Der integrierte LL.B.: Studium, Abschluss und Karrieremöglichkeiten

Nach und nach führen die Bundesländer einen integrierten Bachelor of Law ein. LL.B. steht für Legum Baccalaureus, Lateinisch für Bachelor der Rechte. Was hat es damit auf sich? Wie bekommt man ihn verliehen? Und vor allem: Was ist damit karrieretechnisch möglich?

Vergleich der unterschiedlichen Modelle

Bachelor of Law, integrierter Bachelor oder Staatsexamen? Die drei verschiedenen Abschlüsse haben ihre Besonderheiten.

Der Bachelor of Law ist ein eigenständiger Studiengang und behandelt die Schnittstelle zwischen Rechtswissenschaften und Wirtschaft. Die Studierenden erlernen neben dem rechtswissenschaftlichen Grundwissen und Handwerk auch wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse.

Die LL.B.-Angebote gestalten sich ganz unterschiedlich aus. Es gibt Studiengänge für „Wirtschaft und Recht“ beispielsweise an der Uni Nürnberg-Erlangen, der TH Wildau oder der Fernuni in Hagen; an der Uni Bonn wird der Studiengang „Law and Economics“ gelehrt. In Mannheim kann man einen „Kombinationsstudiengang zum Unternehmensjuristen“ belegen, in dem man zunächst einen Bachelor erhält und sich dann entscheiden kann, die Erste Juristische Prüfung zu absolvieren. Dazu machen Studierende in vier Semestern die „Ergänzenden Studien“, also den fehlenden Stoff für das Staatsexamen, vor allem im Öffentlichen Recht und Strafrecht. Einen Bachelor in Steuerrecht kann man an der FOM Hochschule erwerben; Sozialrecht an der Uni Heidelberg. Der Bachelor ist auf sechs bis acht Semester ausgelegt.

Alle außer Bayern

Der integrierten Bachelor of Law ist ein vollwertiger akademischer Grad. Er wird von Universitäten verliehen, wenn die Jurastudierenden scheinfrei sind, also diejenigen Leistungen des Jurastudiums erbracht haben, die das Bundesland für die Zulassung zur staatlichen Pflichtfachprüfung verlangt und die Schwerpunktbereichsprüfung erfolgreich absolviert wurde. Dabei handelt es sich um den universitären Teil des Ersten Juristischen Staatsexamens und besteht je nach Uni aus Klausuren und einer Seminararbeit inklusive Verteidigung.

Sachsen war im Januar 2025 das erste Bundesland, das einen integrierten Bachelor einführte. Nordrhein-Westfalen folgte im Mai 2025 flächendeckend. Auch weitere Bundesländer zogen mittlerweile mit. Bayern lehnt den integrierten Bachelor bisher ab.

Das juristische Staatsexamen ist der klassische Weg zum Juristen. Die Erste Juristische Prüfung besteht aus der staatlichen Pflichtfachprüfung, die 70 Prozent und der universitären Schwerpunktbereichsprüfung, die 30 Prozent der Gesamtnote ausmachen. Die staatliche Pflichtfachprüfung besteht je nach Bundesland aus fünf bis acht mehrstündigen Klausuren im Zivil-, Straf- und Öffentlichen Recht und einer mündlichen Prüfung. Mit bestandener Ersten Juristischen Prüfung kann man an einigen Fakultäten den akademischen Titel „Diplomjurist“ beantragen.

Weniger Leistungsdruck

Warum wurde der integrierte Jura-Bachelor eingeführt? Wer im Staatsexamen durchfällt, steht ohne alles da. So war es zuvor. Das löst unfassbaren Druck aus. 95 Prozent der Teilnehmenden einer Befragung des Bundesverbands Rechtswissenschaftlicher Fachschaften (BRF) gaben an, den Prüfungsdruck auf einer Skala von 1 (sehr gering) bis 10 (extrem hoch) im oberen Drittel einzuordnen. 66 Prozent kreuzten die 10 an. Der integrierte Bachelor fängt die Sorge auf. 83 Prozent der Befragten befürworten die Einführung und sind der Meinung, dass der LL.B. den extremen Prüfungsdruck lindern wird.

Auch für Studienanfängerinnen und -anfänger kann der Bachelor die Entscheidung erleichtern. Die Umfrage des BRF ergab, dass die Examensvorbereitung bei den meisten um die 18 Monate dauert. Nicht jeder will diesen zeitlichen Aufwand und das besonders intensive Lernpensum auf sich nehmen. Jura studieren ist jetzt auch ohne Examen und mit einem akademischen Abschluss möglich.

LL.B. und jetzt?

Doch was folgt nach dem Bachelor, wenn man sich gegen das Staatsexamen entscheidet? Will man sich dennoch weiterbilden, kann ein Master of Laws (LL.M.) eine Option sein. Hierfür gibt es sowohl im In- als auch im Ausland eine Menge Angebote. Von Völkerrecht bis „Recht der Digitalisierung“ gibt es viele Spezialisierungsmöglichkeiten. Das Masterstudium ist auf zwei bis vier Semester angelegt. Der höhere Abschuss lohnt sich oftmals finanziell.

Als Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in andere Fachrichtungen kommen beispielsweise Mediation, die Steuerberaterprüfung oder Trainee-Programme in einem Unternehmen in Frage. Selbstverständlich kann auch ein Zweitstudium oder eine Ausbildung aufgenommen werden, um einen neuen Weg einzuschlagen. In den meisten Fällen ist der juristische Hintergrund auf dem Arbeitsmarkt später vorteilhaft.

Mögliche Branchen für den Einstieg

Es ist aber auch durchaus möglich, direkt ins Berufsleben einzutauchen und wertvolle praktische Erfahrungen zu sammeln. Absolventinnen und Absolventen können zwar keine Stellen besetzen, die gesetzlich Volljuristen vorbehalten sind, wie es bei verschiedenen Positionen in Behörden der Fall ist. Dennoch gibt es einige Optionen für die Berufstätigkeit.

Typische Branchen sind Compliance, Unternehmensberatung in finanzieller, steuerlicher und struktureller Hinsicht oder Wirtschaftsprüfung. Legal Tech ist eine aufkommende Branche, die nach juristischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sucht. Auch im Personalbereich sind juristische Kenntnisse von Vorteil, vor allem für die Vertragsgestaltung und arbeitsrechtliche Themen.

Außerdem ist es möglich, in die Verwaltung zu gehen und als Sachbearbeiter oder im Personalbereich in Behörden oder Ministerien auf Bundes- oder Landesebene zu arbeiten.

Aber auch eine Arbeit mit Einsatz für Menschenrechte, die Umwelt oder Entwicklungszusammenarbeit oder für Stiftungen mit dem rechtlichen Hintergrund kommt in Frage.

Ein weiteres Berufsspektrum ist die redaktionelle Arbeit für rechtliche Themen in den Medien, Verlagsarbeit oder als Pressesprecher in großen Kanzleien oder Unternehmen.

Vielseitiges Jobangebot

Bezüglich der Gehälter von LL.B.-Absolventen existieren keine genauen Zahlen. Es ist jedoch von Einstiegsgehältern in der Wirtschaft und auf dem Rechtsmarkt von circa 2.500 bis 3.500 Euro brutto im Monat zu rechnen.

Schaut man in die gängigen Jobportale, sieht man das Stellenangebot ist groß. Man findet unterschiedliche Stellen für Sachbearbeiter im Verwaltungsdienst; auch für den gehobenen Dienst. Ebenfalls sind Positionen für Notar- oder Steuerfachangestellte ausgeschrieben. Für diejenigen, die einen Schwerpunkt im Finanz- und Rechnungswesen mitbringen, kommen Stellen als Finanzwirt in Frage. Es werden Wirtschaftsjuristen für das Vertragsrecht, Juristische Mitarbeiter im Compliance-Bereich und Insolvenzsachbearbeiter bei internationalen Anwaltssozietäten gesucht. Man findet auch Gruppenleiter-Stellen, die mit einem monatlichen Einstiegsgehalt von 4.200 bis 6.300 Euro gekennzeichnet werden. Mit einem Bachelor of Law gibt der Arbeitsmarkt also viele Möglichkeiten in unterschiedliche Richtungen her.


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