Von Anfang an Unternehmer

Die azur Redaktion stellt vier Partner vor, die sich in der Corona-Zeit beweisen mussten. Als Neuzugänge in der Partnerschaft mussten die Anwälte unter erschwerten Bedingungen zeigen, dass sie zu Recht an ihrem Platz sind – gar nicht so leicht aus dem Homeoffice. Nachdem wir Dr. Carsten Wendler und Dr. Irka Zöllter-Petzoldt vorgestellt haben, steht nun Jan-Ove Becker im Fokus.

Jan-Ove Becker, Vangard, Arbeitsrecht

Im März 2020 war Jan-Ove Becker auf Mallorca. Nicht etwa zum Vergnügen. Oder naja, je nach Definition. Es war das jährliche Trainingslager zur Vorbereitung auf die Ironman-Saison. Doch dann kam der Lockdown und von jetzt auf gleich war nichts mehr mit Laufen, Schwimmen, Rad­fahren. Vom Fahrradsattel ging es direkt an den Laptop und ans Handy. „Wir haben uns sehr schnell auf die Situation eingestellt“, sagt der 40-Jährige, der erst drei Monate zuvor Equity-Partner in der Arbeitsrechtsboutique Vangard geworden war. Bereits eine Woche vor dem Lockdown wurden die Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt und die IT-Techniker zu Höchstleistungen angespornt.

Dass er einmal Arbeitsrechtler werden würde, war für Becker ziemlich früh klar. Schon in seiner Kindheit waren Personalangelegenheiten ein beliebtes Thema beim Abendessen. „Mein Vater war mehr als dreißig Jahre Personalleiter in einem Verlag und hat häufig von seiner Arbeit erzählt“, sagt Becker. Nach Studium und Referendariat arbeitete er bei Taylor Wessing und wollte dort auch als Associate anfangen. Doch dann eröffnete ihm sein Partner, dass er eine eigene Boutique gründen werde. Kurz darauf folgte der Zusammenschluss zu Vangard.

Becker hatte nicht geplant, in einer Boutique zu arbeiten. „Aber die Möglichkeit, etwas ganz Eigenes mit aufzubauen, hat mich schon sehr gereizt. Dadurch habe ich mich dann auch von Anfang an als Unternehmer gefühlt.“ 2020 war es auch ganz offiziell soweit. Dass der Sprung in die Equity-Riege ausgerechnet im Corona-Jahr gelang, sieht Becker positiv: „Für mich persönlich war es eine sehr lehrreiche Phase.“

Mandatsmäßig beschäftigte er sich in den ersten Wochen vor allem mit den Themen mobiles Arbeiten und Kurzarbeit. Bisher lagen seine Schwerpunkte eher auf Mitbestimmungs- und Betriebsverfassungsrecht, Transaktionen und Restrukturierungen. Mit krisennaher Beratung wird sich Becker künftig wohl häufiger befassen – er sieht darin aber nicht nur Negatives, sondern auch die Chance, Veränderungen mitzugestalten. Viele Mandanten hätten tatsächlich versucht, die positiven Aspekte der Krise schnell für sich zu nutzen. „Einige wollten etwa das mobile Arbeiten weltweit an allen Standorten möglichst schnell etablieren. Da mussten wir sie manchmal regelrecht bremsen“, sagt Becker.

Ironman im Wartestand.

Auch er selbst sieht in der Krise eine Chance. „Wir haben in Hamburg das Bürokonzept während des Sommers verändert. Die Partnerbüros wurden aufgelöst und wir sind auf Hot Desking umgestiegen“, erklärt Becker. „Wir haben uns trotz Corona digital viel getroffen und so das Soziale bestmöglich aufrechterhalten.“

Auf seine Wettkämpfe musste er allerdings lange verzichten. Normalerweise ist er in der Saison an mehreren Wochenenden in ganz Europa unterwegs. Zumindest aber konnte er den Großteil seines Trainingsprogramms weiterführen. Vielleicht geht es sogar eines Tages nach Hawaii zum legendären Ironman – dann aber nur als Zuschauer. „Um mich für Hawaii zu qualifizieren, dafür habe ich leider etwas spät mit diesem Sport angefangen“, sagt Becker. Die gute Nachricht ist, dass auch Beckers Partnerin Ironman-Triathletin ist – und sie hat durchaus noch Chancen auf ein Ticket nach Hawaii. Eines Tages, nach Corona.


Teilen:

azur Mail abonnieren