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15.01.2021 | Autor/in: Eva Flick

Recruiting-Paradies: Freshfields baut Standort Berlin aus

Berlin bleibt eben doch sexy. Diese Meinung vertreten junge Juristen schon seit Jahren. Schon länger sind die Büros von Großkanzleien in der Hauptstadt eher auf Schrumpfkurs, auch das von Freshfields Bruckhaus Deringer. Nun wächst es wieder dank Hub, Lab und der Praxis für Konfliktlösung. Die Kanzlei verpflanzte einen Teil ihrer Mannschaft nach Berlin und nutzt den Standort zum Recruiting.

Der Ausbau des Berliner Büros der vergangenen drei Jahre ist deutlich: Nachdem sich im Frühjahr 2018 die langjährigen Partner und Öffentlichkeitsrechtler Dr. Wolf Spieth, Dr. Herbert Posser und Dr. Benedikt Wolfers verabschiedet hatten, zählte das Büro nur noch 7 Partner und 40 Associates. Mittlerweile sind es wieder 11 Partner, 5 Counsel und 53 Associates, davon gehört ein erheblicher Teil zur Konfliktlösungspraxis, nämlich die drei Partner Marcel Kaufmann, Dr. Michael Ramb und Dr. Moritz Pellmann sowie 24 Associates. Pellmann, der vorher von Frankfurt aus tätig war, wird nun die Hälfte seiner Zeit in der Hauptstadt verbringen, auch einige Associates packen ihre Umzugskartons.

Legal-Tech-Hub am Potsdamer Platz

Platz genug ist da. Bereits im August 2019 mietete Freshfields am Potsdamer Platz 1 zu den bereits vorhandenen sieben Etagen drei weitere hinzu. Die Anwälte arbeiten nun mit den Mitarbeitern aus dem Hub und Lab unter einem Dach. Auch Letztere haben zuletzt ihre Mannschaft ausgebaut. Das im Mai 2019 gegründete Lab mit inzwischen 20 Mitarbeitern entwickelt gemeinsam mit Mandanten technologiebasierte Lösungen für Digitalisierungsfragen. Es war ursprünglich in der benachbarten ‚Factory Berlin‘ untergebracht. Im Freshfields Hub sind in Deutschland sogar mittlerweile rund 100 Juristen und Legal-Tech-Spezialisten beschäftigt, um mit Hilfe von Legal Tech komplexe Verfahren, wie etwa für VW im Dieselskandal, zu unterstützen.

Letzteres fungiert nicht selten als Unterbau für umfangreiche Prozesse und interne Untersuchungen, die wegen ihrer exorbitanten Datenvolumina überhaupt nur mit technischen Lösungen zu stemmen sind. Insofern macht auch die räumliche Nähe zur Konfliktlösungspraxis Sinn. Denn immer häufiger geht es in den Mandaten weniger um den reinen Rechtsrat, als um die Verzahnung von Recht und der Frage, wie der Mandant Prozesse auch technisch umsetzen kann.

Aus Recruitment-Sicht macht die Stärkung des Berliner Standorts Sinn, denn die Begeisterung für die Hauptstadt unter jungen Juristen ist ungebrochen. Das berichten Kanzleien quer durch die Republik. Allein – es fehlen die Mandanten vor Ort. Der eine oder andere gute Bewerber ließ sich deswegen mitunter nach Hamburg vertrösten, heißt es. Sexy fand das aber längst nicht jeder.