Redeker Sellner Dahs

Top-Arbeitgeber: 3 Sterne


Traditionskanzlei mit Modernisierungsschritten

Engagiert für Ausbildung und Prinzipien. „Konservativ“, „altmodisch“ und sogar „etwas angestaubt“ – dem exzellenten fachlichen Renommee von Redeker Sellner Dahs, das sich nach wie vor in erster Linie aus dem Öffentlichen Recht speist, stehen auch solche Begriffe gegenüber. Die Mittelstandskanzlei bildet nicht die Speerspitze der modernen Lifestyle-Arbeitgeber. Beim Einsatz von Legal Tech und KI-Tools zum Beispiel ist sie zurückhaltender als andere Sozietäten. Andererseits erhält Redeker sowohl intern als auch von externen Anwälten viel Anerkennung für zwei Dinge: ihr Bekenntnis zur gründlichen Ausbildung junger Juristinnen und Juristen und ihr Engagement zum Schutz des Rechtsstaats. Mit einem eigenen Rechtsstaat- Preis hat die Kanzlei 2025 ein deutliches Zeichen gesetzt und die US-Anwältin Rachel Cohen ausgezeichnet, die sich gegen den Druck der Trump- Regierung gewehrt hat.

Strategische Überlegungen. Obwohl die Fokussierung auf Ausbildung und Rechtsstaatlichkeit die Kanzleikultur positiv prägt, hat sich die Partnerschaft zuletzt mit weiteren strategischen Fragen beschäftigt und zum Beispiel ein neues Karriere- und Kompetenzmodell diskutiert. „Die Kanzlei modernisiert sich schnell“, meint ein Associate in der azur-Umfrage. Doch Gehalt und Transparenz der Karrierewege waren in der vergangenen Umfrage noch ein deutlicher Kritikpunkt. Vereinzelt gibt es auch Kritik an der Bewältigung von großen Massenverfahren in der Kanzlei, in denen die Arbeit vor allem von Associates geleistet wird. Ein externer Beobachter meint sogar zu erkennen, sie würden dort „verheizt“. In puncto Arbeitsbelastung liegt Redeker allerdings deutlich unter dem Marktdurchschnitt: Laut azur-Umfrage arbeiten die Associates rund 50 Stunden pro Woche – 2 Stunden weniger als durchschnittlich.

Frauenförderung mit Luft nach oben. Unter dem Namen „Redeker Connect“ hat die Kanzlei zuletzt ihre Aktivitäten gebündelt, um Anwältinnen zur internen Vernetzung zu motivieren. Dazu gehören ein Anwältinnentag sowie ein mehrjähriges Mentoringprogramm, das standortübergreifend angelegt ist und einen regelmäßigen Austausch vorsieht. Solche Angebote scheinen angebracht. Denn in der Partnerschaft ist der Frauenanteil noch gering. In der azur-Umfrage haben zahlreiche Associates das Connect-Programm als spürbare Verbesserung gelobt. Eine Teilnehmerin mahnt allerdings an, dass die Kanzlei die Durchführung nicht nur in die Hand der jeweiligen Partner legen sollte, um die Qualität des Formats zu kontrollieren. Sehr gut kommen auch die Angebote des Ausbildungsprogramms an, für das Redeker seit einigen Jahren stärker auf die Entwicklung von Business Skills und persönlichen Stärken setzt.

Neueinstellungen 2026
  • 17 bis 25 Volljuristen
  • 90 Referendare
  • 65 WiMis
  • 25 Praktikanten
25 % der neu Eingestellten sind ehemalige Referendare

Praktikum & Referendariat

Redeker bietet in Bonn ein sechswöchiges strukturiertes Praktikum, dazu gehören Gerichts- und Behördentermine sowie Meetings mit Mandanten. Dass die Kanzlei dies auch während der Corona-Pandemie aufrechterhalten hatte, wird von Ehemaligen gelobt. Ein ehemaliger Referendar lobt die „guten Zusatzangebote und die enge Rücksprache“. Zum Angebot gehört zweimal jährlich ein Repetitorium zum Zivil-, Straf- und Verwaltungsprozessrecht, das sich über drei Tage erstreckt. Daneben können Referendare einen zivilrechtlichen Klausurenkurs absolvieren sowie eine individuell korrigierte Klausur samt ausformulierter Musterlösung erwarten. Wer besonders engagiert ist, kann das Angebot einer dualen Station (Berlin/Brüssel bzw. Bonn/Brüssel) wahrnehmen.


Ausbildung & Karriere

Redeker ist als Ausbildungskanzlei bekannt. So gehört der rasche Erwerb eines Fachanwaltstitels zum guten Ton. Doch das neu konzipierte Trainingsprogramm setzt auch andere Schwerpunkte. Denn neben dem hohen Niveau interner und externer Fortbildungen in rechtlichen Fragen stellt es die Soft Skills der Associates in den Mittelpunkt. Einige dieser Schlüsselqualifikationen zielen unmittelbar auf die Befähigung der Teilnehmer, in Zukunft Führungsrollen in ihren Teams und in der Kanzlei insgesamt zu übernehmen. Zusätzlich werden Frauen in ihrer Karriereentwicklung gezielt gefördert. Die Ernennung neuer Partner gehört zur jährlichen Routine und läutet in manchen Dezernaten einen Generationswechsel ein. Die zweithöchste Karrierestufe heißt ‚Assoziierter Partner‘. Die Umbenennung ging einher mit einer Aufwertung dieser Position für erfahrene Associates. Sie kann sowohl eine dauerhafte Anstellung als auch eine Durchgangsstufe zur Vollpartnerschaft bedeuten.


Arbeit, Leben & Familie

• Mentoring und gezieltes Networking für Anwältinnen

• Kooperation mit Familienservice

• Hohe Flexibilität bei Arbeitszeiten, Teilzeitmodellen und Homeoffice

Stand: Druckausgabe von azur100 2026 mit Erscheinungsdatum 20.03.2026 (Ausnahme: Gehalt, dieses wird regelmäßig aktualisiert). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik

Das azur Urteil
  • Referendarausbildung 3 Sterne

  • Associate-Ausbildung 3 Sterne

  • Legal-Tech- und KI-Einsatz 1 Sterne

  • Associate-Zufriedenheit 4 Sterne

  • Gehalt 1 Sterne

  • Aufstiegschancen 4 Sterne

  • Karriere und Familie 3 Sterne

  • Betriebsklima 4 Sterne

  • Internationalität 1 Sterne

Lob der eigenen Associates

  • „Wir haben äußerst gute Leute, dadurch macht die Arbeit viel Spaß.”

  • „Außergewöhnlich gutes Miteinander auf fachlicher und persönlicher Ebene”

  • „Das Engagement für den Rechtsstaat ist vorbildlich.”

Kritik der eigenen Associates

  • „Ich sehe kaum noch realistische Chancen auf eine Equity- Partnerschaft.”

  • „Höheres Gehalt zahlen, mehr Associates einstellen und Arbeitsaufträge besser verteilen.”

  • „Es fehlen weiterhin Erfolgsgeschichten von Frauen, die Karriere gemacht haben.”

Standorte in Deutschland: Berlin, Bonn, Leipzig und München

Anwälte in Deutschland: 46 Vollpartner, 8 Non-Equity-Partner, 16 Counsel, 87 Associates und 16 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,4 %; 6,5 % innerhalb der Vollpartnerschaft

Internationale Präsenz: Redeker hat ein Büro in Brüssel (v.a. für Wettbewerbs- und Binnenmarktrecht) und führt eine strategische Allianz mit der US-britischen Kanzlei Womble Bond Dickinson.