Rheinland-Pfalz: Digitale Hilfsmittel im Zweiten Staatsexamen

Erstmals konnten Referendarinnen und Referendare in Rheinland-Pfalz im Oktober während der Examensklausuren der Zweiten Juristischen Staatsprüfung digital auf Gesetze und Kommentare zugreifen - eine bundesweite Premiere für einen vollständig digitalisierten schriftlichen Prüfungsprozesses.

Rund 200 Rechtsreferendarinnen und -referendare haben seit Anfang Oktober in Mainz, Trier und Frankenthal das Zweite Staatsexamen mithilfe einer digitalen Fachbibliothek geschrieben. Konkret handelt es sich dabei um eine kontrollierte Prüfungsumgebung mit umfassendem Zugriff auf zugelassene Gesetze und Kommentare aus dem Beck-Verlag. Neu war das System für die Prüflinge nicht: Laut Landesjustizministerium konnten sie die Bibliothek seit ihrer Einführung im Mai 2025 nutzen und Feedback geben. Mit einem Probeexamen im Mai 2026 sei das Verfahren umfassend getestet und die Einsatzfähigkeit bestätigt worden.

Der Abschied vom Kugelschreiber

Während es in Rheinland-Pfalz erstmals um digitale Hilfsmittel innerhalb der Prüfung geht, ist ein anderer Digitalisierungsschritt vielerorts schon Alltag: das E-Examen – also Klausuren am Laptop statt per Hand.

In Sachsen-Anhalt können Prüflinge seit April 2019 im Zweiten Examen zwischen beiden Varianten wählen, in Rheinland-Pfalz seit Oktober 2021.Die digitale Variante ist beliebt, denn handschriftlich arbeitet kaum noch jemand. Von 540 Personen griffen zwischen der Einführung 2019 und Ende 2023 in Sachsen-Anhalt nur sechs zum Stift. Inzwischen besteht die Option in 14 von 16 Bundesländern.

Nordrhein-Westfalen geht seit Januar 2024 sogar einen Schritt weiter: dort können sich Studierende nicht nur im Zweiten Juristischen Staatsexamen, sondern auch in der Ersten Staatlichen Pflichtfachprüfung für die elektronische Anfertigung entscheiden. Nachgezogen sind bisher nur wenige Bundesländer, viele befinden sich in der Einführungsphase.

Doch wo die Wahl besteht, kommt sie gut an. In Bayern entschieden sich laut Justizministerium im September 2026 – dem ersten Monat nach der Einführung – 85 Prozent der 1.700 Prüflinge des Ersten Juristischen Examens für die digitale Version. Im Zweiten Examen waren es sogar 99 Prozent der 938 für November 2026 angemeldeten Referendarinnen und Referendare.


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