Latham & Watkins

Top-Arbeitgeber: Platz 13

US-Kanzlei mit hohen Anforderungen und hohen Gehältern

Fordern und fördern. Latham ist stolz auf ihre Kanzleikultur: Associates haben vergleichsweise viel zu sagen, sie sind über Komitees früh am Management der Kanzlei beteiligt. Diese Rechte sind aber auch Pflichten: Es wird erwartet, dass Associates sich hier zusätzlich zu ihrem ohnehin hohen Arbeitspensum engagieren. Wem das liegt, der schwärmt, wie viele Teilnehmer der azur-Umfrage, von einem Arbeitgeber, der viele Vorteile bietet: ein extrem internationales Umfeld, anspruchsvolle Mandate, einen guten Zusammenhalt im Team – und nicht zuletzt Spitzengehälter. Am zuletzt großen wirtschaftlichen Erfolg der Kanzlei hat Latham auch die Nachwuchskräfte über üppige Sonderboni beteiligt. Diese müssen allerdings hart erarbeitet werden, und das ist die Kehrseite, die bei allem Lob regelmäßig anklingt. „Der Erfolg der letzten Jahre führt zu völliger Arbeitsüberlastung“, moniert etwa ein Teilnehmer der ­azur-Umfrage. Andere sehnen sich „nach freien Wochenenden und Urlaub“. Mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von gut 57 Stunden pro Woche liegt Latham laut azur-Umfrage nicht nur satte vier Stunden über dem Marktdurchschnitt, sondern auch immer noch etwa zwei Stunden über dem, was Associates aus britischen Top-Kanzleien wie Freshfields und Link­laters angeben.

Technik, die begeistert. Große Anforderungen, vor allem mit Blick auf die Arbeitszeiten, schlagen normalerweise leicht um in eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Arbeitgeber – nicht so bei Latham. Was die Gesamtzufriedenheit angeht, liegt die Kanzlei sogar über dem Durchschnitt und steht besser da als die meisten ­ihrer Hauptwettbewerber. Was immer wieder hervorgehoben wird: Technisch sei die Kanzlei absolut up to date – was die Umstellung auf die Arbeit im Homeoffice während der Corona-Pandemie erleichtert haben dürfte. Dafür gibt es viel Lob. Auffällig häufig heißt es in der azur-Umfrage: „Super Corona-Management.“ Oder: „Latham bietet eine erstklassige Infrastruktur und top Arbeitsbedingungen.“ Das Lob ist allerdings oft mit dem Zusatz versehen, dass dafür im Gegenzug auch entsprechende Leistung erwartet wird.

Aus Fehlern lernen. Unterm Strich bewirkt die sehr demokratische Kultur der Kanzlei, dass häufig geäußerte Kritik ernst genommen wird und etwas bewirkt. Das gilt etwa im Zusammenhang mit Fortbildungen, für die Associates inzwischen konsequenter von Mandatsaufgaben freigeschaufelt werden, aber auch bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Viele Umfrageteilnehmer loben die großzügigen Arbeitszeitregelungen und die Unterstützung für Eltern. Was die Kanzlei in Sachen Familienförderung noch besser machen kann? Ein Associ­ate bringt das Dilemma in der azur-Umfrage auf den Punkt: „Weniger Fokus auf Profitabilität – aber dieser Fokus ist eben zugleich das, was Latham so erfolgreich macht.“

Neueinstellungen 2022
  • 20 bis 25 Volljuristen
  • 40 Referendare
  • keine Praktikanten
38% der neu Eingestellten sind ehemalige Referendare

Praktikum & Referendariat

Latham hat die klassischen Praktika abgeschafft. An ihre Stelle tritt ein modulares Programm für Studierende, das vorwiegend aus Onlineveranstaltungen besteht, aber auch Workshops in Latham-Büros und Netzwerktreffen enthält. Fachlich gibt es aktuell fünf Onlineprogramme wie Kartellrecht und M&A. Studierende können Teil eines auf Dauer angelegten Latham-Netzwerks werden. Das gilt auch für ehemalige Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter, die von Mentoren weiter unterstützt werden.


Ausbildung & Karriere

Nach frühestens 8 Jahren können Latham-Associates Partner werden. Es gibt ein engmaschiges Feedbacknetz. Jedem Associate ist ein Partner als Karrierecoach zugeordnet. Latham befördert regelmäßig Nachwuchstalente. Zum Januar 2022 hat die Kanzlei in Deutschland 3 Partnerinnen, 1 Partner und 2 Counsel ernannt. Insgesamt erhält Latham zu den Karrierechancen in der azur-Umfrage Bewertungen, die etwas unter dem Durchschnitt liegen – allerdings über denen von Wettbewerbern wie Freshfields und Allen & Overy. Das Ausbildungs­angebot bewerten Associates überwiegend positiv. „Strukturiert und gut durchdacht“, lobt einer. Regulär absolvieren die Associates bis zum 3. Berufsjahr ein weitgehend einheitliches Curriculum mit 3 dreitägigen Seminaren im Jahr. Darin geht es um Rechtliches und Soft Skills, aber auch um Themen wie unternehmerisches Denken. Daneben gibt es 3 mehrtägige Seminare in den USA, an denen die Associates im 1., 3. und 5. Berufsjahr teilnehmen.


Arbeit, Leben & Familie

  • Zusätzlich zur gesetzlichen Regelung Anspruch auf insgesamt 14 bis 22 Wochen Familienzeit bei voller Bezahlung für Eltern
  • Betreuungskostenzuschüsse, Notfallbetreuung
  • Spezielles Coaching zum Wieder­einstieg nach einer Auszeit und „Parent Lawyers Group“ als Interessen­vertretung

 

Stand: Druckausgabe von azur100 2022 mit Erscheinungsdatum 18.03.2022 (Ausnahme: Gehälter, diese werden regelmäßig aktualisiert). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.

Das azur Urteil
  • Praktikum

    Keine Wertung
  • Referendarausbildung 3 Sterne

  • Associate-Ausbildung 3 Sterne

  • Associate-Zufriedenheit 3 Sterne

  • Gehalt 5 Sterne

  • Aufstiegschancen 1 Sterne

  • Karriere und Familie 2 Sterne

  • Work-Life-Balance 1 Sterne

  • Internationalität 5 Sterne

Lob der eigenen Associates

  • „Großartiges Handling der Corona-Pandemie”

  • „Offenes Gehör für die aktuell enorme Arbeitsbelastung”

  • „Atmosphäre ist geprägt von überragendem Teamspirit und Vielfalt”

Kritik der eigenen Associates

  • „Völlige Arbeitsüberlastung”

  • „Fachthemen kommen bei der mehr auf Soft Skills ausgerichteten Fortbildung zu kurz.”

  • „Urlaubstage verfallen faktisch bei vielen Associates ausgleichslos.”

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und ­München
Anwälte in Deutschland: 43 Partner, 17 Counsel und 98 Associates
Frauenanteil Anwälte: 31,0 %; Vollpartnerinnenquote unbekannt

 

Internationale Präsenz: International integrierte Kanzlei mit starker US-Praxis und Standorten in Europa, Asien und dem Nahen Osten. Die breite europäische Praxis ist anders als in vielen anderen internationalen Kanzleien nicht durch London dominiert.