Oppenländer
Top-Arbeitgeber: 2 Sterne
Deutsche Traditionskanzlei mit Partnerfokus
Starke Reputation, trübe Stimmung. Die Stuttgarter Kanzlei ist vor allen Dingen für ihren hervorragenden Ruf im Kartellrecht sowie in regulierten Branchen bekannt. Nach außen präsentiert sich Oppenländer als eingeschworene, partnerzentrierte Einheit mit niedriger Leverage. Doch nicht nur in puncto Betriebsklima, auch in den übrigen Kategorien der aktuellen azur-Associate-Umfrage bewerten die Associates ihre Arbeitgeberin unterdurchschnittlich. Das schlägt sich auch in der Gesamtzufriedenheit nieder – hier zählt Oppenländer im Vergleich mit anderen Kanzleien diesmal zu den Schlusslichtern. Die Anwältinnen und Anwälte kritisieren vor allem die Kommunikation und Personalführung durch Vorgesetzte, die teils von Widersprüchen geprägt sei. „Offiziell gibt es keine Billable-Anforderungen gegenüber den Associates, jedoch ist bekannt, dass intern die abgerechneten Stunden einzelner Associates diskutiert werden“, berichtet ein Teilnehmer der azur-Umfrage. Ein anderer wünscht sich eine „klare Kommunikation zur Karriere, die nicht reaktiv, sondern geplant erfolgt“. Oppenländer versucht gegenzusteuern: So formieren sich die Partner neuerdings in neu aufgestellten Anwaltsteams. Der Austausch soll dadurch intensiviert werden, das Mentoring gezielter bei den jungen Anwälten ankommen. Associates sollen künftig nicht mehr allein vom Wohlwollen eines einzelnen Partners abhängen, sondern ganzheitlich unterstützt werden. Ein Schritt hin zu mehr Professionalisierung.
Moderate Arbeitszeiten. Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die Vergütung. Oppenländer zahlt ein maximales Einstiegsgehalt von 110.000 Euro und einen Startbonus in Höhe von 2.000 Euro. Damit bleibt sie im Marktvergleich deutlich hinter vergleichbaren Kanzleien zurück. Und die Associates sind entsprechend unzufrieden. Das Kanzleimanagement argumentiert unter anderem mit einer besseren Work-Life-Balance als Ausgleich. Tatsächlich arbeiten die Associates laut azur-Umfrage im Schnitt unter 50 Stunden pro Woche – das sind mehr als 2 Stunden weniger als der Marktdurchschnitt. Doch angesichts „intransparenter Erwartungen und der tatsächlichen Arbeitsbelastung“ geht diese Rechnung für viele Nachwuchsjuristen nicht auf.
KI im Einsatz. Auch technologisch will Oppenländer den Anschluss nicht verlieren. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Testphase, in die insbesondere die jüngeren Anwältinnen und Anwälte eingebunden waren, wurde ein KI-Tool nun kanzleiweit ausgerollt. Die Zusammenarbeit mit dem Legal-Tech-Anbieter Libra ist mittlerweile fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Zwar investiert die Kanzlei damit in ihre Zukunftsfähigkeit, doch vielen Associates geht das offenbar noch nicht weit genug. Die Noten in der azur-Umfrage zum Einsatz von Legal Tech fallen durchwachsen aus und lassen Luft nach oben.
- 8 bis 12 Volljuristen
- 20 Referendare
- 6 WiMis
- 16 Praktikanten
Praktikum & Referendariat
Oppenländer bietet ein strukturiertes Gruppenpraktikum an, das neben der Zuordnung zu einem Anwalt auch die Teilnahme an Verhandlungen und internen Fortbildungen umfasst. Neu ist ein Workshop zur Formulierung außergerichtlicher Schreiben. „Die Einführung des Praktikantenmodells kommt bei Kommilitonen gut an“, bemerkt ein Teilnehmer der azur-Bewerberumfrage. Referendarinnen und Referendare werden persönlich durch einen Partner als Tutor betreut und sollen möglichst wie Berufseinsteiger in die Mandatsarbeit eingebunden werden. Zur Examensvorbereitung finanziert die Kanzlei Kaiserseminare.
Ausbildung & Karriere
Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die persönliche Betreuung über ein Tutorensystem, bei dem ein Partner für einen Associate zuständig ist. Ergänzend bietet die Kanzlei interne Fortbildungsreihen für nichtjuristische Fähigkeiten wie Akquise und Kommunikation an. Auch Legal Tech und KI sind mittlerweile Teil der Weiterbildungen. Unterm Strich vergeben die Associates in der aktuellen azur-Umfrage leicht unterdurchschnittliche Noten für das Weiterbildungsangebot. Ein Grund dafür könnten die unterschiedlichen Bemühungen der ausbildenden Partner sein. „In einigen Bereichen werden gute Ausbildung, Förderung und Unternehmertum gelebt, in anderen dagegen nicht“, findet ein Umfrageteilnehmer. Der Karriereweg führt vom Associate über den Assoziierten Partner und die neu geschaffene Salary-Partnerschaft in die Vollpartnerschaft. Mit ihren Chancen auf den Vollpartnerstatus sind die teilnehmenden Associates in der vergangenen azur-Umfrage fast ausnahmslos unzufrieden und wünschen sich insbesondere mehr Transparenz hinsichtlich der Anforderungen an die einzelnen Karrierestufen.
Arbeit, Leben & Familie
• Gezielte Coachings und externe Gesprächsmöglichkeiten bei mentalen Belastungen
• Teilzeittätigkeit auf allen Karrierestufen möglich
• Möglichkeit eines einmonatigen Sabbaticals ab dem 3. Berufsjahr bei teilweiser Gehaltsfortzahlung
Stand: Druckausgabe von azur100 2026 mit Erscheinungsdatum 20.03.2026 (Ausnahme: Gehalt, dieses wird regelmäßig aktualisiert). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik
Standort in Deutschland: Stuttgart
Anwälte in Deutschland: 23 Vollpartner, 9 Assoziierte Partner und 24 Associates
Frauenanteil Anwälte: 39,3 %; 17,4 % innerhalb der Vollpartnerschaft
Internationale Präsenz: Unabhängige Kanzlei, die projektbezogen mit verschiedenen internationalen Großkanzleien zusammenarbeitet
Grundsätzlich erwartet die Kanzlei von Bewerbenden zwei Prädikatsexamina mit mindestens neun Punkten, wobei im ersten Examen der staatliche Teil ausschlaggebend ist. Ein Doktortitel oder LL.M. wird honoriert, ist aber keine zwingende Voraussetzung. Zudem sind Englischkenntnisse erwünscht. Der Prozess ist straff organisiert: Es gibt in der Regel nur ein Erstgespräch von etwa 90 Minuten mit zwei bis vier Partnern. Dabei geht es um die Vorstellung der Person, der Kanzlei und des Rechtsgebiets. Abgerundet wird der Termin durch einen Rundgang und ein gemeinsames Essen mit Associates, um das Team kennenzulernen. Ein ehemaliger Referendar beschreibt den Bewerbungsprozess in der azur- Bewerberumfrage als „exzellent“.
Associates:
1. Jahr: 102.000 bis 112.000 Euro inkl. Startbonus von 2.000 Euro
Alle aktuellen Gehälter von Associates und Syndizi in verschiedenen Berufsjahren, im Referendariat und für die wissenschaftliche Mitarbeit findest du in unseren Gehältertabellen.
- Gesellschaftsrecht
- Kartellrecht
- M&A
- Marken- und Wettbewerbsrecht
- Öffentlicher Sektor
- Private Equity und Venture Capital
- Regulierung
Bemerkung: Hier sind nur die Rechtsgebiete aufgelistet, die auch im aktuellen JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien auf www.juve.de bewertet werden.