Zwischen Skalpell und Schriftsatz: Dr. Arian Grüner im Porträt
Ob Jura und Informatik, Medizin und Recht oder andere Kombinationen: Ein Doppelstudium fordert viel, gibt aber auch viel zurück. Es schärft den Blick für Zusammenhänge, fördert interdisziplinäres Denken und eröffnet besondere berufliche Möglichkeiten. Die hier vorgestellten Zweifach-Absolventen haben ihren ganz eigenen Weg gefunden. Sie alle verbindet Neugier und Ausdauer sowie die Bereitschaft, mehr als nur eine Perspektive einzunehmen.
Wenn sich eine Tür öffnet, muss sich nicht zwangsläufig eine andere schließen. Das hat Dr. Arian Grüner, Rechtsanwalt und approbierter Arzt, im Verlauf seiner Karriere gelernt. Kurz nach dem Abitur stand der heute 39-Jährige vor der Frage: Jura oder Medizin? Nach dem Zivildienst entschied er sich, sein Medizinstudium in Leipzig zu beginnen. Doch er merkte schnell, dass ihm der sprachliche Diskurs fehlte. Als er sein erstes medizinisches Examen aus gesundheitlichen Gründen aufschieben musste, ergriff er die Gelegenheit. Er belegte einen juristischen Einführungskurs und war sofort begeistert.
Grüner entschied sich für ein Doppelstudium. An Jura faszinierte ihn nicht nur der inhaltliche Perspektivwechsel, sondern auch die völlig andere Art des Denkens. „Während die klar strukturierten und faktenbasierten Medizinprüfungen oft im Multiple-Choice-Format abgefragt wurden, lebt Jura davon, den Weg zu einer überzeugenden Lösung zu finden“, beschreibt es Grüner. Insgesamt forderte ihm das Jurastudium zwar mehr Eigenverantwortung ab, bot aber auch mehr Freiheiten. Hausarbeiten in den Semesterferien, Vorlesungen im Selbststudium, Unterstützung durch Freunde und eine flexible Universität machten es möglich. „Es war anfangs nicht der Plan, beides zu machen, aber ich konnte es letztlich gut im Alltag organisieren“, sagt Grüner. Nach dem praktischen Jahr der Medizin in der Schweiz widmete er sich dem ersten juristischen Staatsexamen. Nebenbei arbeitete er beim Roten Kreuz und schrieb an seiner Promotion zu einem unfallchirurgischen Thema weiter. Auch das Referendariat in Sachsen involvierte Medizin und Jura: So absolvierte er die Verwaltungsstation bei der Landesärztekammer. Für die Wahlstation ging er zu seiner heutigen Kanzlei Baker McKenzie nach Kalifornien.
| Akademischer Lebenslauf 2005-2013 Medizinstudium (Universität Leipzig) 2008-2017 Jurastudium (Universität Leipzig) 2017-2021 Medizinische Promotion zu Unfallchirurgie (Universität Leipzig) 2023-2024 Master of Science (The London School of Economics and Political Science) |
Den eigenen Weg zu reflektieren, sich Zeit zu nehmen und pragmatisch zu bleiben, das ist sein Erfolgsrezept. „Und in kritischen Situationen Ruhe bewahren – eine Kunst, die ich aus der Medizin mitgenommen habe“, verrät er. Nach Abschluss beider Studiengänge stieg er zunächst für ein Jahr als Rechtsanwalt bei Dentons in Berlin ein, hielt aber den Kontakt zu Baker. Seit 2021 ist er nun Teil der Frankfurter Gesundheitsrechtspraxis und pendelt regelmäßig von der Hauptstadt in die Mainmetropole.
Seine Doppelqualifikation ist ein echter Mehrwert: Er versteht medizinische Fachbegriffe, erkennt rasch branchenspezifische Zusammenhänge und genießt hohe Glaubwürdigkeit bei Mandanten. Sein Schwerpunkt liegt im Arzneimittel- und Medizinprodukterecht, von regulatorischen Fragen über Produkthaftung bis hin zur Preisbildung. Doch sein Wissensdurst war auch nach zwei Studienabschlüssen noch nicht gestillt. Im Jahr 2024 legte er einen Master in Global Health Policy in London ab, um die internationalen und politischen Dimensionen seines Fachgebiets noch besser zu verstehen. Nun will sich der Senior Associate aber erst einmal voll und ganz auf die Beratung fokussieren: „Gesundheit für Menschen zu begleiten, das bleibt mein Ziel.“