Deutsche Großkanzleien erhöhen die Einstiegsgehälter massiv

Als erste der deutschen Großkanzleien kündigte CMS Hasche Sigle an, zum Jahreswechsel ihre Associate-Einstiegsgehälter zu erhöhen, auf 110.000 Euro. Nun zogen mit Gleiss Lutz und Hengeler Mueller weitere personalstarke Kanzleien nach und setzen mit 150.000 Euro einen neuen Standard im Top-Segment. 

Die jüngsten Gehaltserhöhungen betreffen eine ganze Reihe von Associates und Bewerbern. Allein CMS Hasche Sigle sucht für das kommende Jahr bis zu 90 neue Anwälte. Die Kanzlei ist die größte hierzulande, sie zählt rund 350 angestellte Associates und Senior Associates. Dass damit eine der personalstärksten Kanzleien ihre Gehälter erhöht, setzt ein deutliches Zeichen im Kampf um den Nachwuchs. Ab Januar steigt nun das Einstiegsgehalt für Berufsanfänger um 10.000 Euro auf 110.000 Euro. Ab dem dritten Berufsjahr, in dem die Senior Associates 125.000 Euro verdienen, steigt das Gehalt pro Jahr um weitere 10.000 Euro an. Auch der Bonus, der ab dem dritten Jahr möglich ist, steigt auf bis zu 15.000 Euro.

Wertschätzung auch für die erfahrenen Associates

Doch auch die erfahrenen Anwälte auf den höheren Karrierestufen möchte die Kanzlei mit einer Anhebung des Gehalts und einer Änderung des Bonus stärker entlohnen. Im Blick hat CMS nach eigener Aussage die erfahreneren Anwälte, also Senior Associates, Counsel und Principal Counsel. Counsel, bei CMS in der Regel Anwälte ab dem sechsten Berufsjahr, erfahren den größten Schwung bei der Gehältererhöhung: sie verdienen im neuen Jahr satte 30.000 Euro mehr, statt den bisherigen 130.000 Euro zukünftig 160.000 Euro.

140.000 wird der neue Standard im Top-Segment

Bisher lag die Schwelle an der Marktspitze unter den deutschen Großkanzleien bei 110.000 bis 120.000 Euro für Berufsanfänger. Inzwischen zogen aber auch Gleiss Lutz und Hengeler Mueller nach und legen damit einen neuen Standard im Top-Segment fest. Bei Gleiss Lutz erhalten Berufsanfänger 140.000 Euro. Je 5.000 Euro mehr zahlt die Kanzlei für Zusatzqualifikationen wie eine Promotion oder einem im englischsprachigen Ausland erworbenen LL.M. Das Maximum liegt also bei 150.000 Euro. Die Bestandsmannschaft kann sich über Lohnsteigerungen zwischen 15 und 27 Prozent freuen.

Bei Hengeler Mueller liegt das Einstiegsgehalt ab dem Jahreswechsel fix bei 150.000 Euro, für einen LL.M.-Titel gibt es zusätzlich einmalig 10.000 Euro. Hinzu kommt – zum ersten Mal überhaupt bei Hengeler – ein Bonus, der im zweiten und dritten Jahr 10.000 Euro erreichen und mit jedem weiteren Jahr Berufserfahrung um 5.000 Euro steigen kann. Anders als bei vielen anderen Kanzleien ist der Associate-Bonus aber nicht an die persönliche Leistung, sondern ausschließlich an den Erfolg der Gesamtkanzlei geknüpft. Das Hengeler-typische, strikte Lockstep-Prinzip wird dadurch also nicht eingeschränkt, sondern eher verstärkt.

Mit den Erhöhungen setzen sich sowohl Hengeler Mueller als auch Gleiss Lutz vor allem von den Magic-Circle-Kanzleien ab. Allen & Overy, Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer und Linklaters bieten jeweils 140.000 Euro, wobei auch hier ein bedeutender Teil der Bewerber Doktortitel, LL.M. oder beides mitbringen dürften.

Mehr Bekenntnis zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie

Etwas flexibler wird die Kanzlei dagegen bei der Bemessung des Partnertracks. Regulär stehen Hengeler-Associates nach sechs Berufsjahren zur Aufnahme in die Partnerschaft an, bei Teilzeittätigkeit oder Auszeiten verlängert sich der Track auf maximal acht Jahre. Nun rechnet Hengeler Teilzeitarbeit zu mindestens 80 Prozent mit maximal drei Jahren Dauer wie Vollzeit auf den Partnertrack an, ebenso bis zu drei Monate Elternzeit pro Kind. Zudem beteiligt sich die Kanzlei an den laufenden Kosten für Kinderbetreuung. (von Norbert Parzinger und Melanie Müller)

Alle Einstiegsgehälter ab 2022 findet ihr hier.


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