Wohlfühljob Wirtschaftsjurist?

Ob Projektmanagement, Legal Tech oder die Durchführung von Due Diligences: Auch für Wirtschaftsjuristinnen und -juristen ohne Staatsexamen gibt es spannende Aufgaben mit engem Mandatsbezug in Wirtschaftskanzleien. Eine Umfrage der azur100-Redaktion zeigt, wie es dabei um ihre Zufriedenheit bestellt ist.

Das Tätigkeitsfeld von Absolventinnen und Absolventen mit einem Bachelor of Laws (LL.B.) oder Master of Laws (LL.M.) ist längst nicht mehr nur eine bloße Assistenztätigkeit oder stille Zuarbeit im Hinterzimmer. Von einem „exzellenten fachlichen ­Arbeitsumfeld“ und „spannenden Projekten“ berichtet eine Wirtschaftsjuristin in der azur-Associate-Umfrage. Ein Wirtschaftsjurist einer mittelständischen Transaktionskanzlei lobt die „kollegiale Zusammenarbeit und Wertschätzung durch den Arbeitgeber“. Die azur-Umfrage richtet sich in erster Linie an junge Anwältinnen und Anwälte in Kanzleien, Rechtsabteilungen oder Beratungsgesellschaften. Zuletzt nahm jedoch auch eine kleine Gruppe von Wirtschaftsjuristen teil und übermittelte der azur-Redaktion so ihr Feedback zu Arbeitgebern. Insgesamt zeigen sie sich sehr zufrieden und vergeben ziemlich gute Noten.

Mehr Freizeit, weniger Geld

Zufriedener als ihre Associate-Kollegen sind sie vor allem mit der Work-Life-Balance und der Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Das erklärt sich auch durch einen Blick auf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit: Als Wirtschaftsjuristin oder -jurist ist es auch in einer Großkanzlei möglich, humane Arbeitszeiten zu haben. Laut azur-Umfrage arbeitet diese Berufsgruppe mit rund 43 Wochenstunden immerhin knapp zehn Stunden weniger als die der Volljuristinnen und -juristen.

Nicht ganz so glücklich sind die Wirtschaftsjuristinnen und -juristen dagegen mit ihrem Gehalt und den angebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten. Letztere sind für die Associates in der Regel sehr umfangreich vorhanden, sie stehen aber nicht immer allen Mitarbeitenden offen. „Mehr Transparenz und die Öffnung der verschiedenen Angebote auch für Wirtschaftsjuristen“, wünscht sich daher ein Wirtschaftsjurist in der azur-Umfrage. Dort wo Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen, könnten sie „besser auf Wirtschaftsjuristen zugeschnitten sein“, schreibt ein Umfrageteilnehmer.

Wolkig mit Aussicht auf Sonnenschein

Dass es ohne Anwaltszulassung Grenzen auf der Karriereleiter einer Kanzlei gibt, dessen sind sich die Teilnehmenden der azur-Umfrage bewusst. So stehen ihnen Leitungsfunktionen nicht offen, ganz zu schweigen vom klassischen Weg in die Partnerschaft. Trotzdem – oder genau deshalb – wünschen sich mehrere von ihnen „alternative Entwicklungsmöglichkeiten“ und „Aufstiegschancen abseits des Partnertracks“.

Wer das klassische Jurastudium nicht als das Richtige empfindet und wer sich sowohl für juristische als auch für ökonomische Inhalte interessiert, der bekommt mit einem wirtschaftsrechtlichen Studium ein Grundgerüst aus beiden Disziplinen. Auch mit Blick auf Digitalisierung und künstliche Intelligenz haben Wirtschaftsjuristinnen und -juristen gute Chancen auf dem Kanzleimarkt, gerade an der Schnittstelle zu Legal Tech. Je breiter das Aufgabenfeld und die Bedeutung im Kanzleialltag wird, desto mehr werden Kanzleien sich um die Zufriedenheit bemühen und spezifische Weiterbildungsangebote und echte Karriereperspektiven für Wirtschaftsjuristinnen und -juristen schaffen.


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