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18.04.2017

Diversity: Das sind die buntesten Kanzleien in Deutschland

Die Mannschaften der deutschen Wirtschaftskanzleien sind bunter als viele meinen. In einigen mittelgroßen Einheiten hat rund ein Viertel der Berufsträger einen Migrationshintergrund. Auch in manchen größeren Kanzleien sind es deutlich mehr als zehn Prozent. Im Marktdurchschnitt sind es gut sieben Prozent, ähnlich viele wie vor einem Jahr.

Im Herbst 2016 befragte die azur-Redaktion insgesamt mehr als 200 Kanzleien nach der Zahl ihrer deutschen Berufsträger mit Migrationshintergrund. Maßgeblich war dabei die Definition des Statistischen Bundesamts, das darunter alle seit 1950 nach Deutschland zugewanderten Personen und deren Nachkommen versteht.

Die Frage beantwortete nur ein Teil der befragten Kanzleien. Die azur-Erhebung bildet in diesem Punkt darum nur einen Ausschnitt des Marktes ab: 64 Kanzleien mit zwischen 3 und 308 Berufsträgern. Dazu gehören kleine Kanzleien und Boutiquen ebenso wie mittelgroße Einheiten, deutsche und internationale Großkanzleien (Anwälte mit Migrationshintergrund in Kanzleien).

Mitarbeiter mit Migrationshintergrund: Kanzleien deutlich vor Behörden

Wie schon im Vorjahr sind die Teams einiger US-Kanzleien besonders international zusammengestellt: Bei Paul Hastings, Shearman & Sterling und Willkie Farr & Gallagher haben mehr als 20 Prozent der deutschen Anwälte einen Migrationshintergrund. Mit glatten 25 Prozent noch etwas höher ist der Anteil in den deutschen Arqis-Büros. Das Tokioter Büro der Kanzlei, die einen Teilschwerpunkt im deutsch-japanischen Geschäft hat, ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Mit Abstand an der Tabellenspitze liegt die kleinste befragte Kanzlei, die Berliner Vergaberechtsboutique Soudry & Soudry, in der zwei der drei Berufsträger ausländische Wurzeln haben.

Überdurchschnittlich ist der Anteil auch bei den großen internationalen Einheiten Clifford Chance und White & Case sowie bei einer ganzen Reihe deutscher Kanzleien, von der Münchner Konfliktlösungsboutique Wach + Meckes bis zur breit aufgestellten Mittelstandsberaterin Boege Rohde Luebbehuesen. Linklaters, die größte unter den Kanzleien, die hierzu Angaben machte, liegt mit 5,1 Prozent dagegen etwas unter dem Marktdurchschnitt.

Insgesamt betrug der Anteil von Anwälten mit Migrationshintergrund in den betreffenden Sozietäten 7,7 Prozent. Verglichen etwa mit der Situation im öffentlichen Dienst ist dieser Anteil recht beachtlich: Laut dem letzten Mikrozensus des Statistischen Bundesamts hatten 2014 nur rund 3,8 Prozent der Beamten in Deutschland einen Migrationshintergrund. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung liegt bei etwas mehr als 20 Prozent. (Norbert Parzinger)

 

Die buntesten Kanzleien in Deutschland