Willkie Farr & Gallagher

Top-Arbeitgeber: Platz 47

US-Kanzlei mit einem Faible für Private Equity

Die Spendablen. Willkie Farr & Gallagher war die erste Kanzlei in Deutschland, die im Frühjahr 2021 ihre ohnehin sehr hohen Gehälter noch einmal erhöhte. Wer hier einsteigt, verdient bestens und hat die Chance, großvolumige Private-Equity-Deals zu erleben, die regelmäßig für Schlagzeilen sorgen – wenn zuletzt auch nicht mehr in dem Maße wie in den vorherigen Jahren. Allerdings zahlen die Associates dafür einen hohen Preis: In Sachen Arbeitsbelastung, Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Karriere und Familie gibt es nur wenige Wettbewerber, die mit schlechteren Noten in der azur-Umfrage abgestraft werden. Die Wochenarbeitszeit bei Willkie variiert laut den Rückmeldungen der Associates in der azur-Umfrage je nach Team stark und liegt im Schnitt bei rund 50 Stunden – und damit sogar drei Stunden unter dem marktweiten Durchschnitt. Noch deutlicher ist der Unterschied zu US-Kanzleien wie Milbank, wo die Anwälte laut azur-Umfrage 56 Stunden pro Woche arbeiten oder sogar Kirkland mit knapp 65 Wochenstunden.

Wachstumsschmerzen. Allerdings hat sich die Stimmung bei Willkie insgesamt geändert. Noch im vergangenen Jahr waren die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage mit ihrem Betriebsklima überaus zufrieden, nun zählt die Note zu den schlechtesten im Markt. Verantwortlich machen zahlreiche Umfrageteilnehmer den Umbruch: Willkie hat sich zuletzt zu einer breiter aufgestellten Einheit entwickelt, die nun etwa unter anderem verstärkt Finanzierung und Immobilienrecht anbietet. Dafür hat sich die Kanzlei gleich mit mehreren erfahrenen Partnern extern verstärkt. Das bietet zwar auch für die Associates eine Spielwiese jenseits von Private Equity, allerdings überwiegt zurzeit noch der Wachstumsschmerz. Das liest sich in der azur-Umfrage so: „Die ganzen Neuzugänge haben das vormals tolle Arbeitsklima leider komplett zerstört.“ Einige sind aber auch zufrieden, einer lobt etwa die „spannende Aufbruchstimmung durch das Wachstum“.

Partnerchancen? Besser als woanders. Wer sich hier ins Zeug legt, hatte es in der Vergangenheit trotzdem – wie bei den meisten US-Transaktionskanzleien dieser Aufstellung – nicht leicht, in die Partnerschaft aufzusteigen, zumal Willkie durch den Gewinn von mehreren erfahrenen Partnern von außen den Flaschenhals nach oben noch schmaler hat werden lassen. Mit ihren Partnerchancen waren die Associates entsprechend laut azur-Umfrage sehr unzufrieden, auch die alternativen Karrieremöglichkeiten bewerten sie unterdurchschnittlich. Ende 2021 wurden sie jedoch eines Besseren belehrt. Willkie ernannte gleich drei Anwälte aus eigenen Reihen zu Partnern – das kann sich im Vergleich zu US-Wettbewerbern ihrer Größe echt sehen lassen.

Neueinstellungen 2022
  • 10 bis 15 Volljuristen
  • 10 Referendare
  • 10 Praktikanten
30 % der neu Eingestellten sind ehemalige Referendare

Praktikum & Referendariat

Das Praktikum und Referendariat bei Willkie entspricht dem Marktstandard. Praktikanten und Referendare kommen in den Genuss eines Mentorenprogramms durch Partner bzw. Associates. Die Nachwuchsjuristen sind Teil der Teams, werden eng in die Mandatsarbeit eingebunden und dürfen Weiterbildungsveranstaltungen für Associates besuchen. Referendare können zudem eine Station in einem der ausländischen Büros oder bei einer Mandantin, etwa einer Investmentbank, absol­vieren. Neuerdings zahlt die Kanzlei zudem einen Zuschuss zum Repetitorium.


Ausbildung & Karriere

Willkie bietet eine Reihe von Weiterbildungsveranstaltungen für ihre Associates. Dazu zählen in- und externe Seminare zu Themen wie Bilanzanalyse, Leadership und Geschäftsentwicklung sowie Individual- und Gruppencoachings. Willkie kooperiert mit der höchst angesehenen USC Berkeley sowie INSEAD: Associates können dort einen LL.M. oder MBA-Titel erwerben. Für eine Kanzlei ihrer Größenordnung sind die Weiterbildungsmöglichkeiten durchaus umfangreich. Die Associates sind mit dem Paket allerdings nicht zufrieden: Mit der vergebenen ­Note zählt Willkie zu den Schlusslichtern der azur-Umfrage. Einzelne Teilnehmer äußern sich zwar positiv, die Mehrheit wünscht sich aber diverse Ergänzungen, etwa mehr (externe) Seminare sowie ein Budget für zusätzliche Kurse. Bei Willkie können Associates direkt zum Vollpartner aufsteigen, Zwischenstufen gibt es nicht. Wer das nicht will oder schafft, kann – auch dauerhaft – Counsel werden.


Arbeit, Leben & Familie

Keine besonderen Angebote

 

Stand: Druckausgabe von azur100 2022 mit Erscheinungsdatum 18.03.2022 (Ausnahme: Gehälter, diese werden regelmäßig aktualisiert). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.

Das azur Urteil
  • Praktikum 1 Sterne

  • Referendarausbildung 2 Sterne

  • Associate-Ausbildung 2 Sterne

  • Associate-Zufriedenheit 1 Sterne

  • Gehalt 5 Sterne

  • Aufstiegschancen 1 Sterne

  • Karriere und Familie 0 Sterne

  • Work-Life-Balance 0 Sterne

  • Internationalität 4 Sterne

Lob der eigenen Associates

  • „Die wilden Deal-Zeiten sind vorbei. Dadurch viel ­Spielraum und Freiheiten für Associates.”

  • „Spannende Aufbruchstimmung”

  • „Größere Flexibilität durch Homeoffice”

Kritik der eigenen Associates

  • „Viel Unruhe im Team durch zahlreiche neue Partner”

  • „Die tolle Kultur von einst ist komplett beseitigt.”

  • „Wir sind eine seelenlose Transaktionskanzlei geworden.”

Standort in Deutschland: Frankfurt

Anwälte in Deutschland: 10 Vollpartner, 3 Non-Equity-Partner, 12 Counsel und 20 Associates

Frauenanteil Anwälte: 20,0 %; 10,0 % innerhalb der Vollpartnerschaft

Internationale Präsenz: Die US-Kanzlei verfügt weltweit über 13 Büros. Die meisten davon sind in den USA, aber auch in Brüssel, London, Mailand, Rom und Paris.