Viele Praktikumsplätze in Wirtschafts­kanzleien

Das Praktikum in einer Wirtschaftskanzlei ist die erste Station für Nachwuchstalente, die ihre beruflichen Perspektiven erkunden wollen. Der frühe Einblick ins Berufsleben lohnt sich und kann wegweisende Entscheidungen beeinflussen. Diese Kanzleien bieten 2022 die meisten Stellen an.

Das juristische Praktikum ist für Studierende der Rechtswissenschaft der erste Kontakt mit einem möglichen künftigen Arbeitgeber. Die Prüfungsordnung im Staatsexamen sieht drei Monate vor, in denen der Nachwuchs juristische Betätigungsfelder kennenlernen soll. Wer nach dem Studium eine Karriere als Wirtschaftsanwältin oder -anwalt machen möchte, sollte ein Praktikum in einer Kanzlei absolvieren. Gerade für ein längeres Praktikum von sechs bis zwölf Wochen eignen sich die Semesterferien.

Große Kanzleien mit speziellen Programmen

Die meisten Kanzleien bieten Praktikumsplätze für Nachwuchstalente an. Im Rahmen der azur100-Top-Arbeitgeber-Recherche gaben 143 Wirtschaftskanzleien an, im Jahr 2022 Praktikumsplätze anzubieten. Die Anzahl der geplanten Praktikantenstellen ist dabei unterschiedlich hoch und reicht von einer einzigen Stelle bis in den dreistelligen Bereich. Großkanzleien wie CMS Hasche Sigle oder Linklaters bieten die meisten Praktikumsplätze an. Sie betreiben Büros an vielen Standorten in Deutschland, stellen jährlich viele Berufseinsteiger ein und sind auch bei der Praktikantenausbildung sehr aktiv.

Der Zuschnitt eines Praktikums kann sehr unterschiedlich sein. Neben individuell vereinbarten Einzelpraktika gibt es auch feste Praktikantenprogramme. Neben den Einblicken in die Arbeit eines Anwaltsteams organisiert die Kanzlei hier Workshops, Seminare, Vorträge, Mini-Moot-Courts und Exkursionen zu Gerichten. Diese Programme können interessante Einblicke in die Kanzleiwelt und die Arbeit geben. Zugleich besteht für Nachwuchsanwälte die Möglichkeit, sich bei zahlreichen Events untereinander auszutauschen und zu vernetzen.

Einblick in die Mandatsarbeit

Abgesehen von solchen Programmen integriert meist ein Anwaltsteam Praktikantinnen und Praktikanten in die tägliche Arbeit. Dort angedockt erledigen sie kleinere Aufgaben und lernen den Ablauf der Mandatsarbeit kennen. Die Aufgaben sind vielseitig und variieren nach Kanzlei- und Mandatstyp.

Die Einbindung ins Tagesgeschäft ist oft nicht leicht, insbesondere die kurzfristige Mitarbeit an komplexen Mandaten stellt eine Herausforderung dar. Deswegen müssen sich selbst Referendare darauf einstellen, zu Beginn ihrer Anwaltsstation Aufgaben zu übernehmen, die noch nicht viel mit der eigentlichen Rechtsberatung zu tun haben. Echte Mitarbeit im Praktikum ist jedoch möglich und viele Kanzleien geben sich Mühe, dies umzusetzen. So lobt in der azur-Bewerberumfrage ein ehemaliger Praktikant von Baker McKenzie: „Enge Zusammenarbeit mit zugeteilten Mentoren, viel Arbeit direkt an Mandaten und gefühlt vollwertige Einbindung als Teammitglied.“ Eine ehemalige Praktikantin von Noerr gibt an, dass sie sich an der „Verfassung von Schriftsätzen probieren“ durfte und eine andere betont die „Einbindung in die tägliche Arbeit, wodurch ein authentischer Einblick ermöglicht wurde“.

Persönliche Betreuung

Mittelgroße Kanzleien haben zwar weniger Praktikumsplätze zu vergeben, ihre Programme stehen denen großer Kanzleien dabei aber oft nicht nach. Ein Beispiel ist die ‚Sommeruni‘ von Oppenhoff & Partner. Jährlich können 20 Studierende teilnehmen. Vielseitige Workshops und die Möglichkeit, ein Legal-Tech-Tool für eine Mandantin zu entwickeln, sind Teil des Programms. Ein Praktikant lobt die „herausragende Arbeitsatmosphäre“ und den „persönlichen Kontakt zu den Betreuern“.

Bei kleineren Kanzleien sind Einzelpraktika an der Tagesordnung. Obwohl hier die Zusatzevents der großen Programme fehlen, können Praktikanten auch hier herausfinden, ob die Strukturen und Aufgaben in einer Kanzlei ihnen zusagen. Wie intensiv der Einblick in die Mandatsarbeit ist, hängt dabei von den jeweils betreuenden Anwälten ab.

Bessere Karriereplanung

Dass jemand beim ersten Kontakt mit der Berufswelt schon seinen künftigen Arbeitgeber kennenlernt, ist eher unwahrscheinlich: Nur zwei Prozent der Associates gaben in der azur Associate-Umfrage 2021 an, den aktuellen Arbeitgeber durch ein Praktikum kennengelernt zu haben. Dennoch kann das Praktikum einen entscheidenden Hinweis geben, welche Art von Kanzlei die richtige ist und worauf es bei der Bewerbung für die Anwaltsstation ankommt. Viele Rechtsgebiete, in denen Wirtschaftskanzleien beraten, finden in der universitären Ausbildung nicht statt. Die Erfahrung im Kanzleiumfeld kann da umso wichtiger für die Weichenstellung der beruflichen Zukunft sein.

Welche Kanzleien laut der Bewertung der azur-Redaktion die besten Praktikumsprogramme anbieten, kannst du in den Top-Arbeitgebern nachsehen. Von 100 vorgestellten Kanzleien schneiden 24 besonders gut ab.


Teilen:

azur Mail abonnieren