Die besten Arbeitgeber für deine Inhouse-Karriere
In wirtschaftlich unsicheren Zeiten werden in vielen Rechtsabteilungen Einstellungen zurückgefahren. Doch wer einen Fuß in die Tür bekommt, kann mit attraktiven Bedingungen rechnen: Führende Arbeitgeber investieren in Legal Tech und Weiterbildung, überzeugen mit einer guten Work-Life-Balance und bieten internationale Betätigungsmöglichkeiten. Ein Überblick über die zehn Unternehmen aus den azur100 Top-Arbeitgebern für Berufseinsteiger und Wechselwillige.
Genau wie Kanzleien stellen Unternehmen derzeit verhaltener ein. Für viele Associates sind sie jedoch eine Option, wenn sie über einen Arbeitswechsel nachdenken. Laut der aktuellen azur-Associate-Umfrage kann sich ein gutes Drittel der Befragten vorstellen, in ein Unternehmen zu wechseln, wobei Konzerne klar bevorzugt werden.
International Business
Auf der internationalen Bühne haben deutsche Unternehmen viel zu bieten. Die Allianz, einer der größten Versicherer, ist international aktiv und ermöglicht Juristinnen und Juristen dreimonatige Auslandsaufenthalte bei Tochtergesellschaften. In der Konzernrechtsabteilung am Standort München arbeiten 46 Volljuristen. Referendare und Associates profitieren von dem gemeinsamen Ausbildungsprogramm mit der Großkanzlei Linklaters. Die Arbeit in der Rechtsabteilung ist stark juristisch geprägt und nicht nur administrativ.
Bei der BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht können Juristinnen und Juristen nicht nur in der Rechtsabteilung, sondern auch in einem interdisziplinären Team für Geldwäscheprävention, in der Bankenaufsicht oder in der Personalabteilung mitarbeiten. Mit 918 Volljuristen ist die BaFin einer der größten juristischen Arbeitgeber in Deutschland. Sie bietet neben der Verbeamtung temporäre internationale Einsatzmöglichkeiten bei der EU-Kommission in Brüssel, der Europäischen Zentralbank oder der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde in Paris. Die Mitarbeitenden sind sehr zufrieden mit den Fortbildungsmöglichkeiten und der Work-Life-Balance.
Legal-Tech-Akademien
Auch bei BMW werden Juristinnen und Juristen neben München häufig im Ausland eingesetzt. Sehr ambitioniert geht der Automobilkonzern mit dem Thema Legal Tech um. Die umfassende Integration von KI-Tools wird von den Syndizi besonders gelobt. Zudem wurde eine eigene Legal-Tech-Akademie mit Workshops und Hackathons neu aufgesetzt. Ein Rotationsprinzip sorgt dafür, dass Juristinnen und Juristen alle drei bis fünf Jahre die Position wechseln und sich fachlich weiterentwickeln können.
Viele Rechtsabteilungen setzen KI gezielter ein als manche Kanzleien. „Ein mutiger Umgang mit Legal Tech“ gehört laut einem Syndikus zweifellos auch bei Siemens dazu. Der Technologiekonzern legt großen Wert auf Nachwuchsförderung. Die Mitarbeitenden in der Rechtsabteilung zeigen sich in der Associate-Umfrage begeistert von den KI-Schulungen, der Weiterbildung und der Vereinbarkeit von Karriere und Familie.
Weiterbildung, Work-Life-Balance und Diversität
Die strategische Bedeutung von Rechtsabteilungen wächst: Die Arbeit wird anspruchsvoller, der Einfluss größer und das Tätigkeitsfeld durch die Integration rechtsnaher Aufgaben wie Datenschutz oder Nachhaltigkeit oft breiter. Neue Anforderungen wie KI-Affinität, Pragmatismus und Kommunikationsgeschick zählen für Personalabteilungen oft mehr als ein Prädikatsexamen. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit ist es für Unternehmen wichtig, die eigenen Mitarbeiter weiterzubilden, um auch unabhängig von externer Rechtsberatung agieren zu können.
Auch die Deutsche Bahn setzt auf systematische Weiterbildung: In einer Legal-Tech-Akademie werden Trainings für fachliche Kompetenzen und Soft Skills angeboten. Die 163 Juristinnen und Juristen arbeiten vor allem in Berlin und unterstützen bei großen Infrastrukturprojekten. Job-Sharing-Modelle und Sabbaticals gehören zum Paket.
Besonders zufrieden sind Syndizi bei der DZ Bank. 36 Juristen arbeiten in der deutschen Rechtsabteilung, aktuell sind fünf Stellen offen. Der Schwerpunkt liegt in den Bereichen Kredit, Kapitalmarkt und Strukturierte Finanzierungen. Zudem bietet die Bank sechs Referendarsplätze an. Die gute Stimmung unter den Syndizi liegt unter anderem an den „klar kommunizierten Arbeitszeiten“.
BASF beschäftigt 70 Volljuristinnen und Volljuristen an mehreren Standorten. Der weltweit tätige Chemiekonzern legt besonderen Wert auf eine diverse Zusammensetzung: Der Frauenanteil liegt bei 50 Prozent und auch Bewerbungen ohne Prädikatsexamen sind willkommen.
Der Onlinemodehändler Zalando sitzt in Berlin-Friedrichshain. Die 60-köpfige Rechtsabteilung ist zu 60 Prozent weiblich besetzt. Das Unternehmen legt großen Wert auf ein diverses Arbeitsumfeld und unterstützt verschiedene Interessengruppen, etwa für LGBTQI+-Personen oder muslimische Frauen und Männer. Juristinnen und Juristen arbeiten an verschiedenen Projekten mit, zuletzt etwa an der Übernahme von About You.
Referendarstation nutzen
Wer sich für eine Inhouse-Karriere interessiert, sollte sich im Referendariat unbedingt für die Wahlstation in einem Unternehmen bewerben. Die meisten Unternehmen bieten eine Stage an und freuen sich über den Nachwuchs. „Referendare sind super, denn die sind juristisch auf dem aktuellsten Stand und fragen viel – das tut dem Team gut“, sagt auch Prof. Dr. Andreas Felder, General Counsel bei Vetter Pharma.
Bei Fresenius werden Referendarinnen und Referendare eng in den Arbeitsalltag eingebunden. Der Gesundheitskonzern mit Sitz in Bad Homburg ist europaweit aktiv und bietet Regulierungsexpertise im Pharma- und Krankenhausbereich. Der Frauenanteil ist hoch, die 40-Stunden-Woche ist Standard und die Associates loben die große Flexibilität in Bezug auf Homeoffice und Teilzeit. Auch beim Betriebsklima und der allgemeinen Zufriedenheit erzielt der Gesundheitskonzern Spitzennoten von den eigenen Syndizi.
Einen besonderen Weg geht E.on in Essen. Dank der Kooperation mit Linklaters können Rechtsreferendarinnen und -referendare ihre Wahlstation sowohl in der Kanzlei als auch im Unternehmen absolvieren. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Viertagewoche in Vollzeit – ein Modell, das es in keiner Kanzlei gibt. Der Energiekonzern ist europaweit im Bereich Energienetz und -infrastruktur aktiv.
Viele mittelständische Unternehmen suchen nicht primär nach Berufseinsteigern, sondern nach Bewerbern, die bereits Expertise auf dem jeweiligen Rechtsgebiet in Kanzleien gesammelt haben. Ein Client Secondment kann für wechselwillige Associates ein Weg sein, um sich der Inhouse-Karriere zu nähern. Für angehende Referendarinnen und Referendare lohnt sich auch bei kleineren Mittelständlern eine Initiativbewerbung – viele verzichten zwar auf Berufseinsteiger, stellen später aber ehemalige Referendare ein.
Die Unternehmen aus den azur100 Top-Arbeitgebern im Überblick:
Allianz
BaFin
BASF
BMW
Deutsche Bahn
DZ Bank
E.on
Fresenius
Siemens
Zalando