News
19.11.2020 | Autor/in: Anika Verfürth

Homeoffice und Kanzleien: Wie flexibel arbeiten Anwälte in zehn Jahren?

Wie sieht der Rechtsmarkt in zehn Jahren aus? Was hat sich im Arbeitsalltag von Kanzleien verändert und was nicht? Unter dem Motto „30 für 30“ hat die JUVE-Redaktion 30 Thesen für das Jahr 2030 aufgestellt. Eine Frage, die alle bereits in diesem Jahr sehr stark beschäftigt hat, ist die Gestaltung der Homeoffice-Möglichkeiten.

Im Jahr 2030 … 

laufen 80 Prozent der Besprechungen mit Mandanten virtuell, Homeoffice ist etabliert.

Eine Erkenntnis aus der Corona-Hochphase ist wohl für sämtliche Unternehmen gültig: Nicht jede Besprechung erfordert die physische Anwesenheit der Teilnehmer. Deshalb werden künftig weniger Anwälte für ein Abendessen in den Flieger nach London steigen. Viele Mandanten werden die Kosten dafür nicht mehr tragen wollen. Aber viele Anwälte sind selbst erleichtert, wenn sie diesen Zeitaufwand nicht mehr betreiben müssen.

Der Lockdown hat Videokonferenz-Anwendungen wie Zoom, Teams oder Webex von Nischenplayern zum festen Bestandteil des Alltags gemacht. Kanzleien haben ihre Arbeitsabläufe digitalisiert und ihre Anwälte so ausgestattet, dass sie von überall arbeiten können und erreichbar sind. Das wird neue Regeln erfordern, auch wenn Homeoffice in den vergangenen Jahren bei Associates oft ganz oben auf der Wunschliste stand. Bis 2030 wird dementsprechend der Bedarf an Büroflächen der Kanzleien sinken, Homeoffice wird eingepreist.

Ein Blick ins Jahr 2020:

Die Corona-Krise war ein Treiber für flexible Arbeitsplatzgestaltung. Die internationale Kanzlei Dentons zog in Großbritannien bereits Konsequenzen und schickte ihre Mitarbeiter in Edinburgh und Milton Keynes dauerhaft ins Homeoffice. Zudem – vor Kurzem noch undenkbar – kündigte die Kanzlei an, auch die Größe des Londoner Büros bei Ablauf des Mietvertrags 2025 zu überprüfen. Auch in Deutschland haben Manager verschiedener Kanzleien schon angefangen zu rechnen.

Im Rahmen der azur-Associate-Umfrage, an der im Frühsommer dieses Jahres 3.470 junge Juristen teilnahmen, hat sich ein deutliches Bild abgezeichnet. Viele Teilnehmer nennen die Einführung von Homeoffice als wesentliche Verbesserung in den vergangenen 12 Monaten. Viele freuen sich über das Bekenntnis und die „stark gestiegene Akzeptanz“ von flexibler Arbeitszeit und einem flexiblen Arbeitsort. „Die Zusagen von festen Homeoffice-Tagen“ oder die „Überarbeitung der Homeoffice-Regeln“ lassen die Teilnehmer darauf hoffen, dass sich auch langfristig ein Wandel in den Kanzleien hält. „Das ist eine wirklich tolle Verbesserung“, fasst ein Teilnehmer aus einer Großkanzlei die Ausweitung von Homeoffice für alle zusammen. Noch fehlt allerdings die Langzeiterfahrung. Nicht ausgeschlossen, dass 2030 das Pendel schon wieder zurückschwingt.

Wie Arbeitgeber vor dem Lockdown zu Homeoffice standen, könnt ihr in den einzelnen Besprechungen der Redaktion zu den Arbeitgebern nachlesen.