GvW Graf von Westphalen
Top-Arbeitgeber: 2 Sterne
Moderne Mittelstandskanzlei mit zu wenig Frauenpower
KI gehört zum Alltag. GvW gehört zu den Mittelstandskanzleien, die sich früh mit Themen wie Nachhaltigkeit und Legal Tech beschäftigt haben. Entsprechend viel hat sie nun zu bieten. Dazu zählt ein eigenes Team für Tech und Operations, das nicht nur Tools testet und selbst entwickelt, sondern auch die Anwältinnen und Anwälte fit für den Umgang mit KI macht. Dabei setzt GvW sowohl auf Basisangebote wie ein ,Tech-Wiki‘ mit Erklärungen zu Begriffen und Programmen als auch auf umfangreiche Trainings und Workshops. Die GvW-Associates sind mit diesem Angebot ziemlich zufrieden und vergeben überdurchschnittliche Noten in der azur-Umfrage. „Zahlreiche KI-Lösungen, die in der Kanzlei ausprobiert werden. Spannend und sehr lehrreich“, findet ein Teilnehmer. „Das Legal-Operations- Team setzt Impulse und hilft“, lobt ein anderer.
Reden ist wichtig. Auch für ihre Fortbildungsmöglichkeiten vergeben die Associates gute Noten. Viele loben die „neue Struktur des Weiterbildungsprogramms“ und den „konkreteren Zuschnitt auf bestimmte Erfahrungsstufen“. Beim Gehalt, den Arbeitsinhalten und der Arbeitsbelastung kommt GvW in der azur-Umfrage ebenfalls gut weg. Für die Kommunikation innerhalb der Kanzlei gilt das nicht. Mehrfach kritisieren die Associates in der azur-Umfrage die „unzureichende“ oder „mangelnde Kommunikation bei wichtigen Entscheidungen“. Auch das „nachträgliche Mitteilen von Entscheidungen“ finden viele „unangemessen“. Entsprechend schlecht fallen die Noten für Personalführung und Kommunikation in der Umfrage aus. Die gute Stimmung drückt das aber nur mäßig: Die Note für das Betriebsklima liegt lediglich leicht unter dem Durchschnitt.
Partnerinnen? Quasi Fehlanzeige. Zweites großes Thema für das Ende 2025 neu gewählte Management dürfte das Thema Frauenförderung sein. Dafür sprechen nicht nur die weiblichen Stimmen in der azur-Umfrage, die das „mangelnde Verständnis für Themen rund um die Kinderbetreuung“ kritisieren und sich fragen, wie man in Teilzeit die Anforderungen an die Equity-Partnerschaft erfüllen soll. Die nackten Zahlen sprechen ebenfalls eine eindeutige Sprache. Mit einem Frauenanteil von gut 30 Prozent in der Gesamtkanzlei liegt GvW in Relation zu vergleichbaren Mittelstandskanzleien eher auf den hinteren Rängen. Auch die knapp 15 Prozent Frauen in der Vollpartnerschaft sind kein Aushängschild. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass GvW zu den Kanzleien zählt, die jedes Jahr eine beachtliche Zahl an jungen Talenten zu Partnern befördert. Auch unter den vier neu ernannten Equity-Partnern 2026 war keine Anwältin. Dafür waren immerhin sieben von zehn Assoziierten Partnern weiblich. Ein erster Schritt. Doch die bisherigen Angebote und auch das Bekenntnis zur Partnerschaft in Teilzeit im Sozietätsvertrag scheinen in puncto Frauenförderung nicht ausreichend.
- 20 Volljuristen
- 80 Referendare
- 30 WiMis
- 75 Praktikanten
Praktikum & Referendariat
Bei den Praktikanten setzt die Kanzlei auf ein Mentorensystem und hilft mit Probeklausuren und Workshops bei der Examensvorbereitung. In diesem Jahr kommt eine Summer School für Studierende im Grundstudium hinzu. GvW ist zudem eine fleißige Referendar-Ausbilderin, die ihren Nachwuchsjuristen viel zu bieten hat von Aktenvortragstraining bis zu Probeklausuren. Daneben steht das übliche Training on the Job. Bei Referendaren kommt das gut an: „Gute Ausbildung, Mitarbeit in tollen Projekten“, findet einer. Gleich mehrere Teilnehmer der azur-Bewerberumfrage loben die „super Arbeitsatmosphäre“.
Ausbildung & Karriere
Seit gut einem Jahr hat GvW ein neues, überarbeitetes Ausbildungsprogramm für Associates. Durch die Neuausrichtung sollen persönliche Skills und Business-Know-how gestärkt werden, sowohl bei Berufseinsteigern als bei auch Senior Associates. Bei Bedarf werden Inhalte auch im 1:1-Unterricht vermittelt. Weitere interne Kursreihen decken juristische Themen ab, andere befassen sich mit Legal Tech und Digitalisierung sowie Legal Operations. Neu ernannten Assoziierten Partnerinnen und Partnern steht ein eigenes Partnerentwicklungsprogramm offen. Das Karriereziel Partnerschaft ist nur in wenigen Kanzleien so greifbar wie bei GvW. 2026 kamen vier Vollpartner und zehn Assoziierte hinzu. Parallel gibt es die Counsel-Stufe, als Zwischenschritt oder auch zur dauerhaften Anstellung. In der azur-Associate-Umfrage bewerten die GvW-Anwälte ihre Chancen auf die Vollpartnerschaft besser als die alternativen Wege, kritisieren aber weiterhin mangelnde Transparenz bei den Aufstiegskriterien.
Arbeit, Leben & Familie
• Familienfreundliche, flexible Arbeitsmodelle
• Unterstützung von Eltern, u.a. durch Beteiligung an Betreuungskosten, zusätzliche Kinderkrankentage
• Diversity-Koordinatoren in allen Büros
Stand: Druckausgabe von azur100 2026 mit Erscheinungsdatum 20.03.2026 (Ausnahme: Gehalt, dieses wird regelmäßig aktualisiert). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik
Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart
Anwälte in Deutschland: 101 Vollpartner, 27 Non-Equity-Partner, 12 Counsel, 91 Associates und 3 of Counsel
Frauenanteil Anwälte: 32,1 %; 14,9 % innerhalb der Vollpartnerschaft
Internationale Präsenz: Eigene Büros in Schanghai, Brüssel und Istanbul, seit Anfang 2024 hat GvW auch ein Büro in Ho-Chi-Minh-Stadt (Vietnam). Für andere Länder gibt es etablierte, nicht exklusive Kontakt- Netzwerke.
Zweimal acht Punkte wünscht sich GvW von Bewerberinnen und Bewerbern, gerne auch eine Promotion oder einen LL.M. und auf jeden Fall sattelfeste Englischkenntnisse. Ansonsten sind keine engstirnigen Kandidaten gefragt – GvW möchte Juristinnen und Juristen ansprechen, die für Diversität, Nachhaltigkeit und Technologie-Einsatz offen sind. In zwei Bewerbungsrunden schauen beide Seiten, ob sie zueinander passen. Von Kanzleiseite führen die zuständigen Partnerinnen und Partner sowie die HR-Abteilung das Gespräch. Am Ende steht ein gemeinsames Mittagessen, in dem der Kandidat/die Kandidatin auch das Team kennenlernen kann. Teilnehmende der azur-Bewerberumfrage loben das Verfahren als „zügig“ und „unkompliziert“.
Associates:
1. Jahr: 100.000 bis 105.000 Euro plus Bonus bis 40.000 Euro
Alle aktuellen Gehälter von Associates und Syndizi in verschiedenen Berufsjahren, im Referendariat und für die wissenschaftliche Mitarbeit findest du in unseren Gehältertabellen.
- Arbeitsrecht
- Außenwirtschaftsrecht
- Gesellschaftsrecht
- Immobilien- und Baurecht
- Insolvenz und Restrukturierung
- Konfliktlösung
- Öffentlicher Sektor
- Patentrecht
- Regulierung
- Steuern
- Technologie und Medien
- Transaktionen (M&A, Private Equity und Venture Capital)
- Vertrieb, Handel und Logistik
Bemerkung: Hier sind nur die Rechtsgebiete aufgelistet, die auch im aktuellen JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien auf www.juve.de bewertet werden.