Legal Tech im Jurastudium

KI verändert den juristischen Alltag. Im Studium kommt sie vielerorts noch zu kurz. Welche Hochschulen dennoch auf Digitalisierung, Legal Tech und KI setzen: ein Überblick.

Zwischen Recherche und Erscheinen dieses ­Artikels wird es schon wieder neue Legal-Tech-Anwendungen geben. Kanzleien werden weitere Legal Engineers einstellen. Die Recherchefähigkeiten von Harvey und anderen KI-Systemen werden sich verbessert haben. Nur eines dürfte bis dahin unverändert geblieben sein: die Inhalte des Ersten Juristischen Staatsexamens: Zivilrecht. Strafrecht. Öffentliches Recht.

Dabei gehören digitale Werkzeuge, automatisierte Dokumentenprüfung und künstliche Intelligenz längst zum juristischen Alltag. Die meisten Kanzleien investieren in neue Technologien, die großen Wirtschaftskanzleien bauen eigene Ausbildungsprogramme auf. Wer vor dem Berufseinstieg digitale Kompetenzen erwerben möchte, muss nicht auf die nächste Reform der Juristenausbildung warten. Bundesweit tätige Studierendeninitiativen wie Recode Law werben dafür, sich schon während des Studiums eigenständig mit Legal Tech und KI auseinanderzusetzen.

Ganz untätig sind die Hochschulen allerdings nicht. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Angebote entstanden: eigene Legal-Tech-Studiengänge oder universitäre Schwerpunktbereiche, Zertifikate und Zusatzprogramme. Allerdings unterscheiden sie sich erheblich in Umfang und Zielsetzung. Wer sich orientieren möchte, sollte zunächst eine grundlegende Frage beantworten: Geht es um die klassische Volljuristenausbildung oder um eine Spezialisierung? Von dieser Entscheidung hängt ab, welche Angebote überhaupt infrage kommen.

Wer Legal Tech zum Schwerpunkt seiner Ausbildung machen möchte, findet inzwischen mehrere eigenständige Studiengänge – nicht nur an (Fach-)Hochschulen, sondern auch an einigen Universitäten. Anders als im klassischen Jurastudium gehören dort nicht nur juristische Grundlagen zum Curriculum, sondern auch Programmierung, Datenanalyse und die Automatisierung juristischer Prozesse.

Für Studienanfänger, die ihre berufliche Zukunft von Anfang an im Legal-Tech-Bereich sehen, sind dies diese Bachelor- und Master-Studiengänge (LL.B./LL.M.) die konsequentesten Angebote. Sie führen allerdings nicht auf den klassischen Weg zum Volljuristen.

  • Am weitesten ist dabei die  Universität Passau . Seit 2020 bietet sie den LL.B. Legal Tech (acht Semester) an. Das Legal-Tech-Curriculum ist eines der ausführlichsten im deutschsprachigen Raum. Hinzu kommen ein LL.M. Rechtsinformatik sowie ein Schwerpunktbereich Legal Tech im Staatsexamensstudium. Passau ist damit eine der wenigen Universitäten, die Legal Tech als Bachelor-, Master- und examensrelevantes Schwerpunktangebot vereint.
  • Ähnlich konsequent, wenn auch ohne Bezug zum Staatsexamen, positioniert sich die  Universität ­Regensburg . Dort wird seit 2021 der interdisziplinäre LL.B. Digital Law gemeinsam mit dem Fachbereich Informatik angeboten. Ergänzt wird das Angebot durch einen berufsbegleitenden LL.M. Legal Tech.
  • Die  Hochschule Wismar verfolgt ein vergleichbares Modell. Zum LL.B. kommt ein LL.M. Legal Tech, der als Fernstudium angeboten wird.
  • Die private  Mediadesign Hochschule Berlin  hat auf Bachelor-Niveau einen B.Sc. Legal Tech mit Fokus auf Recht, Software und Design im Programm.

Für die meisten Studienanfänger sind die LL.B.-/LL.M.-­Abschlüsse noch nicht attraktiv genug, sie stellen die Frage: Wo lässt sich Legal Tech studieren, ohne auf die klassische Juristenkarriere zu verzichten?

Der klassische Weg mit digitaler Zusatzqualifikation

Immer mehr Universitäten versuchen inzwischen, digitale Themen in die traditionelle Juristenausbildung zu integrieren. Meist geschieht das über Zertifikate, Zusatzstudien oder fakultätsübergreifende Programme. Teilweise können die dort erbrachten Leistungen sogar für das Examen relevant werden.

  • Besonders umfangreich fällt das Angebot an der  Universität München  (LMU) aus. Das viersemestrige Zertifikatsstudium ‚Informationsrecht & Legal Tech‘ ist durch die bayerische Prüfungsordnung anerkannt. Leistungen können somit auf den Schwerpunktbereich der Ersten Juristischen Prüfung angerechnet werden.
  • Ein jüngeres Angebot ist das Zertifikatsprogramm ‚KI und Legal Tech‘ (KILT) der  Uni Göttingen . Das 2025 gestartete Programm umfasst drei Module zu je 6 ECTS und behandelt unter anderem Vertragsautomatisierung sowie den Einsatz algorithmischer Systeme.
  • Eine Sonderstellung nimmt die private Hochschule  Bucerius Law School  ein. Seit 2024 vergeben die Hamburger das Zusatzzertifikat ‚Recht & Informationstechnologie‘, das Programmierkenntnisse vermittelt und von Siemens gefördert wird. Ab Herbst 2026 kommt ein verpflichtendes Modul ‚Digital Literacy‘ für alle Studierenden hinzu. Keine andere deutsche Law School hat digitale Kompetenzen so umfassend in die Ausbildung integriert.
  • Einen eigenen Weg geht die  Universität Bielefeld  mit ihrem Digitalisierungszertifikat. Das fakultätsgetragene Programm ist durch das NRW-Juristenausbildungsgesetz anerkannt und kann unter den passenden Voraussetzungen sogar als anrechen­bares Freisemester genutzt werden.
  • Eine eigene studienbegleitende Qualifikation bietet die Universität Würzburg  mit Pflichtvor­lesungen, Legal Coding und dem Kompetenznachweis ‚Legal Tech, Künstliche Intelligenz und Legal Data Science‘. In Hausarbeiten ist transparenter KI-­Einsatz erlaubt.
  • Weitere Zertifikats- und Zusatzangebote finden sich an der  Universität Düsseldorf  mit ihrem ­Begleitstudium zu Rechtsfragen der KI sowie an der  Universität Leipzig  mit dem Ausbildungs­programm ‚Leader‘, das in einem Umfang jeweils von zwei Semesterwochenstunden über mehrere ­Semester sowohl die technischen Grundlagen vermittelt als auch die bestehenden rechtlichen Rahmungen erläutert. Ähnliches veranstaltet die  Universität Bayreuth , die in ihrem Zusatzstudium ‚Digiz‘ juristische Inhalte mit Wirtschaftsinformatik und künstlicher Intelligenz verbindet.

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