Vom Algorithmus zur Argumentation: Dr. Bernhard Freund im Porträt

Ob Jura und Informatik, Medizin und Recht oder andere Kombinationen: Ein Doppelstudium fordert viel, gibt aber auch viel zurück. Es schärft den Blick für Zusammenhänge, fördert interdisziplinäres Denken und eröffnet besondere berufliche Möglichkeiten. Die hier vorgestellten Zweifach-Absolventen haben ihren ganz eigenen Weg gefunden. Sie alle verbindet Neugier und Ausdauer sowie die Bereitschaft, mehr als nur eine Perspektive einzunehmen.

Er war nie der Typ, der seinen Karriereweg minutiös durchplant. Vielmehr ließ sich Dr. Bernhard Freund von Neugier und Begeisterung leiten. Ohne es zu wissen, entschied sich der heute 39-Jährige für eine Fächerkombination, die inzwischen relevanter ist denn je. „Ich hatte schon immer eine Stärke in den Naturwissenschaften“, sagt er. Informatik zu studieren war für ihn also ein logischer Schritt, und zwar aus Interesse, nicht aus Kalkül.

Die Begeisterung für Jura kam später dazu, angestoßen durch einen guten Freund. „In der Informatik geht es um Algorithmen, in Jura um Argumentationen. Beides folgt einer gewissen Regellogik“, so Freund. Ambitioniert schrieb er sich parallel für Rechtswissenschaften und naturwissenschaftliche Informatik an der Universität Bielefeld ein. „Ich habe das ein bisschen unterschätzt“, gibt er offen zu. 40 reine Semesterwochenstunden ließen kaum Raum für Freizeit. „Das kann ich niemandem empfehlen, der noch ein Leben neben dem Studium haben will.“ Doch einfach so aufgeben war für ihn keine Option. Er schloss sein Jurastudium in der Regelstudienzeit ab und Informatik später über ein Fernstudium mit Schwerpunkt ‚Künstliche Intelligenz‘. Sein Fazit: „Wenn man ein zweites Fach studiert, sollte es aus echtem Interesse geschehen und nicht nur aus Karrieregründen.“ Anschließend legte er noch den LL.M.-Titel in Wellington (Neuseeland) nach.

Akademischer Lebenslauf

1999-2001 Naturwissenschaftliche Informatik (Universität Bielefeld)

1999-2003 Jurastudium (Universität Bielefeld)

2003-2009 Informatikstudium (FernUniversität Hagen)

2006 Master of Laws (Victoria University of Wellington)

2006-2013 Promotion in Rechtswissenschaften (Universität Osnabrück)

Seine Karriere startete er als Referent des Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, wo er erstmals beide seiner Welten verband: der juristisch geregelte Umgang mit Daten und Technik. Er promovierte im Schwerpunkt einer rechtsvergleichenden Untersuchung zum Erfüllungszwang und kehrte 2011 zu CMS Hasche Sigle zurück, wo er bereits Referendar gewesen war. 2014 wagte Freund erstmals den Schritt in die Selbstständigkeit in eigener Kanzlei. Kurze Zeit später, im Jahr 2015, gründete er dann gemeinsam mit seinen Gründungspartnern, die er auf einer Datenschutzveranstaltung kennenlernte, Planit Legal mit. Die Kanzlei ist auf IT- und Datenschutzrecht spezialisiert.

Heute ist er dort nicht nur Rechtsberater, sondern auch Koordinator der Produktentwicklung einer Datenschutzsoftware. Seine Doppelqualifikation ist dabei ein echter Vorteil. „Ich spreche die Sprache der IT-ler und der Juristen“, erzählt er. Seine Stärke liegt darin, technische Sachverhalte juristisch präzise einzuordnen. So wird er regelmäßig als externer Datenschutzbeauftragter mandatiert. Freund ist überzeugt: „Man sollte sich nicht zu früh festlegen, denn es ergeben sich immer interessante Querverbindungen.“ Auch heute würde er ein weiteres Studium nicht ausschließen, etwa in Psychologie oder Medizin. Mit einem Augenzwinkern meint er: „Das Dilemma ist, dass man realistisch betrachtet, überhaupt nur zwei Dinge studieren kann. Ich hätte gut ins Mittelalter gepasst, wo man noch Generalist war.“


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