Sturmerprobt im grünen Bereich
Wenn es um die eigene Marke geht, verstehen Unternehmen keinen Spaß. Cathérine Elkemanns Job ist es, genau dafür zu kämpfen. Sie setzt die Rechte ihrer Mandanten durch, auch international. Gerade erst hat sie gegen Adidas gewonnen.
Es ist immer gut, den Weg nach oben nicht allein gehen zu müssen, sondern einen Sparringspartner zu haben. Cathérine Elkemann hatte dieses Glück: Die 36-Jährige wurde Anfang des Jahres in die Partnerschaft der renommierten Kanzlei Harte Bavendamm aufgenommen, die auf IP (Intellectual Property) spezialisiert ist. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Janna Thomsen, die in etwa so lange wie sie in der Kanzlei am Hamburger Sandtorkai arbeitet. „Das hat sich das Management schon sehr gut ausgedacht“, sagt Elkemann und lacht. „Wir haben uns sehr viel besprochen in der Zeit, es ist von Vorteil, einen ,Buddy‘ zu haben.“ Auch ihr Partner, Familie und Freunde unterstützten sie in dieser herausfordernden beruflichen Lebensphase. Heute ist sie froh, den Schritt gegangen zu sein. „Jetzt liegt es auch in meiner Verantwortung, dass die Kanzlei weiterhin so erfolgreich läuft“, sagt Elkemann.
Dabei wäre die gebürtige Westfälin, die seit Beginn ihres Referendariats 2014 in Hamburg lebt, beinahe gar nicht Expertin für Marken- und Wettbewerbsrecht, möglicherweise sogar gar nicht einmal Juristin geworden. „Das war nicht vorgezeichnet, nach dem Abi war ich erstmal super unentschlossen“, erzählt sie. Doch schließlich traf sie eine Bauchentscheidung: für Jura, und gegen BWL.
Elkemann fokussierte sich während ihres Studiums in Münster auf EU-Recht. In den Jahren der Ausbildung war sie aber für Praktika vorwiegend außerhalb der EU unterwegs: in den USA, in Australien – und im deutschen Bundestag. „In dieser Zeit habe ich rein gar nichts mit Markenrecht gemacht“, sagt sie. Wie so viele ihrer Kolleginnen und Kollegen, die sich später auf Markenrecht spezialisieren, ist auch Elkemann ein Fan von internationalem Arbeiten. Mit ihren zahlreichen Auslandsaufenthalten legte sie damals bereits den Grundstein. Der ,grüne Bereich‘, wie das Marken- und Wettbewerbsrecht auch oft genannt wird, begegnete ihr dann erst so richtig, als sie sich entschloss, nach dem ersten Examen als wissenschaftliche Mitarbeiterin, zu arbeiten. Ihre erste Station war damals bei Hogan Lovells in Düsseldorf, im Patentrecht.
Buntes Markenrecht
Ein anschließender LL.M. im südafrikanischen Stellenbosch, bei dem sie sich dann ganz auf Marken- und Wettbewerbsrecht fokussierte, bestärkte Elkemann darin, das Richtige gefunden zu haben. Für ihre Wahlstationen habe sie sich bewusst Stellen mit IP-Schwerpunkt ausgesucht. Ihren ersten Job als Associate trat sie 2016 bei Harte Bavendamm an – und ist seitdem dort geblieben. „Die Mandate sind in Großkanzleien und Boutiquen gleichermaßen spannend“, meint Elkemann, „aber meine Hoffnung, dass ich in einer Boutique schneller eigenverantwortlich arbeiten kann, hat sich erfüllt.“
Die Begeisterung für das Fachgebiet kann sie nicht verbergen: „Das Markenrecht ist einfach bunt, man hat mit tollen Produkten zu tun, die jeder kennt. Die Mandanten sind super vielfältig: vom kleinen Designer bis zum Großkonzern ist alles dabei.“ Die Internationalität, die die IP-Beratung mit sich bringt, ist außerdem genau ihr Ding: „Zuletzt gab es beispielsweise ein Mediationsverfahren zwischen einem japanischen und einem US-amerikanischen Unternehmen, eines davon unsere Mandantin, in Düsseldorf“, erzählt die Juristin. „Gemeinsam mit einem Kollegen und zig Dolmetschern haben wir drei Tage um eine erste Zwischenlösung gerungen.“
Die Streifenfrage
Zu 70 bis 80 Prozent, berichtet Elkemann, läuft ihre Arbeit auf Englisch ab. So auch bei einem weiteren Verfahren, das für Aufsehen gesorgt hat: Auf der einen Seite der US-Designer Thom Browne, ein Mandant von Harte Bavendamm, der gerne Kleidungsstücke mit vier Streifen versieht. Auf der anderen Seite steht Adidas, bekannt für sein Design mit den drei Streifen. Eine typische markenrechtliche Frage, in diesem Fall von Adidas gestellt, brachte die beiden Parteien vor Gericht: Darf Thom Browne vier Streifen verwenden oder besteht Verwechslungsgefahr zu Adidas-Produkten? „Das war ein richtiges David-gegen-Goliath-Verfahren“, sagt Elkemann, deren Kanzlei den deutschrechtlichen Teil betreut hat. Anders als in anderen Rechtsgebieten gehören gerichtliche Auseinandersetzungen zu ihrem Berufsalltag: „Schüchtern sollte man nicht sein, weil man viel vor Gericht auftritt.“ Gemeinsam mit einem der Gründungspartner von Harte Bavendamm, Michael Goldmann, war sie in dem Verfahren für ihre Mandantin erfolgreich. Die Markenschlacht wurde kürzlich vor dem Landgericht Nürnberg zugunsten von Thom Browne entschieden.
Ein Leben neben der Arbeit
Es sind solche streitigen Mandate, die Elkemann kurzfristig besondere Aufmerksamkeit abverlangen. „Jura wird nie ein Nine-to-five-Job sein“, sagt sie. Dennoch gelinge ihr meistens eine gute Work-Life-Balance. „Alle hier in der Kanzlei haben ein Leben neben der Arbeit“, sagt sie. Neben einem typischen Arbeitstag, der von 9 bis 19 Uhr geht, bleibt also noch genügend Raum für Freizeit, was in Elkemanns Fall bedeutet: Sport. Sie joggt, surft, spielt Tennis und steht im Winter auch auf dem Snowboard.
Ihre zweite Leidenschaft ist das Reisen. Nach ihrem LL.M. kehrte sie später noch einmal nach Südafrika zurück. Zuletzt war sie in den Rocky Mountains zum Snowboarden und reist demnächst mit ihrem Lebensgefährten durch die Balkanstaaten. Zurück in der Kanzlei erwarten Elkemann dann nicht nur spannende Mandate, sondern auch typische Fragestellungen, mit denen sie sich nun als Neupartnerin beschäftigt: Wie setzen wir künstliche Intelligenz ein? Wie gelingt es uns, guten Nachwuchs zu rekrutieren? Sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen ist – neben der veränderten Wahrnehmung von außen – der größte Unterschied zum vorherigen Angestelltendasein. Doch auch um diese wirtschaftliche Verantwortung ging es der jungen Anwältin, als sie dem Ruf in die Partnerschaft folgte.