Mit jedem Schritt lernen: Anke Empting im Porträt

Als Partnerin im Öffentlichen Wirtschaftsrecht bei Pinsent Masons berät Anke Empting Mandanten wie die Uni Oxford im Beihilferecht. Ihr Handwerk hat sie in unterschiedlichen Kanzleien gelernt, vom deutschen Mittelständler bis zu den Big Four. Juristisches Wissen war nur ein Teil davon.

In der Corona-Pandemie hat Dr. Anke Empting mit dem Rudern begonnen – auf einem Rudergerät. „Ich nenne es liebevoll die Foltermaschine“, sagt die 45-Jährige und schmunzelt. Während sie darauf morgens ihre acht Kilometer zurücklegt, geht sie im Kopf den Tag durch, plant Termine und Telkos. Neben ihr am Tisch foltert sich ihr neunjähriger Sohn ebenfalls – mit den Matheaufgaben.

Als Partnerin für Öffentliches Wirtschaftsrecht bei Pinsent Masons in Düsseldorf arbeitet Empting Vollzeit. Dass es ihr trotzdem gut gelingt, ihren Beruf mit dem Privatleben zu vereinen, begründet sie auch mit dem Rechtsgebiet, in dem sie tätig ist: „Das öffentliche Recht ist sehr familienfreundlich. Ich habe viele Mandanten aus dem öffentlichen Sektor mit Arbeitszeiten von 8 bis maximal 18 Uhr.“ Das sieht sie als Vorteil gegenüber anderen, projektgetriebenen Beratungsfeldern: „Bei einem M&A-Deal kann ich nicht sagen, ‚Entschuldigung, ich muss mal fünf Stunden aussetzen‘, weil es immer sehr eilig ist.“

Im Gegensatz dazu laufen die Mandate, die Empting berät, meist über einen längeren Zeitraum. Sie ist spezialisiert auf Beihilferecht mit einem Fokus auf den wissenschaftlichen Bereich, also etwa auf Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das wird zum Beispiel dann relevant, wenn Hochschulen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden, mit der Industrie kooperieren. Denn im Gegensatz zu staatlichen Universitäten haben Unternehmen keinen Anspruch auf nationale oder EU-Fördermittel. Deshalb müssen sie dafür zahlen, wenn sie etwa universitäre Infrastruktur nutzen möchten. „Das alles sind beihilferechtliche Konstruktionen“, erklärt Empting.

Mit dieser Spezialisierung ist sie 2016 als Partnerin zu Pinsent Masons gekommen und hat das damals neu gegründete Düsseldorfer Büro mit aufgebaut. Auf dem Weg dorthin durchlief sie verschiedene berufliche Stationen – die sie alle auf unterschiedliche Weise prägten. Dabei wollte sie ursprünglich gar nicht Anwältin werden: „Ich wollte Sinologie studieren, weil ich Asien schon immer spannend fand.“ Als ihr die Studienberaterin davon abriet, weil das bedeutet hätte, dass sie zwei komplett neue Sprachen lernen muss, entschied Empting sich stattdessen für Jura. Schon während des Studiums reizte sie das Öffentliche Recht: „Man hat einen starken praktischen Bezug. Gleichzeitig geht es nicht so sehr um persönliche Schicksale wie zum Beispiel im Strafrecht.“

Verständlich schreiben.

Auf die beiden Staatsexamen und die Promotion folgte der Einstieg bei Heinemann in Essen. Für Empting war der Start in einer vergleichsweise kleinen Kanzlei, eng begleitet von einem Mentor, genau richtig, um das Handwerkszeug eines Anwalts zu lernen. „Das fängt bei kleinen Dingen an, zum Beispiel, wie man schreibt, damit es juristisch zwar korrekt ist, aber so klar, dass mein Gegenüber es versteht.“ In Großkanzleien sei eine so gute Betreuung nicht immer selbstverständlich.
Eine Nummer größer als Heinemann war Emptings nächste berufliche Station: Heuking Kühn Lüer Wojtek in Düsseldorf, eine mittelständische Kanzlei, in der sie am Ende als Salary Partnerin tätig war. Dort arbeitete sie in der Praxisgruppe ‚Öffentlicher Sektor und Vergabe‘ unter Partnerin Dr. Ute Jasper: „Bei Heuking habe ich gelernt, wie man Mandanten akquiriert. Das heißt, wie man auffällt, sich darstellt und sich bei Gesprächen durchsetzt.“

Durchsetzungsstark wirkt Empting in jedem Fall. Sie ist energisch, redet viel und schildert lebhaft. Gleichzeitig scheint sie sehr reflektiert. Trotz dieser Eigenschaften war die Zeit bei Heuking nicht immer leicht für sie: „Wenn man unter einer sehr präsenten Partnerin lernt, muss man erstmal seine eigene Nische finden.“ Das gelang ihr, indem sie ihre Kombination aus Beihilferecht und Hochschulmandanten zur Spezialdisziplin ausbaute.

Von Heuking zog es Empting 2011 weiter, diesmal zu den Big Four. Damit gemeint sind die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt, die allesamt auch Rechtsberatung anbieten in assoziierten Kanzleien. Von PwC Legal wechselte sie bereits nach rund anderthalb Jahren zu KPMG Law. Laut Empting war der Beratungsansatz der Grund für den Wechsel. PwC gehe nach Regionen, sie habe aber nie regional beraten, sondern immer bundesweit.

Ziel fest im Blick: Vollpartnerin.

Sowohl bei PwC als auch bei KPMG ist man als Anwältin eine von vielen in großen Teams. Für Empting bot diese Konstellation erneut Lernpotenzial. Denn um unter solchen Umständen an gute Mandate zu kommen, musste sie sich ein stabiles Netzwerk innerhalb der Organisation aufbauen. Ein eigener Mandantenstamm war auch deshalb so wichtig, weil sie ihr nächstes berufliches Ziel fest im Blick hatte: Vollpartnerin werden. „Was das bedeutet, wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht. Und was es bedeutet, mit Kind im Partnerprozess zu sein, das wusste ich erst recht nicht“, sagt sie heute.

Wer in einer Kanzlei zum Partner aufsteigen will, der muss unterschiedliche Qualifikationen mitbringen. Einen Business Case, also ein erfolgversprechendes unternehmerisches Konzept, hatte Empting bereits. Nun musste sie Mandanten anwerben, zum Beispiel, indem sie Vorträge hielt. Erneut zeigte sich, dass es nicht immer ausreicht, eine gute Juristin zu sein: „Am Anfang stand ich da, hatte 100 Leute vor mir, mir war einfach nur übel und trotzdem musste ich natürlich kompetent rüberkommen“, erinnert sie sich.

Zudem buhlte neben Emptings Mandanten auch ihr Sohn, damals noch ein Kleinkind, um ihre Aufmerksamkeit. Offen zugeben, dass sie gerade keine Zeit hat, sich um Mandantenanfragen zu kümmern, weil er sie braucht – auch das musste die Anwältin zunächst lernen. „Verleugnen hat nie etwas gebracht“, resümiert sie.

Großer Vertrauensbeweis.

An den Moment, als sie schließlich erfuhr, dass sie als Partnerin bei Pinsent einsteigen kann, erinnert Empting sich noch gut. „Ich habe mich riesig gefreut und wir haben zu Hause erstmal eine Flasche Schampus aufgemacht.“ Gemeinsam mit ihr wechselte ihr gesamtes Team von KPMG zu der Kanzlei mit Wurzeln in Großbritannien – für Empting ein großer Vertrauensbeweis. Dort bauten die Neuzugänge nicht nur einen neuen Standort auf, sondern auch die Praxisgruppe Öffentliches Wirtschaftsrecht, die es bei Pinsent Masons in Deutschland zuvor nicht gegeben hatte.

Ob die Partnerschaft die letzte Station auf Emptings beruflichem Weg ist? An Alternativen mangelt es ihr nicht. Zwei Hochschulen forderten sie bereits auf, die Seiten zu wechseln und Kanzlerin bei ihnen zu werden. Sie entschied sich jedoch dagegen: „Das hätte mich zu sehr eingeschränkt. Ich würde die ganzen Facetten vermissen, die mir die Arbeit als Anwältin bietet.“


Teilen:

azur Mail abonnieren