Liebe Irka, liebe Herren …

Partnerin werden in Corona-Zeiten – das war und ist keine leichte Aufgabe. Neuzugänge in der Partnerschaft müssen besonders Gas geben, um sich selbst und den Kollegen zu beweisen, dass es die richtige Entscheidung war. Netzwerken und im Büro als Chefin agieren, das war im Lockdown aber schwierig. azur stellt vier Partnerinnen und Partner vor, die diese Aufgabe gemeistert haben. Nach Dr. Carsten Wendler geht es heute um Dr. Irka Zöllter-Petzold.

Dr. Irka Zöllter-Petzoldt, Flick Gocke Schaumburg, Corporate

Als Deutschland Mitte März 2020 zum ersten Mal dichtmachte, war Dr. Irka Zöllter-­Petzoldt noch keine drei Monate Equity-Partnerin. Eigentlich sollte es für die 44-Jährige zu dem damaligen Zeitpunkt darum gehen, mit der Kontaktpflege und dem Ausbau ihres Mandantenstamms richtig durchzustarten. Da kommt so ein Lockdown besonders ungelegen.

Die frisch ernannte Partnerin spürte die Krise direkt: „Drei meiner Projekte wurden mit Beginn des Lockdowns ausgesetzt.“ Däumchen gedreht hat Zöllter-Petzoldt trotzdem nicht. „Mir hat in dieser Situation sehr geholfen, dass ich nicht allein auf die Transaktions­beratung fokussiert bin.“ Denn neben Deals ist Zöllter-Petzoldt auch im Aktien- und Kapitalmarktrecht tätig. Sie berät etwa börsennotierte und nicht börsennotierte Unternehmen zu Kapitalerhöhungen.

Ohne Geselligkeit kein neues Geschäft.

Doch mit der täglichen Mandatsarbeit ist es als Equity-Partnerin nicht getan. Neue Mandanten und neues Geschäft müssen her. Das ist schwierig, wenn plötzlich nur noch virtuelle Formate möglich sind. „Zu langjährigen Mandanten kann man auch über virtuelle Kanäle gut den Kontakt halten, aber Neuakquise ist ohne persönlichen Austausch deutlich schwieriger“, sagt Zöllter-Petzoldt. Denn bei digital stattfindenden Kanzleiveranstaltungen fällt der entscheidende Programmpunkt ins Wasser: der gesellige Ausklang.

Ihre Karriere bei Flick Gocke verlief nicht geradlinig. Nach ihrem Einstieg 2007 im Berliner Büro, wurde sie 2013 Associated Partnerin. 2015 wechselte sie in ein Unternehmen. „Die Zeit als General Counsel war sehr interessant und mit neuen Herausforderungen verbunden. Allerdings war ich als Inhouse-Jurist häufig eher Legal Manager und habe weniger in der juristischen Tiefe gearbeitet.“ Nach zwei Jahren bei Heliocentris Energy Solutions kehrte sie zu Flick Gocke zurück. Die Zeit im Unternehmen habe ihr Selbstvertrauen gestärkt, sagt sie rückblickend. „Dort habe ich gelernt, die unternehmerischen Aspekte mitzudenken. Das hilft mir heute oft weiter, weil ich meine Mandanten nicht nur rein juristisch beraten kann.“

„Auf die Wahrnehmung von Kollegen und Außen­stehenden wirkt sich der Status stärker aus als das Geschlecht.“

Mit gesundem Selbstvertrauen und Unternehmertum kann man auch in einer männerdominierten Szene wie dem Corporate-Geschäft bestehen. Zöllter-Petzoldt war nicht nur die zweite Equity-Partnerin im Gesellschaftsrecht bei Flick Gocke, sondern die zweite Partnerin der Kanzlei überhaupt. „In der Anrede einer E-Mail werde ich neben den Herren im Verteiler manchmal explizit angesprochen. Ansonsten ist das aber nach meiner Wahrnehmung kein Thema, dass ich die einzige Frau auf dem Projekt bin.“

Auch wenn der Einstieg und ihr erstes Jahr als Equity-Partnerin nicht ganz so verlaufen ist, wie ursprünglich geplant, sieht Zöllter-Petzoldt auch positive Aspekte, die sich aus der Pandemie er­geben haben. Zum Beispiel habe die interne Zusammenarbeit der einzelnen Praxisgruppen und Teams ein neues Level erreicht. Der interne Austausch sei deutlich intensiver als zuvor. Außerdem begrüßt sie die neue Einstellung der Kanzlei zum Homeoffice. Da habe es zuvor schon noch Vorbehalte gegeben. Dass die nun weitgehend abgebaut seien, sei eine wichtige Botschaft, insbesondere an junge Eltern.


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