GSK Stockmann

Top-Arbeitgeber: Platz 40

Traditionskanzlei auf Modernisierungskurs

Konservativ wie Betongold, agil wie Fintechs. Die einst eher traditionelle Immobilienkanzlei steht heute moderner da als viele Mitbewerber. Beim Thema Home­office hat sie die Pandemie zum Anlass genommen, ein neues Konzept unter Einbeziehung der Mitarbeiter zu entwickeln. Die Digitalstrategie ist mehr als bloße Theorie, vielmehr hat GSK schon verschiedene Tools bei Mandanten im Einsatz. Mandate sind längst nicht mehr allein von Immobilien geprägt, auch wenn diese Praxis nach wie vor viel Gewicht hat. Inzwischen klopfen aber auch innovative Unternehmen wie der niederländische Fintechspezialist Finch Capital an. Auch bei Themen wie nachhaltige Finanzierung und ESG ist GSK ziemlich weit vorn. Gehalt und Karriere sind bei ihr nicht an Berufsjahre, sondern an Level gebunden, die sich aus individuellem Kompetenz- und Entwicklungsstand ergeben. Basis ist eine Feedbackkultur, die auch die Associates in der azur-Umfrage positiv hervorheben. Etwa ab dem fünften Berufsjahr gibt es Seminare, um die weitere Entwicklung zu fördern. Vor allem Local-Partner werden eng begleitet und gefördert, neu ist ein individuelles Business Case Coaching.

Dunkle Flecken bleiben. Doch natürlich gibt es auch die ein oder andere Schattenseite. So ist die Arbeitsbelastung laut azur-Umfrage mit 54 Wochenstunden noch immer etwas höher als im Durchschnitt und die Auslastung nicht immer optimal verteilt. Das ist vor allem mit Blick auf die Entlohnung für viele Associates kritikwürdig. „Gehalt und Arbeitsanforderungen passen nicht ­zusammen“, findet einer. ­Immerhin hat GSK nun aber die Gehälter zum Jahresanfang erhöht. Nach Meinung mancher erweist sich Teilzeit zudem eher als „Karrierekiller“, weitere wünschen sich in der azur-Umfrage „mehr Akzeptanz“. Hier will die Kanzlei jetzt nachjustieren, offensiver kommunizieren und eine klarere Policy entwickeln. Auch bei der gezielten Förderung von Frauen zeigt GSK eine gewisse Zurückhaltung. Sie versucht stattdessen, mit Taten zu überzeugen: Jüngst zogen in alle Managementgremien Frauen ein. Das ist auch an den Associates nicht vorbeigegangen und wird positiv bemerkt. Trotzdem bleibt die Zahl an Vollpartnerinnen und die Zahl der Teilzeitpartner beschämend gering. Das macht deutlich, dass GSK ihren Wandel noch nicht abgeschlossen hat. Aber: Wer Lust und Interesse daran hat, eine Kanzlei, die in einem ausgeprägten Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne steckt, aktiv mitzuverändern, kann hier seine ganz persönliche Nische finden.

Neueinstellungen 2022
  • 40 bis 45 Volljuristen
  • 45 Referendare
  • 18 Praktikanten
17% der neu Eingestellten sind ehemalige Referendare

Praktikum & Referendariat

GSK betont die persönliche und praxisnahe Ausbildung von Praktikanten und Referendaren. Beiden steht ein Mentor zur Seite, der bei Referendaren aus der Vollpartner-, bei Praktikanten auch aus der Associate-Riege kommen kann. Associates zeichnen auch maßgeblich für eine auf 4 Wochen angelegte Vortragsreihe für Praktikanten verantwortlich. Im Zentrum steht die Vernetzung und Orientierung. Diesem Zweck dient auch der Nachwuchs-Stammtisch, zu dem sich neben GSK-Anwälten auch ehemalige Praktikanten, Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter einfinden.


Ausbildung & Karriere

GSK bietet ein marktübliches Seminarprogramm, inzwischen verstärkt online und mit einer Reihe Legal-Tech-Fortbildungen. Das Programm wird immer wieder den Wünschen der Associates angepasst. Im Fokus der Förderung steht eine ausgeprägte Feedbackkultur, die nicht dem Gusto einzelner Partner überlassen bleibt. Wer bei GSK etwas werden und mehr verdienen will, muss nicht einfach nur altern, sondern wird nach individuellem Kompetenzstand eingeordnet. Diese Flexibilität ­erlaubt es, auch junge Leistungsträger angemessen zu entlohnen.

Der Status des dauerhaft angestellten Counsels steht Associates mit hoher Qualifikation offen, die mehr Verantwortung übernehmen, aber nicht akquirieren wollen. Ein Orientierungsworkshop hilft bei der Wahl. Ein Wechsel zwischen Counsel- und Partnerkarriere ist möglich. In der azur-Umfrage fällt das Votum der Associates für ihre Partnerchancen erneut sehr positiv aus. Anfang 2022 ernannte GSK 2 Voll- und 6 Salary-Partner – darunter 4 Frauen. Der Frauenanteil auf Vollpartnerlevel bleibt so jedoch mager.


Arbeit, Leben & Familie

  • Anspruch auf 1-2 Tage Homeoffice pro Woche
  • In allen Gremien sind Partnerinnen vertreten.
  • Teilzeit auf allen Ebenen, aktuell auch 3 Vollpartner

 

Stand: Druckausgabe von azur100 2022 mit Erscheinungsdatum 18.03.2022 (Ausnahme: Gehälter, diese werden regelmäßig aktualisiert). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.

Das azur Urteil
  • Praktikum 2 Sterne

  • Referendarausbildung 2 Sterne

  • Associate-Ausbildung 3 Sterne

  • Associate-Zufriedenheit 3 Sterne

  • Gehalt 3 Sterne

  • Aufstiegschancen 3 Sterne

  • Karriere und Familie 1 Sterne

  • Work-Life-Balance 1 Sterne

  • Internationalität 2 Sterne

Lob der eigenen Associates

  • „Sehr ausführliches, konstruktives und ständiges Feedback”

  • „Anspruch auf Homeoffice ist ein echtes Plus.”

  • „Frühes verantwortliches Arbeiten mit Mandanten”

Kritik der eigenen Associates

  • „Teilzeit und flexibles Homeoffice müssen wirklich ­akzeptiert werden.”

  • „Die Chance als Teilzeitkraft auf eine Beförderung ist nicht gegeben.”

  • „Die Leveleinstufung wirkt zum Teil intransparent.”

Standorte in Deutschland: Berlin, Frankfurt, Hamburg, Heidelberg und München

Anwälte in Deutschland: 68 Vollpartner, 23 Non-Equity-Partner, 11 Counsel, 93 Associates und 9 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 35,8 %; 10,6 % innerhalb der Vollpartnerschaft

Internationale Präsenz: GSK hat ein eigenes Büro in Luxemburg. Es gibt zwar keine institutionalisierte internationale Vernetzung, aber ein vielfältiges Netz individueller, teils gefestigter Kontakte.