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik
Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart
Anwälte in Deutschland: 86 Partner, 61 Counsel, 249 Associates und 6 of Counsel
Frauenanteil Anwälte: 35,1 %; 14 % innerhalb der Vollpartneschaft
Internationale Präsenz: Gleiss Lutz hat Büros in Brüssel und London und eingespielte Beziehungen zu US-Kanzleien wie Cravath und Simpson Thacher. Enge Verbindungen bestehen auch zu Kanzleien in Frankreich, Spanien, Italien und den Niederlanden.
Gleiss Lutz fordert akademische Exzellenz: Mindestens zwei vollbefriedigende Staatsexamina sind die Eintrittskarte, wobei besonderer Wert auf den staatlichen Teil gelegt wird. Ein Doktortitel oder LL.M. werden gern gesehen – sehr gutes Englisch ist jedoch Pflicht. Der Prozess ist auf Geschwindigkeit ausgelegt: Nach der Bewerbung folgen zeitnah Gespräche mit dem Partner des Fachbereichs und dem Team, oft ergänzt durch ein Mittagessen. Ein HR-Partner klärt Rahmenbedingungen. In der Regel gibt es keine zweite Runde; die Entscheidung wird zügig getroffen. Ein Teilnehmer der Bewerberumfrage bestätigt: „professionell, angenehm, freundlich, einfach“.
Associates:
1. Jahr: 150.000 bis 160.000 Euro
Alle aktuellen Gehälter von Associates und Syndizi in verschiedenen Berufsjahren, im Referendariat und für die wissenschaftliche Mitarbeit findest du in unseren Gehältertabellen.
- Arbeitsrecht
- Außenwirtschaftsrecht
- Compliance-Untersuchungen
- Gesellschaftsrecht
- Immobilien- und Baurecht
- Insolvenz und Restrukturierung
- Kartellrecht
- Konfliktlösung
- Marken- und Wettbewerbsrecht
- Nachfolge-, Vermögens-, Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsberatung
- Öffentlicher Sektor
- Patentrecht
- Regulierung
- Technologie und Medien
- Transaktionen (M&A, Private Equity und Venture Capital)
- Vertrieb, Handel und Logistik
Bemerkung: Hier sind nur die Rechtsgebiete aufgelistet, die auch im aktuellen JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien auf www.juve.de bewertet werden.