Wirtschaftsjuristen: Bis zu 100.000 Euro Fixgehalt sind drin
Für eine Kanzleikarriere braucht es keine zwei Staatsexamina mehr: Immer mehr Wirtschaftkanzleien entdecken Wirtschaftsjuristen für sich. Welche Chancen sich daraus konkret für den Berufseinstieg ergeben.
Erstes Staatsexamen, Referendariat, zweites Staatsexamen – dieser klassische Weg ist längst nicht mehr die einzige Option für eine erfolgreiche Karriere in einer Wirtschaftskanzlei. Wer einen Bachelor of Laws (LL.B.) oder Master of Laws (LL.M.) hat, dem eröffnen sich ebenfalls attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Wirtschaftsjuristinnen und -juristen haben sich in vielen Kanzleien als gefragte Fachkräfte etabliert – mit wachsender Verantwortung und deutlich verbesserten Perspektiven.
Und auch beim Geld müssen sie nicht zurückstecken. Die Fixgehälter im 1. Berufsjahr liegen vielfach zwischen etwa 60.000 und 90.000 Euro jährlich (Tabelle 1). In der Spitze sind inzwischen sogar bis zu 100.000 Euro Fixgehalt und Boni möglich. Gleichzeitig ist die Bandbreite groß: In einigen Kanzleien beginnt der Einstieg weiterhin bei rund 45.000 bis 60.000 Euro.
Wenngleich die Mehrzahl der Juristen in einer Kanzlei immer noch Volljuristen mit zwei Staatsexamina sind, werden Wirtschaftsjuristen zur festen Größe. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen aus der Arbeitgeberbefragung für azur100: Viele Kanzleien planen 2026, Wirtschaftsjuristinnen und -juristen einzustellen (Tabelle 2). Als deutsche Großkanzlei hat sich CMS Hasche Sigle schon früh mit dem Potenzial der Wirtschaftsjuristen beschäftigt und einen eigenständigen Karrierepfad ausgearbeitet. 2026 will die Kanzlei bis zu 30 neue Wirtschaftsjuristen mit an Bord nehmen.
Treiber dieser Entwicklung ist die veränderte Mandatsarbeit. Wirtschaftsjuristen bringen eine Kombination aus juristischem Wissen und wirtschaftlichem Verständnis mit, die gerade bei Transaktionen oder im Projektmanagement gefragt ist. Hinzu kommen gefragte Aufgabenfelder wie Legal Tech oder Anwendungen künstlicher Intelligenz. In vielen Teams übernehmen sie heute eigenständige Aufgaben und sind direkt in Mandate eingebunden, nicht mehr nur in unterstützender Funktion.
Große Zufriedenheit und weniger Arbeit
Den Wirtschaftsjuristinnen und -juristen, die an der aktuellen azur-Associate-Umfrage teilnahmen, geht es offensichtlich gut: „Noch nie so zufrieden gewesen in einer Kanzlei“ schwärmt einer, während andere die „umfassenden Schulungsangebote“ und ein „extra Karrieremodell“ loben. Insgesamt zeigt sich die kleine Gruppe der an der Umfrage teilnehmenden Wirtschaftsjuristen ziemlich zufrieden und vergibt oft die Bestnote für die Gesamtzufriedenheit.
Was die Work-Life-Balance angeht, sind Wirtschaftsjuristen gar zufriedener als ihre Associate-Kollegen. Der Blick auf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit zeigt außerdem: Als Wirtschaftsjurist ist es selbst in einer Großkanzlei möglich, humane Arbeitszeiten zu haben. Laut azur-Umfrage arbeitet diese Berufsgruppe mit rund 45 Vollzeit-Wochenstunden immerhin rund sieben Stunden weniger als die Associates.
Während Kanzleien die Wirtschaftsjuristen zunehmend als wertvolle Arbeitskraft entdecken, sind sie in Unternehmen schon lange gefragt: Aus der Liste der Top-Arbeitgeber der aktuellen azur100 stellen insbesondere die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und Zalando etliche ein – die BaFin sucht gar bis zu 70 für dieses Jahr.