Freshfields gründet Einheit für Massenverfahren

Neue Jobs für Nachwuchsjuristen abseits der Kanzleimetropolen: Freshfields Bruckhaus Deringer gründet eine spezialisierte Einheit für Massenverfahren. Zum Februar eröffnet die Einheit ein Büro in Münster, weitere Standorte sollen folgen. Für junge Juristen in Universitätsstädten, die sich für Litigation interessieren, ergeben sich neue Möglichkeiten für den Berufseinstieg.

Die Dieselklagen sind nur das bekannteste Beispiel für eine neue Art von Massenverfahren, die auf Jahre hinaus den Litigation-Markt prägen werden: Mit Hilfe von Legal Tech und neuen Formen des Mandatsmanagements lassen sich Komplexe in einer Dimension bearbeiten, die bis vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war. Für die Bewältigung der Verfahrenskomplexe mit zigtausenden ähnlich gelagerten Fällen benötigen Kanzleien noch mehr Nachwuchs, um Aufgaben nicht länger outsourcen zu müssen.

Kläger und Beklagte in Massenverfahren rüsten auf

Inzwischen haben sich auf Klägerseite zahlreiche Spezialisten für technikgestützte Massenverfahren entwickelt – klassische Kanzleien, aber auch neuartige Rechtsdienstleister, die im Verbund mit Prozessfinanzierern Verbraucheransprüche durchsetzen. Neben dem Dieselkomplex geht es etwa um Fluggastrechte, Mietpreise oder Datenschutz.

Der Schritt von Freshfields zeigt, dass nun auch Beklagtenvertreter Massenklagen-Know-how bündeln und als eigenen Bereich innerhalb ihrer Organisation abbilden. Vor Kurzem erst hatten Deloitte Legal und Frommer Legal gemeinsam Class Reaction gegründet, eine Kanzlei, die auf die Abwehr von Massenklagen spezialisiert ist. Andere wie Noerr haben innerhalb ihrer Litigation-Praxen Untergruppen für kollektiven Rechtsschutz gebildet. 

Vier neue Freshfields-Büros in der Provinz

Doch so konsequent wie Freshfields es nun vorhat, hat bisher keine Großkanzlei auf den Trend zu Massenklagen reagiert. Der endgültige Name des Projekts ist noch nicht bekannt, fest steht nach JUVE-Informationen aber: Es wird sich um eine Serviceeinheit innerhalb der Kanzlei handeln, die die Marke Freshfields im Namen trägt – vergleichbar mit Freshfields Lab (Legal Tech) und Freshfields Hub (Projektjuristen und nicht-anwaltliche Dienstleistungen).

Die speziell auf Massenklagen zugeschnittene Abteilung soll vier eigene Standorte haben, von denen aus jedes deutsche Land- und Oberlandesgericht innerhalb von zwei Stunden erreichbar ist. Das erste Büro eröffnet zum Februar in Münster. Es soll je ein weiteres Büro im Norden, Osten und Süden Deutschlands hinzukommen. Die Büros liegen in Städten, die über Hochschulen mit Jura-Studiengängen verfügen, aber nicht klassische Kanzleimetropolen sind – und damit den Vorteil günstigerer Mieten haben. Nachwuchsjuristen, denen ihre Studienstädte ans Herz gewachsen sind, bietet Freshfields damit zukünftig eine neue Karrieremöglichkeit.

Mehr als 100 neue Freshfields-Anwälte

Auch wenn die Einheit sich im Aufbau befindet und keine starren Zielgrößen vorgegeben sind, gilt eine Teamstärke von 50 Anwältinnen und Anwälten pro Büro als realistische Größe. Damit würde Freshfields in Deutschland demnächst um eine deutlich dreistellige Zahl von Juristen wachsen, denn in der Massenklagen-Einheit sollen vorwiegend neueingestellte Berufsträger arbeiten. Dabei hat die Kanzlei nach JUVE-Informationen vor allem Berufseinsteiger im Blick.

Auch wenn dies offiziell niemand so nennt: Mit der neuen Serviceeinheit führt die Kanzlei einen Status zweiter Klasse innerhalb ihrer Anwaltsriege ein. Die Anwältinnen und Anwälte in der Massenklagen-Einheit sind keine regulären Associates, sondern sie sollen den Titel Litigator führen. Die Anforderungen bei den Examensnoten sind geringer, die Bezahlung ist es auch. Ein Wechsel in den Associate-Karrieretrack ist nicht ausgeschlossen, aber auch nicht regulär vorgesehen. Für Absolventen mit weniger guten Examensnoten oder lokaler Gebundenheit ist die neue Einheit jedoch auch eine Chance, dem eigenen Karriereweg eine neue Richtung zu geben.


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