Neuer Tax-Tech-Studiengang: „Wir mussten Kompromisse schließen“
Gemeinsam mit Beratern von PricewaterhouseCoopers (PwC) hat die CBS International Business School am Campus Mainz zuletzt den Masterstudiengang „Steuern & Digitale Transformation“ konzipiert. Berufsbegleitend sollen Studierende ab November sowohl in steuerrechtliche als auch in digitale Themen eingeführt werden. JUVE Steuermarkt blickt zusammen mit den Initiatoren auf die Entstehung des Projekts, aber auch auf seine Herausforderungen.
JUVE Steuermarkt: Im September soll ihr neuer Master-Studiengang „Steuern & Digitale Transformation“ an den Start gehen. Es gibt bereits einige Hochschulen und Universitäten, die ähnliche Curricula in ihre BWL-Studiengänge aufgenommen haben. Was ist an Ihrem Studiengang so besonders?
Mike Schulze: Aus dem Namen ergibt sich sehr gut der innovative Charakter des Studiengangs. Es handelt sich dabei nicht um einen klassischen auf Steuern oder Steuerberatung ausgerichteten Studiengang, sondern er integriert auch Themen der digitalen Transformation. Darunter fallen zum Beispiel Prozessautomatisierung durch Robotic Process Automation, Künstliche Intelligenz oder auch das Thema Data Analytics. Das Ziel ist, dass Studierende digitale Implementierungsprojekte in der Steuerbranche mit betreuen können. Zudem gibt es zumindest in der Rhein-Main-Region kein vergleichbares Angebot. Insofern erhoffen wir uns durchaus einiges von dem neuen Programm.

Die Studierenden sollen also dazu befähigt sein, an der Schnittstelle von klassischer Steuerberatung und Digitalisierung zu arbeiten. Das können Berater doch auch sehr gut in der Praxis lernen. Wozu braucht es da einen Studiengang?
Hansjoachim Köhler: Für uns ist die Sache klar: Diese Arbeit wird die Steuerberatung der Zukunft. KI und Digitalisierung kann Steuerberatung nicht ersetzen, aber Steuerberater mit KI-Kenntnissen werden Steuerberater ersetzen, die diese Kenntnisse nicht haben. Von Transfer Pricing über Umsatzsteuern hin zu Transaktionen: Man wird in keinem der Bereiche ohne Digitalisierung noch auskommen können. Deshalb deckt dieser Master sowohl die fachlichen Themen ab als auch unter anderem KI, Data Science und Robotic Process Automation (RPA). Da der Master berufsbegleitend ist, können die Studierenden das Gelernte auch direkt in die Praxis umsetzen. Weil sich das Thema enorm schnell entwickelt, brauchen wir diese Verbindung von Theorie und Praxis. Und wir müssen hier enorm schnell sein.
Schulze: Die inhaltliche Konzeption des Studienganges war definitiv auch die größte Herausforderung.
Inwiefern?
Schulze: Wir haben mit uns ringen müssen, welche Kurse wir in den Studiengang mit reinnehmen und welche nicht. Das Themenfeld ist sehr breit und die Anzahl an Modulen beziehungsweise Kursen, die man in einen fünfsemestrigen Masterstudiengang mit 120 ECTS integrieren kann, ist begrenzt. Da haben wir den einen oder anderen Kompromiss eingehen müssen.
Köhler: Aber ich glaube, wir haben es geschafft, trotzdem einen Studiengang zu entwickeln, der die gesamte Breite des Steuerrechts und gleichzeitig eben auch der Digitalisierungsthemen abdeckt. Der Studiengang ermöglicht es vom Grundsatz auch, sofern angestrebt, direkt im Nachhinein das Steuerberaterexamen anzugehen.
Wie hoch ist denn der Grad an Informatik in diesem Studiengang?
Schulze: Es handelt sich vom Grundsatz um einen betriebswirtschaftlichen Studiengang. Es geht also nicht zwingend darum, umfangreiche Programmierkenntnisse zu vermitteln. Am Ende sollen die Studierenden in der Lage sein, mit den im Markt verfügbaren Tools mit überschaubaren Programmierkenntnissen zu arbeiten. Es braucht aus dem Business interne Ansprechpartner, die dann als Bindeglied mit den IT-Experten die konkreten Bedarfe aus den Fachfunktionen definieren und umsetzen können.

Ein berufsbegleitendes Modell bietet eine Alternative zum regulären Vollzeitmodell eines Studiums.
Nina Stückradt: Ja, und ich habe den Eindruck, dass diese Art von Studiengang auch zukünftig mehr an Attraktivität gewinnt im Master-Bereich. Immer mehr jüngere Kolleginnen und Kollegen, meist Associates, möchten berufsbegleitend studieren und entscheiden sich gegen ein Vollzeitstudium. Insgesamt ist es so, dass Studierende, nachdem sie ihr erstes BWL-Studium mit Schwerpunkt Steuern abgeschlossen haben, zwar gutes Fachwissen besitzen, aber die Technologie-Skills wie KI-Anwendungen, Data Analytics oder Process Automation fehlen noch. Studierende können diese Technologie-Skills idealerweise im Master-Studium mit entwickeln. Berufsanfänger kommen so viel schneller im Unternehmen an und erhalten von Anfang an mehr Verantwortung.
Welche Rolle hat denn PwC bei der Entwicklung des Studiengangs gespielt?
Köhler: Wir waren PwC-seitig von Anfang an involviert. Wir haben gemeinsam überlegt, wie die Steuerberatung der Zukunft aussehen muss, welche Bedürfnisse angehende Steuerberater, aber auch die Industrie und die Beratungsgesellschaften haben. Es ist natürlich auch für uns von großem Interesse, neue Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen.
Also wollen Sie mit Hilfe des Studiengangs von Seiten PwC auch neuen Nachwuchs generieren?
Köhler: Ja, auch PwC-seitig. Obwohl es sich natürlich um keinen PwC-Studiengang handelt.
Schulze: Dieser Studiengang ist grundsätzlich offen. Jeder Interessent beziehungsweise jede Interessentin, egal bei welchem Arbeitgeber man aktuell beschäftigt ist, kann sich dafür bewerben.
Wird es im Studiengang auch externe Dozierende von PwC geben?
Schulze: Wir arbeiten an der CBS grundsätzlich eng mit der Wirtschaft zusammen und setzen dabei auch externe Dozierende ein. Die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis ist nicht nur für die Steuerberatung wichtig. Grundsätzlich ist vorgesehen, dass wir insbesondere die anwendungsorientierten Formate gemeinsam mit PwC Deutschland durchführen, beispielsweise das Business Project oder das im „Innovation Lab Digital Tax“. Auch einzelne fachbezogene Kurse werden externe Dozierende von PwC übernehmen. Wir werden aber auch externe Dozierende von anderen Beratungsgesellschaften einsetzen.
Wie gestaltet sich das Studium neben der regulären beruflichen Tätigkeit?
Stückradt: Wir können an dieser Stelle natürlich nur für PwC Deutschland sprechen. Studierende können ihre Arbeitszeit von 100 Prozent beibehalten oder auf 50 bis 80 Prozent reduzieren. So können die Studierenden ihre Arbeits- und Studienzeit für sich individuell passend aufeinander abstimmen.
Wie soll das funktionieren?
Schulze: Wir haben hier bei uns an der CBS in unseren berufsbegleitenden Studiengängen ein Zeitmodell, was in der Praxis sehr gut angenommen wird. Die Veranstaltungen finden in einem flexiblen Wochenendmodell statt, dabei wird alle 14 Tage freitagabends und samstags ganztägig unterrichtet. Durch unser didaktisches Lehrkonzept bieten wir neben Unterricht vor Ort auch verschiedene digitale Formate, die besonders für Berufstätige wichtig sind. Wochenlange Blockveranstaltungen reißen – vor allem, wenn wir an den Beratungskontext denken – in den Praxisprojekten in den Unternehmen große Lücken. Dieses Programm läuft das ganze Jahr, wir sind da auch nicht an die Semesterzeiten wie in einem Vollzeitstudium gebunden. Das bietet unserer Erfahrung nach eine sehr gute Studierfähigkeit.
Warum ist gerade der Standort Mainz für den Studiengang ausgewählt worden? Sie sind bundesweit ja an acht Standorten vertreten – unter anderem auch in größeren Städten wie Hamburg und Köln.
Schulze: Unsere Ansprechpartner bei PwC sitzen schwerpunktmäßig in Frankfurt. Das war bei der Planung wichtig. Außerdem hatte ich ja bereits erwähnt, dass es hier im Rhein-Main-Gebiet kein vergleichbares Studienangebot in diesem Bereich gibt.
Planen Sie, den Studiengang auch an anderen Standorten anzubieten?
Schulze: Ja, wir haben den Studiengang auch für unseren Hauptcampus in Köln mit akkreditiert. Wenn die Nachfrage in Mainz hoch ist, sind wir also recht schnell in der Lage, den Studiengang auch in Köln anzubieten.
Prof. Dr. Mike Schulze
… ist Vizepräsident für Forschung, Innovation und Praxistransfer an der CBS International Business School. Zudem ist er Professor für Controlling, Rechnungswesen und Finanzmanagement. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem die Digitalisierung in der Unternehmenssteuerung sowie strategische und operative Unternehmensplanung.
Hansjoachim Köhler
… ist Partner im Bereich Deals Tax und seit 2003 bei PwC tätig. Er ist Spezialist für Mergers & Acquisition und berät seine Mandanten zu allen Belangen rund um das Thema Transaktionssteuer.
Nina Stückradt
… arbeitet seit 2022 als Director | T&L People Lead bei PwC am Standort Düsseldorf. Auch zuvor arbeitete sie bereits im Bereich des Talent Managements.