Zwischen Physik und Paragrafen: Dr. Dominik Ho im Porträt

Ob Jura und Informatik, Medizin und Recht oder andere Kombinationen: Ein Doppelstudium fordert viel, gibt aber auch viel zurück. Es schärft den Blick für Zusammenhänge, fördert interdisziplinäres Denken und eröffnet besondere berufliche Möglichkeiten. Die hier vorgestellten Zweifach-Absolventen haben ihren ganz eigenen Weg gefunden. Sie alle verbindet Neugier und Ausdauer sowie die Bereitschaft, mehr als nur eine Perspektive einzunehmen.

„Der Weg ist das Ziel“ – dieses Motto musste Dr. Dominik Ho auf den Etappen seines beruflichen Werdegangs noch verinnerlichen. Zunächst verfolgte er keine feste Route. Fasziniert von der Logik der Naturwissenschaft folgte nach dem Abitur ein Physikstudium in Heidelberg und ein Master in Engineering an der Cornell University in den USA. Dass er später, 2021, schließlich Rechtsanwalt werden würde, war zu dem Zeitpunkt nicht vorhersehbar. Heute ist der 45-Jährige bei der Münchner IP-Kanzlei df-mp tätig. Dort ist er seit 2017 Partner, mittlerweile unter dem Label ‚df-mp.tech‘. Er vertritt Mandanten wie Nokia und Huawei bei großen Patentstreitigkeiten vor Gericht. Sein Spezialgebiet sind komplexe Verfahren rund um Telekommunikation, Videokodierung und Displaytechnologien.

Nach dem Masterstudium zog es ihn für die Promotion nach München, wo er im Bereich Biophysik forschte. Anders als viele Kommilitonen entschied er sich gegen einen Berufseinstieg in der Unternehmensberatung. Sein Weg führte ihn in die Welt des Patentrechts. 2010 begann er seine Ausbildung zum Patentanwalt. Während viele Patentanwälte sich auf Patentanmeldungen konzentrieren – dafür braucht es kein Jurastudium –, wollte er tiefer einsteigen. „Mich haben die streitigen Verfahren gereizt“, sagt er.

Also begann er 2011 neben seiner Vollzeittätigkeit ein Jurastudium. Glücklicherweise hielten seine Vorgesetzten ihm den Rücken frei. Denn obwohl Natur- und Rechtswissenschaften beide gewissermaßen logisch sowie strukturiert sind, und ihn das Lösen von Problemen begeistert, musste er umdenken. „Als Physiker muss man lernen, dass es in der Juristerei oft mehrere vertretbare Lösungen gibt“, verrät Ho. „Nicht primär das Ergebnis ist entscheidend, sondern vielmehr der Weg dahin.“

Akademischer Lebenslauf

2001-2006 Physikstudium (Universität Heidelberg)

2004-2006 Master of Engineering (Cornell University, USA)

2006-2009 Promotion in Physik zu Nanotechnologie (LMU München)

2010-2013 Ausbildung zum Patentanwalt (df-mp Dörries Frank-Molnia & Pohlman)

2011-2018 Jurastudium (LMU München)

Zu Beginn des Zweitstudiums stellte er fest, dass er seine Lernmethode umstellen musste und zusätzlich zu den Vorlesungen einen guten externen Lehrer brauchte. Denn anders als im Physikstudium profitierte er beim Lernen vom Austausch mit anderen. Daher empfiehlt er Jurastudierenden, sich frühzeitig um ein Repetitorium zu kümmern. Wegen der Doppelbelastung von Job und Studium blieben auch private Kontakte teilweise auf der Strecke. „Dafür habe ich den Essenslieferanten regelmäßig gesehen“, scherzt Ho.

Rückblickend habe er das Jurastudium zwar maßlos unterschätzt, „doch trotz aller Herausforderungen würde ich den Weg wieder auf mich nehmen“. In seiner heutigen Tätigkeit hilft ihm sein physikalisches Wissen, technische Sachverhalte präzise zu erfassen und verständlich zu erklären. „Richter müssen Vertrauen in das Urteil haben – das gelingt nur, wenn sie den technischen Kern verstehen können“, sagt Ho. Er selbst sieht sich auch eher als Techniker mit einer juristischen Ausbildung als umgekehrt. Vor allem weil ihm die technischen Aspekte am meisten Freude bereiten. Wie erhofft, kommt ihm das insbesondere bei den prozessualen Fragen zugute.

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Vom Algorithmus zur Argumentation: Dr. Bernhard Freund im Porträt

Zwischen Skalpell und Schriftsatz: Dr. Arian Grüner im Porträt

Zwischen Angebot, Nachfrage und Auslegung: Dr. Marion Frotscher im Porträt


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