Berufseinstieg: Jeder Zweite kennt seinen Arbeitgeber vorher nicht

Ob durch Praktikum, Referendariat oder Wissenschaftliche Mitarbeit – junge Juristinnen und Juristen wollen potenzielle Arbeitgeber gründlich kennenlernen. Doch eine Auswertung der aktuellen azur-Associate-Umfrage zeigt, dass nicht alle Kontakte in einem Arbeitsvertrag münden.

Wer in eine Großkanzlei möchte, dem stehen gleich mehrere Wege offen, um potenzielle Arbeitgeber vorab kennenzulernen: das Praktikum, die Referendarstation und eine wissenschaftliche Mitarbeit. Doch welche dieser Optionen wird von Bewerbenden am häufigsten genutzt – und wie viele finden darüber wirklich zu ihrem späteren Arbeitgeber? Die aktuelle azur-Bewerberumfrage und die azur-Associate-Umfrage liefern dazu aufschlussreiche und teils überraschende Zahlen.

Referendariat als Eintrittskarte

Associates, die ihren Arbeitgeber bereits vor dem Berufseinstieg kannten, haben diesen in den meisten Fällen bereits als Referendare kennengelernt. Das legt eine Auswertung der aktuellen azur-Associate-Umfrage nahe, an der knapp 3.500 berufstätige junge Juristinnen und Juristen aus Kanzleien, Unternehmen, Beratungsgesellschaften und Behörden teilgenommen haben. Rund 23 Prozent der befragten Associates gaben an, ihren späteren Arbeitgeber ausschließlich im Referendariat kennengelernt zu haben – mit Abstand der häufigste Einzelweg.

Hinzu kommt die Zahl derjenigen Associates, die gleich mehrere Möglichkeiten – darunter das Referendariat – kombiniert hat, um den Wunscharbeitgeber unter die Lupe zu nehmen. So gaben rund 8 Prozent an, ihre aktuelle Kanzlei vor dem Berufseinstieg sowohl durch das Referendariat als auch eine wissenschaftliche Mitarbeit kennengelernt zu haben.

Praktika werden überschätzt

Dass das Referendariat damit insgesamt auf Platz eins rangiert, liegt vermutlich daran, dass es für Jurastudierende ohnehin zum Pflichtprogramm zählt und neben der vorgesehenen Anwaltsstation durch die Wahlstation eine gezielte Annäherung an den Wunscharbeitgeber erlaubt.

Vergleicht man allerdings die Angaben aus der azur-Associate-Umfrage mit denen aus der azur-Bewerber-Umfrage, fällt auf: Bewerbende vor dem Berufseinstieg messen speziell dem Praktikum eine hohe Bedeutung bei. Während knapp 24 Prozent der Befragten in der azur-Bewerber-Umfrage allein auf ein Praktikum als Türöffner setzen, liegt die Zahl derjenigen Associates, die laut azur-Associate-Umfrage (auch) über ein Praktikum bereits Vorkontakt zum späteren Arbeitgeber hatte, bei lediglich 5 Prozent. Für Studierende heißt das: Praktika sind wertvoll für Orientierung und praxisnahe Einblicke, echte Berufseinstiege ergeben sich jedoch deutlich häufiger aus einer wissenschaftlichen Mitarbeit oder dem Referendariat.

Viele Associates wagen den Sprung ins kalte Wasser

Die vielleicht überraschendste Erkenntnis offenbart jedoch eine andere Zahl: Während Bewerbende von ihren Praktika, Stationen und WiMi-Jobs viel erwarten, führen die so entstehenden Kontakte oft nicht zum Ziel. Denn die Mehrheit der befragten Associates hatte vor ihrem Berufseinstieg keinen direkten Kontakt zu ihrem aktuellen Arbeitgeber – weder durch ein Praktikum noch durch eine Referendarstation oder wissenschaftliche Mitarbeit. Rund 54 Prozent gaben an, ihren derzeitigen Arbeitgeber zuvor gar nicht gekannt zu haben.

Die Daten zeigen zweierlei: Erstens lohnt es sich für Bewerbende, potenzielle Arbeitgeber schon vor dem eigentlich Berufseinstieg kennenzulernen und zu vergleichen. Zweitens sollte man sich nicht entmutigen lassen, wenn der Wunscharbeitgeber bislang nicht auf dem eigenen Lebenslauf auftaucht. Denn: Der klassische Bewerbungsweg ist keineswegs ein Plan B, sondern für viele Associates der Hauptzugang in den Beruf.

An der aktuellen azur-Associate-Umfrage (Sommer 2025) haben knapp 3.500 berufstätige junge Juristinnen und Juristen aus Kanzleien, Unternehmen, Beratungsgesellschaften und Behörden teilgenommen. Die azur-Bewerber-Umfrage (Dezember 2024 bis September 2025) beantworteten über 1.800 Nachwuchsjuristinnen und -juristen.


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