Wechselbereit, aber nicht wegen des Geldes: Was Associates wirklich antreibt

Eine Auswertung der azur-Associate-Umfrage 2025 zeigt: Fast ein Drittel aller Associates in Kanzleien ist auf dem Sprung – doch die Motive unterscheiden sich deutlich zwischen den Geschlechtern. Und von der breiten Arbeitnehmerschaft heben sich Associates ohnehin ab.

Im Gesamtdurchschnitt aller Umfrageteilnehmenden aus Kanzleien bejahten 877 Personen und damit 30,9 Prozent die Frage nach einem Arbeitgeberwechsel innerhalb der nächsten 12 Monate. Mit 32,7 Prozent sind männliche Associates dabei deutlich wechselbereiter als ihre Kolleginnen, von denen 28,2 Prozent einen baldigen Wechsel in Betracht ziehen.

754 der 877 Kanzleianwältinnen und -anwälte machten zudem Auskünfte über ihre Beweggründe, wobei die Prioritäten beider Geschlechter recht unterschiedlich ausfallen. Während bei den weiblichen Associates der Wunsch nach mehr Freizeit als Wechselmotiv deutlich im Vordergrund steht, liegt dieser bei den Männern gleichauf mit dem Wunsch nach besseren Aufstiegschancen. Auch der Anteil der Frauen, die den Arbeitgeber wechseln würden, um Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen, ist deutlich höher. Ein besseres Betriebsklima wäre Frauen ebenfalls deutlich wichtiger als Männern. Die männlichen Associates würden dagegen eher für mehr Geld den Arbeitgeber wechseln.

Juristen ticken anders

Dass der Wunsch nach mehr Gehalt weder bei den Frauen noch bei den Männern auf Platz eins rangiert, zeigt: Die Kohorte der Kanzleianwälte ist mit ihrer Vergütung ziemlich zufrieden. Einer aktuellen McKinsey-Studie zufolge ist dies jedoch längst nicht bei allen Berufsgruppen der Fall. Danach bleiben Vergütung und Zusatzleistungen der wichtigste Grund für einen Jobwechsel. Befragt wurden 3.000 Mitarbeitende und 1.500 HR-Experten in Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien. Im europäischen Durchschnitt nannten 38 Prozent der Befragten diesen Faktor als entscheidend. In Deutschland sind es sogar 42 Prozent. Neben den Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten (29 Prozent) ist das Verhältnis zu den eigenen Vorgesetzten (30 Prozent) ein weiterer großer Treiber für einen Jobwechsel aus Sicht der Beschäftigten in Deutschland. Das Verhältnis zu den Kolleginnen und Kollegen hat dagegen mit 17 Prozent weniger Gewicht.

Großkanzlei schlägt Inhouse nur knapp

Doch wohin zieht es wechselbereite Associates? Von den insgesamt 781 Kanzleianwältinnen und -anwälten, die eine Wechselabsicht bejaht und die Frage nach dem Wechselziel beantwortet haben, sehen sich 31,6 Prozent in einer (anderen) Großkanzlei. Daneben werden Rechtsabteilungen großer Unternehmen immer beliebter: Während sich 2022 noch 22,8 Prozent der wechselwilligen Associates vorstellen konnten, in einer Konzernrechtsabteilung anzuheuern, sind es 2025 bereits 28,9 Prozent. Zu kämpfen haben dagegen kleine Kanzleien mit weniger als 20 Berufsträgern und mittelständische Unternehmen. Sie scheinen im direkten Wettbewerb um juristische Talente gegenüber Großkanzleien und Konzernrechtsabteilungen an Attraktivität einzubüßen. Ebenso können sich nur wenige Associates eine Zukunft bei einem Verband oder einer Beratungsgesellschaft vorstellen.

An der azur-Associate-Umfrage (Sommer 2025) haben knapp 3.500 berufstätige junge Juristinnen und Juristen aus Kanzleien, Unternehmen, Beratungsgesellschaften und Behörden teilgenommen.


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