Internationalität ist Trumpf: Partner werden in Corona-Zeiten

Wer Partnerin oder Partner wird, muss mächtig ranklotzen – sich selbst und den Kollegen beweisen, dass es die richtige Entscheidung war. Doch in den vergangenen anderthalb Jahren war das schwerer als ohnehin schon: Netzwerken und sich im Büro als Chef beweisen – kaum möglich in Corona-Zeiten. In den kommenden zwei Wochen stellen wir vier Neupartner vor, die berichten, wie sie den Start erlebt haben. Für Dr. Carsten Wendler war die internationale Ausrichtung wichtig, um diese Herausforderung zu meistern.

Dr. Carsten Wendler, Freshfields Bruckhaus Deringer, Litigation

Internationalität liegt Dr. Carsten Wendler im Blut. Die meiste Zeit zwischen Kindergarten und Abitur hat der 42-Jährige im Ausland verbracht. Schule, Studium und Referendariat beendete er in Deutschland. Doch zwischendurch ging es immer mal wieder nach London, Madrid, New York und Peru. Nach New York verschlug es ihn als Anwalt 2017 nochmal. „Damals habe ich vor allem an Fällen mit Lateinamerika-Bezug gearbeitet“, sagt der Schiedsrechtler von Freshfields Bruckhaus Deringer. Das Rüstzeug hat er: Neben dem juristischen Know-how bringt er die nötigen spanischen Sprachkenntnisse mit. Das verdankt er einem deutschen Vater und einer peruanischen Mutter.

Eine Schlüsselrolle spielt Wendler aktuell in einer Investitionsschutzklage des WestLB-Nachfolgers Portigon gegen Spanien. Der Fall ist Teil eines Komplexes von mehr als 50 Klagen, die Solarparkinvestoren gegen Spanien führen. Im vergangenen Jahr erzielte Wendler mit seinem Team einen wichtigen Etappensieg.

Acht Jahre nach seinem Start bei Freshfields wurde Wendler im Mai 2020 zum Partner ernannt – mitten in der Pandemie. „Natürlich hatte ich zunächst enormen Respekt vor der Situation. Trotzdem habe ich nie den Optimismus verloren“, erinnert er sich.

Als Associate einschlafen, als Partner erwachen – Karrierestufen werden in Corona-Zeiten ohne viel Tamtam erklommen.

Normalerweise ist der Aufstieg in die Partnerriege einer internationalen Spitzenkanzlei mit viel Tamtam verbunden. Das fiel im Sinne des Abstandsgebots im Corona-Jahr 2020 alles flach. „Ich bin abends als Associate ins Bett gegangen und morgens als Partner aufgewacht, und das im Homeoffice ohne äußere Veränderungen. Das musste ich erst einmal realisieren.“

Als Schiedsrechtler mit einer Spezialisierung auf völkerrechtliche Verfahren ist seine Arbeit sehr international geprägt. „Nach meiner Studienzeit in New York dachte ich, dass ich International Arbitration gar nicht so richtig von Deutschland aus machen kann.“ Schon während des Referendariats bekam er aber zu spüren, wie stark international die Frankfurter Konflikt­lösungspraxis von Freshfields ausgerichtet ist. Er wollte da unbedingt hin. Heute ist das Büro Anlaufstelle für Bewerbungen aus aller Welt. Einige Kollegen kommen auch aus spanischsprachigen Ländern. „El barrio“, die Nachbarschaft, wird diese Gruppe intern liebevoll genannt.

Die Internationalität ist ein wichtiger Grund, warum die Pandemie laut Wendler keine großen Auswirkungen auf die interne Zusammenarbeit hatte und hat. „Weil wir schon lange agil und flexibel arbeiten, waren wir für die Arbeit im Lockdown gut aufgestellt.“ Wirklich verändert hat sich nur die Art der Kommunikation: Videokonferenzen statt echte Treffen. Wendler kann der neuen virtuellen Normalität auch Positives abgewinnen. „Wir sind früher für Zeugenvernehmungen um die halbe Welt geflogen. Das haben wir mit Blick auf Nachhaltigkeit schon vor dem ersten Lockdown zurückgefahren.“

Ernsthafte Sorgen um sein Geschäft macht er sich nicht. „Natürlich ist zunächst mal eine Verhandlung verschoben worden, das Geschäft ist aber schnell wieder hochgefahren. Mittelfristig rechnen wir sogar mit mehr Streitigkeiten – irgend­wer muss am Ende schließlich die Zeche zahlen“, sagt Wendler. Das ist einerseits bedauerlich, anderseits gut für den Neupartner und seine Kollegen. Streit ist nun mal ihr Geschäft.

Nach Dr. Carsten Wendler stellt die azur Redaktion nacheinander Dr. Irka Zöllter-PetzoldJan-Ove Becker und Dr. Sara Berendsen vor.


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