White & Case

Top-Arbeitgeber: 3 Sterne


Top-Mandate, harte Arbeit und viel Geld

Gemischte Gefühle. Die US-Kanzlei ist weiter auf Wachstumskurs und sucht auch 2026 viel Verstärkung für ihre vier deutschen Standorte. Neben einer angesehenen Finanzierungs- und Kapitalmarktpraxis verfügt die Kanzlei über etliche Top-Praxen in anderen Fachbereichen. So sind die Anwältinnen und Anwälte etwa in Gerichtsprozessen für Meta und BioNTech im Einsatz. Insgesamt zeigen sich die Associates in der azur-Umfrage zwar zufrieden mit White & Case, jedoch lassen die Noten und Kommentare auf standortbedingte Unterschiede schließen. „An sich eine tolle Kanzlei, allerdings hält sich nicht jedes Team an die Richtlinien. Man wünscht sich hier mehr einheitliche Führung und Transparenz“, bringt es eine Person in der azur-Umfrage auf den Punkt. Eine Teilnehmerin spricht von einer „sehr nahbaren und angenehmen Partnerschaft“, während ein anderer die „fehlende Teamatmosphäre“ und „Hands-off-Mentalität der Vorgesetzten“ bemängelt.

Hohe Arbeitsbelastung. Den „teilweise exzessiv hohen Workload“ beschreiben viele Associates in der azur-Umfrage als Zumutung. „Man muss immer erreichbar sein bis spät in die Nacht und auch am Wochenende“, kritisiert ein Associate aus dem Frankfurter Büro. Doch auch in diesem Punkt sind sich längst nicht alle Associates einig: „Für den Job, den wir machen, ist die Work-Life-Balance sehr gut. Work-Life-Balance bedeutet nicht, wenig zu arbeiten, sondern die Flexibilität zu haben, auch neben der Arbeit ein erfüllendes Privatleben zu haben. Das ist bei uns möglich“, kommentiert ein anderer Umfrageteilnehmer. De facto verbringen die Associates laut azur-Umfrage rund 58 Wochenstunden am Schreibtisch. Damit zählt White & Case zu den fünf Kanzleien mit den höchsten Arbeitszeiten.

Das Management reagiert. Die Nöte der eigenen Angestellten stoßen beim Management nicht auf taube Ohren: Dieses hat zuletzt das Well-being-Programm erweitert und eine Strategie zur besseren Auslastungssteuerung implementiert – beides erwähnen die Associates in der Umfrage als spürbare Verbesserung. Einstimmig zufrieden sind die Anwältinnen und Anwälte mit der Internationalität ihrer Arbeitgeberin und dem Gehalt. Für beides erntet die Kanzlei überdurchschnittliche Noten. Dass das Gesamtpaket für viele stimmt, dafür spricht auch die starke Bindung, denn: wer schon einmal bei White & Case gearbeitet hat – etwa als Referendar –, der ist oft von der Kanzlei überzeugt und bewirbt sich gerne dort. Und weil zufriedene Mitarbeitende die besten Fürsprecher sind, hat die Kanzlei ein neues Recruitingformat ins Leben gerufen, bei dem Trainees, wissenschaftliche Mitarbeiter und junge Associates Kontakte aus ihrem privaten Netzwerk zu einem Kennenlernen in die Kanzlei einladen und deren Lebensläufe einreichen können.

Neueinstellungen 2026
  • 65 bis 75 Volljuristen
  • 75 Referendare
  • 140 WiMis
  • 120 Praktikanten
58 % der neu Eingestellten sind ehemalige Referendare

Praktikum & Referendariat

Als Teil einer Praxisgruppe erhalten Praktikantinnen und Praktikanten einen unmittelbaren Einblick in den Kanzleialltag. Neben der engen Einbindung in die Mandatsarbeit, können sie von internen Vorträgen, Workshops und Soft-Skills-Trainings sowie Networking-Angeboten profitieren. Ehemalige Praktikanten loben die „hervorragende Einbindung in das Team“ und das „immer ehrliche und hilfreiche Feedback“. Referendare unterstützt White & Case mit Rhetorik- und Aktenvortragstrainings, Kaiserseminaren, einem Examenskoffer, wöchentlichen Klausurenkursen sowie Workshops zur aktuellen Rechtsprechung. Daneben können sie sich für eine Wahlstation in einem der weltweiten Büros bewerben.


Ausbildung & Karriere

Mit dem Weiterbildungsangebot zeigen sich die Associates einigermaßen zufrieden, trotzdem liegt die Note unter dem Marktdurchschnitt. Dass die Kanzlei ihr Konzept nach einer internen Befragung noch einmal neu aufgestellt hat, begrüßen jedoch gleich mehrere Associates in der azur-Umfrage und loben vor allem die verbesserte Kommunikation. „Es gab schon immer ein sehr ansprechendes Programm, aber wir kannten häufig gar nicht die Angebote“, kommentiert eine Umfrageteilnehmerin. Das Angebot reicht nun von Soft-Skills-Trainings über Sprach- und Praxisgruppentrainings bis hin zu Bilanzseminaren und Workshops zum Umgang mit KI-Tools. Auf dem Weg zur Partnerschaft wird der Nachwuchs ebenfalls durch entsprechende Trainings und Coachings unterstützt. Trotzdem bewerten die Associates ihre Partnerchancen und alternativen Karrieremöglichkeiten unterdurchschnittlich und wünschen sich „transparente Anforderungsprofile“ und „mehr Feedbackgespräche und konstruktive Kritik“. Zum Jahreswechsel ernannte die Kanzlei in Deutschland fünf Equity-Partner, darunter eine Frau.


Arbeit, Leben & Familie

• Individuelle Teilzeitmöglichkeiten

• Umfangreiches Gesundheits- und Fitnessangebot; Wellpass

• Kitakooperationen und finanzielle Zuschüsse für Kitaplätze; Kooperation mit externem Familienservice

Stand: Druckausgabe von azur100 2026 mit Erscheinungsdatum 20.03.2026 (Ausnahme: Gehalt, dieses wird regelmäßig aktualisiert). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik

Das azur Urteil
  • Referendarausbildung 3 Sterne

  • Associate-Ausbildung 2 Sterne

  • Legal-Tech- und KI-Einsatz 2 Sterne

  • Associate-Zufriedenheit 4 Sterne

  • Gehalt 5 Sterne

  • Aufstiegschancen 2 Sterne

  • Karriere und Familie 1 Sterne

  • Betriebsklima 3 Sterne

  • Internationalität 5 Sterne

Lob der eigenen Associates

  • „Offenes, herzliches Arbeitsumfeld und heraus‑ fordernde Mandate, White & Case ist der richtige Ort, um zu wachsen.”

  • „Spannende Mandate, gutes Gesamtpaket”

  • „Unglaublich internationaler Spirit. Die Partnerschaft ist jung, dynamisch und motiviert.”

Kritik der eigenen Associates

  • „Veraltete Strukturen und unflexible Haltung gegenüber moderner Arbeitskultur”

  • „Man fühlt sich oft allein gelassen.”

  • „Harte Arbeitszeiten und ständige Verfügbarkeit, die finanziell nicht belohnt werden”

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg

Anwälte in Deutschland: 66 Partner, 24 Counsel, 206 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,7 %; Vollpartnerinnenquote unbekannt

Internationale Präsenz: White & Case beschäftigt weltweit mehr als 2.600 Anwältinnen und Anwälte und unterhält 43 Büros in 29 Ländern, aufgeteilt in die Regionen Amerika, EMEA und Asien/Pazifik.