Zwischen Angebot, Nachfrage und Auslegung: Dr. Marion Frotscher im Porträt

Ob Jura und Informatik, Medizin und Recht oder andere Kombinationen: Ein Doppelstudium fordert viel, gibt aber auch viel zurück. Es schärft den Blick für Zusammenhänge, fördert interdisziplinäres Denken und eröffnet besondere berufliche Möglichkeiten. Die hier vorgestellten Zweifach-Absolventen haben ihren ganz eigenen Weg gefunden. Sie alle verbindet Neugier und Ausdauer sowie die Bereitschaft, mehr als nur eine Perspektive einzunehmen.

Ein Doppelstudium ist kein Spaziergang. Es verlangt Disziplin, Organisation und Leidenschaft. Für Dr. Marion Frotscher war es jedoch der Schlüssel, um das Steuerrecht in seiner ganzen Tiefe zu verstehen – sowohl aus juristischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive. Noch auf dem Gymnasium gab ein Kurs in Rechtswissenschaften und ihr Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen den Ausschlag. Ihre Vision war von Beginn an sehr klar: das Jurastudium an der Universität Hamburg und parallel ein betriebswirtschaftliches Studium an der Fern- Universität Hagen.

„Bei fast allen juristischen Gebieten ist es wichtig, die wirtschaftliche Interessenlage zu verstehen“, sagt die 46-Jährige. Sie empfiehlt Jurastudierenden, zumindest vereinzelt Wirtschaftskurse zu besuchen. „Nur so kann man die Bedürfnisse der Mandanten erkennen und diese in Recht umwandeln.“ Die Leidenschaft speziell für das Steuerrecht entbrannte erst im Auslandssemester in Genf. Etliche Jahre später, im Jahr 2011, legte sie schließlich erfolgreich das Steuerberaterexamen ab. Die Kombination Juristin und Steuerberaterin ist auf dem Markt besonders nachgefragt. Während der intensiven Vorbereitungszeit auf das Steuerberaterexamen unterstützte sie ihre damalige Kanzlei – Esche Schümann Commichau – und stellte sie frei. „Die Ausbildung zur Steuerberaterin war deutlich intensiver als das Doppelstudium. In der akuten Prüfungsvorbereitung blieb nicht viel Zeit für Privatleben“, gesteht die Steuerrechtlerin.

Akademischer Lebenslauf

1999-2005 Jurastudium (Universität Hamburg)

1999-2004 Betriebswirtschaftslehre (FernUniversität Hagen)

2001-2002 Auslandssemester (Université de Genève)

2009 Abschluss der Promotion im internationalen Steuerrecht (LMU München)

2011 Ablegung des Steuerberaterexamens

Zuvor hatte sie ihren Abschluss als Diplom-Kauffrau und beide juristischen Staatsexamen absolviert, bei der Kanzlei gearbeitet und berufsbegleitend zudem ihre Doktorarbeit an der Ludwig-Maximilian-Universität in München vollendet. 2013 ergab sich dann für sie die Möglichkeit, bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton in die Partnerschaft zu rücken. Dort blieb sie fast acht Jahre, sehnte sich allerdings nach weniger starren Strukturen. Wegen der internen Abläufe in der großen Next-Six-Gesellschaft blieb ihr weniger Zeit für die eigentliche Mandatsarbeit, als sie sich gewünscht hatte.

Seit Januar 2021 ist Frotscher Partnerin bei der breit aufgestellten Kanzlei Advant Beiten. Besonders spannend findet sie die Schnittstelle zwischen Recht, Digitalisierung und KI. Sie bringt technisches Knowhow gezielt in ihre Arbeit ein und sieht in der Automatisierung von Routinearbeiten eine echte Chance. „Die Leidenschaft für innovative Technologien hätte ich rückblickend auch gerne in meinem Studium vertieft“, verrät sie.

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