Inhouse-Juristen zufriedener – trotz Gehaltslücke
Die azur-Associate-Umfrage 2025 zeigt: Junge Juristinnen und Juristen sind mit ihren Arbeitgebern grundsätzlich zufrieden – in Unternehmen noch etwas mehr als in Kanzleien. Das Betriebsklima sehen sowohl Associates als auch Syndizi jedoch etwas kritischer als im Vorjahr.
Wie zufrieden bist du mit deinem Arbeitgeber? Diese Frage beantworteten knapp 3.500 junge Juristinnen und Juristen in der azur-Associate-Umfrage 2025. Der Gesamteindruck der Umfrageteilnehmer liegt am oberen Ende von „eher zufrieden“ (Wert: 4) bis „zufrieden“ (Wert: 5). Syndizi vergaben 5,08 Punkte, Associates in Kanzleien 4,79. Auch in den Details zeigt sich: Wie schon in den Vorjahren sind Inhouse-Juristen in den meisten Bereichen etwas zufriedener als ihre Kolleginnen und Kollegen in Kanzleien.
Klassischer Vorsprung bei Work-Life-Balance
Obwohl Associates im Schnitt rund 35.000 Euro mehr verdienen als Syndizi, sind letztere mit ihrem Gehalt trotzdem minimal zufriedener. Der Grund liegt wohl in der Arbeitsbelastung: Kanzlei-Associates arbeiten durchschnittlich 52 Stunden pro Woche, in den Rechtsabteilungen sind im Schnitt 43 Arbeitsstunden zu leisten. Dazu kommt: Unternehmensjuristen bleiben häufiger im Homeoffice – 2,6 Tage pro Woche statt nur 2 Tage in Kanzleien.
Dass Unternehmensjuristen ihre Work-Life-Balance besser bewerten, überrascht in dem Zusammenhang nicht. Die aktuellen Zahlen unterstreichen es eindrücklich: Syndizi vergeben 5,01 Punkte, Associates nur 4,19. Bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie ist der Abstand noch größer: 5,18 gegenüber 4,23.
Leichter Abwärtstrend beim Betriebsklima
Ob Associates oder Syndizi – die wenigsten sind laut der aktuellen Associate-Umfrage richtig unzufrieden. Dennoch zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr eine leicht rückläufige Tendenz. Besonders das Betriebsklima hat in beiden Welten gelitten: Hier sanken die Zufriedenheitswerte von 5,07 auf 4,94 in Kanzleien und von 5,23 auf 5,10 in Unternehmen. Auch die Personalführung durch Vorgesetzte wurde etwas kritischer bewertet als im Vorjahr. Insgesamt liegen aber fast alle Werte weiterhin im zufriedenen Bereich.
Die Wahl zwischen Kanzlei und Rechtsabteilung ist für viele Berufsanfänger eine grundsätzliche Weichenstellung. Beide Wege haben ihre Berechtigung – es kommt darauf an, was einem persönlich wichtiger ist. Kanzleien bieten neben höheren Gehältern vielfältige Karrierestufen und besonders anspruchsvolle Mandate mit oft internationalem Bezug. Dafür bedeuten 35.000 Euro mehr im Jahr auch neun Stunden mehr Arbeit pro Woche und weniger Planbarkeit im Privatleben. Die Zufriedensten sind am Ende jene, die mit realistischen Erwartungen an die Entscheidung herangehen und ihre eigenen Prioritäten kennen.