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21.06.2017

Associate-Gehälter: Männer verdienen in Kanzleien deutlich besser als Frauen

Frauen werden in den ersten Associatejahren nach wie vor deutlich schlechter bezahlt als Männer. Laut der azur-Associate-Umfrage 2016 lag der Durchschnittsverdienst weiblicher Berufseinsteiger in Kanzleien bei rund 87.000 Euro. Männer verdienten im ersten Jahr dagegen durchschnittlich 91.000 Euro, gut fünf Prozent mehr.

Im Vorjahr betrug der Abstand zwischen den Anfangsgehältern der männlichen und weiblichen Umfrageteilnehmer sogar satte zehn Prozent. Doch während sich diese Lücke offenbar zu schließen beginnt, ist der Gender Pay Gap im zweiten und dritten Berufsjahr größer geworden: Laut der azur-Umfrage 2016 verdienen Männer in diesem Dienstalter rund zwölf Prozent mehr als Frauen. 2015 waren es noch sechs bis sieben Prozent.

 

Ausgeprägter Gender Pay Gap

 

Erst nach mehreren Jahren im Beruf liegen männliche und weibliche Associates in puncto Bezahlung etwa gleichauf. Allerdings ist zu diesem Zeitpunkt ein beträchtlicher Anteil der Frauen bereits ausgeschieden. Die Umfrage zeigt deutlich, dass weibliche Associates besonders oft schon in den ersten drei Berufsjahren konkret planen, den Arbeitgeber zu wechseln. Männer warten damit meist mehrere Jahre länger. Zudem sind weibliche Senior Associates besonders oft auf Teilzeitbasis tätig. Für die Gehaltsstatistik wurden hier nur Teilnehmer berücksichtigt, die vollzeit arbeiten.

Gehaltsunterschiede in kleinen Kanzleien am größten

Besonders groß ist der Unterschied beim Gehalt in kleinen Kanzleien mit weniger als 20 Berufsträgern. Weibliche Associates in den ersten drei Berufsjahren erhalten dort laut der azur-Umfrage 2016 im Durchschnitt nicht einmal 75 Prozent des üblichen Gehalts ihrer männlichen Kollegen. In mittelgroßen Kanzleien (20 bis 100 Rechtsanwälte) sind es immerhin 88 Prozent, in großen Einheiten mit über 100 Berufsträgern 93 Prozent.

Die Gründe für die teils massiven Gehaltsunterschiede bleiben im Dunklen. Bekannt ist allerdings, dass gerade kleinere bis mittelgroße Kanzleien oft keine einheitlichen Gehälter für Associates zahlen, sondern mit mehr oder minder breiten Gehaltsbändern operieren. Die Folgerung liegt nahe, dass Frauen deutlich seltener am oberen Ende der entsprechenden Spanne vergütet werden als Männer im selben Berufsalter.

Frauen mit weniger Geld genauso zufrieden

Erstaunlicherweise bewerten weibliche Associates dies keineswegs besonders negativ. Mit ihrem Gehalt sind sie laut der azur-Umfrage fast durchweg ähnlich zufrieden wie ihre männlichen Kollegen. Nähert sich das Durchschnittsgehalt der Frauen mit den Jahren dann dem Niveau an, das bei Männern üblich ist, äußern sich die weiblichen Umfrageteilnehmer sogar zufriedener als die männlichen Associates.

An der azur-Associate-Umfrage nahmen im Sommer 2016 insgesamt 3.138 berufstätige Juristen aus Kanzleien, Unternehmen, Beratungsgesellschaften und Behörden teil. (Norbert Parzinger)

Die aktuelle azur-Associate-Umfrage ist online. Unter allen Teilnehmern verlosen wir 5 Eintrittskarten für die JUVE Awards 2017 (am 26. Oktober in der Alten Oper in Frankfurt) und 100 Exemplare des JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien 2017/18. Jetzt an der Associate-Umfrage teilnehmen

Wie viel Associates in den rund 300 Wirtschaftskanzleien in Deutschland verdienen, finden Sie in den aktuellen azur-Gehältertabellen unter www.azur-online.de/geld.