Neues KI-Zertifikat von Harvey

Der KI-Anbieter Harvey hat im August ein Zertifikatsprogramm gestartet. Damit sollen Teilnehmerinnen und Teilnehmer rasch auf den gezielten Einsatz von KI in ihren Kanzleien oder Rechtsabteilungen vorbereitet werden.

Wer das Zertifikat der Harvey Academy erwerben möchte, absolviert online diverse Grundlagenmodule und die dazugehörigen Prüfungen. Eine Anmeldung ist jederzeit über die Academy möglich und steht allen Berufs- und Senioritätsgruppen offen, darunter auch Absolventen und Berufseinsteiger. Juristinnen und Juristen sind mit der alltäglichen KI-Anwendung sicherlich schon weiter als andere Berufsgruppen. Es gibt bisher allerdings kaum einen verlässlichen Referenzrahmen, der die ganze Einsatzbreite aufzeigt.

Corvin Kieselhorst von Harvey

Hier setzt Harvey an, jedoch nicht ganz uneigennützig. In den Trainings geht es aber nicht nur ums schnelle Prompten mit dem einen Tool. „Wir möchten die Anwender befähigen, in ihrer jeweiligen Rolle die passenden Tools für die passenden Aufgaben zu finden und einzusetzen“, erläutert Corvin Kieselhorst, Legal Engineer und Product Specialist bei Harvey. Der Wirtschaftsjurist bringt Berufserfahrung aus den Kanzleien A&O Shearman und Milbank mit. „Wir präsentieren nicht nur Anwendungsfälle und Berichte aus Kundensicht, sondern vermitteln auch weitergehende Skills – wie man aktiv zuhört, Prozesse analysiert und letztendlich Teil eines Change Management wird.“

Aktive Rolle mit KI

Das Harvey-Zertifikat umfasst ein Lernszenario, das vier Bereiche vereint: Juristische Grundlagen für den KI-Einsatz, technologisches Verständnis, Prozessdesign und -verbesserungen sowie „User Enablement“. Letzteres beinhaltet Trainings, die den Teilnehmern eine aktive Rolle in ihren Organisationen ermöglichen sollen, etwa durch Wissensvermittlung und die Möglichkeit, Teil oder Antreiber eines größeren Change Managements zu werden.

Kieselhorst: „Wir treffen immer wieder Teams, die KI-Lösungen wie Harvey bereits gut kennen und versiert einsetzen. Wir wollen mit dem Zertifikat weitergehen und es den Anwendern ermöglichen, in den Kanzleien oder Unternehmen auch einen organisatorischen Wandel voranzubringen.“ Schließlich hat Harvey nicht zuletzt mit der kürzlich präsentierten Plattform Harvey II neue Möglichkeiten geschaffen, die KI für größere, zusammengefasste Arbeitsschritte einzusetzen. Allerdings ist das Zertifikat mit einem Netto-Umfang von zwei Stunden nur „Level 1“ und somit ein erster Schritt in Sachen Weiterbildung. Je nach Teilnehmer-Feedback könnten laut Kieselhorst aber weitere Schulungs-Level hinzukommen.

Weiterbildungsbedarf in allen Branchen

Der Bedarf an umfassenden KI-Trainings ist unbestreitbar. Im Juni hat der TÜV-Verband erst eine Weiterbildungsstudie vorgestellt, die das Thema digitale Kompetenz in den Blick genommen hat. Dafür waren deutschlandweit 500 Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern befragt worden. „Mit dem zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz, datengetriebenen Geschäftsmodellen und vernetzten Systemen gewinnen auch spezialisierte Kompetenzen etwa in den Bereichen IT-Sicherheit, Datenanalyse oder KI-Entwicklung an Bedeutung“, hieß es in der Studie. Drei Viertel der Großunternehmen sehen einen unmittelbaren Qualifizierungsbedarf.

Bereits vor einigen Jahren war die mangelnde digitale Kompetenz in der Juristenausbildung eines der Themen, das eine Forscherin des CHE in der Beschäftigung mit sogenannten Future Skills entdeckt hatte. Doch zuletzt im Frühjahr 2026 hat die Konferenz der Justizminister Erwartungen enttäuscht, dass im Zusammenhang mit einer nötigen Reform des Jurastudiums auch das Thema Legal Tech/KI-Einsatz als verbindlicher Studieninhalt verstärkt werden könnte.

Die azur-Associate-Umfrage 2025 hatte ergeben, dass Associates im Durchschnitt ganz zufrieden mit den Aktivitäten ihrer Arbeitgeber sind, wenn es um Weiterbildung und den Einsatz von Legal Tech und KI geht: Die Note liegt hier zwischen eher zufrieden und zufrieden.


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