Fokus Ausbildung: Welche Kanzleien Praktikum und Referendariat ernst nehmen
Tausende Plätze im Praktikum und Referendariat belegen den Einsatz von Wirtschaftskanzleien für den Nachwuchs. Die Ansprache potenzieller Bewerberinnen und Bewerber und das ernsthafte Engagement für die vorberufliche Ausbildung schließen sich nicht aus.
Das Referendariat in einer Wirtschaftskanzlei als echte Ausbildungsstation? Bei der Qualität und dem zeitlichen Umfang gibt es da riesige Unterschiede. Aber rein quantitativ sind die großen Wirtschaftskanzleien auch große Ausbilder. Eine Auswertung von über 160 Arbeitgeber-Fragebögen, die azur jährlich von Kanzleien zurückerhält, ergibt eine Zahl von rund 5.000 Plätzen für Referendare bei diesen Arbeitgebern im Jahr 2026. Angesichts von deutschlandweit insgesamt rund 16.000 Teilnehmenden im Vorbereitungsdienst eine hohe Zahl.
Ebenso erstaunlich ist aber, dass nur 10 Prozent der 160 befragten Arbeitgeber für gut die Hälfte dieser Referendarplätze sorgen, nämlich knapp 2.500. Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Sozietäten eine Referendarstation vor allem deshalb anbieten, um potenzielle Bewerberinnen und Bewerber kennenzulernen. Aber der Wunsch, beim Nachwuchs einen guten Eindruck zu hinterlassen, sorgt bei den meisten Kanzleien auch für spürbares Engagement, also eine gute Einarbeitung und Betreuung. Die Strategie funktioniert: Viele Einstellungen zum Berufseinstieg gehen auf eine erfolgreich absolvierte Referendarstation zurück.
Praktikum: Die kleine Schwester des Referendariats
Mit Praktikumsplätzen ist dieselbe Gruppe der 160 Arbeitgeber etwas sparsamer. Rund 3.500 Plätze stehen 2026 zur Verfügung, ein gewisser Anteil der Kanzleien bietet gar kein Praktikum an. Doch auch hier gibt es eine besonders eifrige 10-Prozent-Kohorte: Die 16 Kanzleien, die die meisten Praktika anbieten, sorgen für knapp die Hälfte des Angebots in der befragten Gruppe (Tabelle 2).
In rot markiert sind diejenigen Kanzleien, die in beiden Tabellen vorkommen und – zumindest inoffiziell – als sehr engagierte Ausbildungskanzleien gelten können. Zum intensiven Lernen und Kennenlernen taugt allerdings auch die Wissenschaftliche Mitarbeit gut. Mit jährlich fast 5.200 WiMi-Stellen zeigen die 160 befragten Wirtschaftskanzleien, dass sie immer wieder flexible Unterstützung brauchen, jenseits von Studium und Vorbereitungsdienst.