Spontaner Gestalter

Mit Corona sind IT- und Datenschutzfragen stärker ins Zentrum der Beratung gerückt. Für Paul Voigt haben die Boomjahre der Digitalisierung aber schon viel früher begonnen. Seit über zehn Jahren ent­wickelt der Berliner digitale Ideen.

Wer auf den Taylor Wessing-Partner Dr. Paul Voigt trifft, dem bleibt seine Leidenschaft für den Anwaltsberuf nicht verborgen. Nicht nur die Art, wie er von seiner Arbeit spricht, nämlich selbstsicher und voller Leidenschaft, auch seine Gestik und Mimik vermitteln die Faszination, die ihn mit der IT- und Datenschutzwelt verbindet: Die Augen blitzen auf, wenn er von kniffligen Fragen erzählt, energiegeladen schwingen die Hände mit, um seine Worte zu bekräftigen. Auf Augenhöhe argumentieren, das ist für ihn keine leere Floskel. Schnell bietet er das ‚Du‘ an. Der 39-Jährige erklärt leichte wie schwierige Sachverhalte gut verständlich und mit einer sympathischen Ausstrahlung.

Kennengelernt hat Voigt Taylor Wessing bereits im Referendariat. Sie war eine von wenigen Großkanzleien, die sich schon früh mit dem Thema Digitalisierung befasste. 2011 startete er in Hamburg als Associate seine berufliche Karriere in der Technologie- und Medien­praxis. Dabei setzte er einen Fokus auf den Datenschutz – ein Thema, das für viele andere eher langweilig klang. Für Voigt wiederum entpuppte es sich als die Chance, etwas Großes aufzuziehen.

Internationaler Datenschutz

Sein erstes großes Mandat brachte er aus den USA mit. Bereits als Associate war er öfter dort, besuchte Mandanten, hielt Vorträge – die ­internationale Arbeit war ihm schon immer wichtig. Wenig verwunderlich also, dass er an der Universidad de Castilla-La Mancha auch einen spanischen Juraabschluss absolvierte. Nach einem Vortrag in den USA wurde Voigt schließlich von einem Fortune-500-Unternehmen für ein komplexes Datenschutz­mandat mandatiert, bei dem er die weltweite Beratung koordinierte.

Von Hamburg wechselte er in das Hauptstadtbüro – als gebürtiger Berliner zog es ihn zurück in die Heimat. Umso praktischer, dass ihm dort die Aufgabe zukam, mit zwei anderen jungen Anwälten den Fachbereich Technologie und Medien aufzubauen. 2016 wurde Voigt Salary- und 2019 schließlich Equity-Partner. Während es 2016 im Berliner Büro nur wenige Associates in dem Fachbereich gab und nur einen Partner, besteht das Team um Voigt inzwischen aus rund fünfzehn Anwälten. Etwas aufzubauen hat ihn immer gereizt. Sei es das eigene Team, feste Mandantenbeziehungen oder knifflige Projekte: Voigt ist ein Macher, der Gestaltungsspielraum braucht und liebt.

Das Interesse für IT-Themen in Kombination mit rechtlichen Aspekten brachte er schon früh auf. „Ich habe mich früher regelmäßig an rechtlichen Passagen bei Computerzeitschriften festgebissen“, erinnert er sich. Im Studium selbst musste er feststellen, dass Digitalisierung und IT nur am Rande behandelt wurden. Den Beruf des Anwalts hatte er ursprünglich tatsächlich gar nicht im Sinn: „Was ich nie werden wollte, war Anwalt.“ Voigt lacht. „Ich habe Jura studiert, weil es eher ein generalistisches Studium ist und man nach Abschluss gewissermaßen frei ist.“

Einfach loslegen

Da ist er wieder: der Freiraum. Den brauche er auch, um kreativ zu sein, so der IT-Rechtler. Beim Schwimmen oder wenn er mit seinem Fahrrad durch Berlin fährt – also in der Zeit, in der Voigt, wie er es nennt ‚deconnected‘ ist – entstünden viele Ideen. Und er wäre nicht Paul Voigt, wenn er diese Gedanken nicht auch umsetzen würde. So wie sein Buch zum IT-Sicherheitsrecht – sein achtes Werk mittlerweile. „Das Wichtigste ist: einfach loslegen. Das klingt banal, aber sich erstmal aufraffen und sich an etwas dran zu setzen, ist in der Praxis manchmal schwieriger als gedacht.“

Auf die Frage, ob er denn Vorbilder hat oder gehabt hat, folgt eine kurze Pause. „Über Vorbilder habe ich mir nie Gedanken gemacht“, sagt Voigt, ist dann aber sofort wieder in seinem Element. „Vielmehr ist mir wichtig: Worauf habe ich Lust? Was möchte ich gerne machen?“ Er zwinkert. „Und dann habe ich es einfach gemacht.“ Neues auszuprobieren und sich auf Neues einzustellen, bringt auch der Arbeitsalltag des zwei­fachen Vaters mit sich. Die Dynamik im IT- und Datenschutzrecht treibt ihn an. Ausgetretene Pfade? Fehlanzeige. Voigt berät zu Fragen, die rechtliches Neuland betreten. Findet neue Wege, neue Lösungen für seine Mandanten – zu denen ein weltweit führender Wissenschaftsverlag, mehrere große US-Onlineplattformen, einige öffentliche Stellen und verschiedene Berliner Start-ups zählen. „Es ist total wichtig, brauchbaren Rechtsrat zu schaffen. Früher gab es lange Memos, schwierige Rechtsfragen und unklare Lösungen dazu. Mein Credo ist: den Mandanten eine klare Empfehlung in klarer Sprache geben.“

Mit diesen Eigenschaften half der Partner auch in den verschiedenen Phasen der Corona-Krise seiner Mandantschaft. In den ersten Monaten war bei vielen von ihnen unklar, wohin der Weg führen würde. Oder ob es das eine oder andere Unternehmen in einem Jahr überhaupt noch gibt, was wiederum in puncto Datenschutz eine andere Herangehensweise erfordert. „Klar, seit Corona gibt es viele digitale Lösungen, dadurch mussten wir auch Geschäftsmodelle unserer Mandanten entsprechend anpassen“, erklärt Voigt. „Manche Unternehmen hatte man fast schon tot geglaubt – und plötzlich konnten sie ihren Umsatz sogar verzehnfachen.“

Geheimnis seiner Erfolge sind wohl auch die langjährigen Mandatsbeziehungen. Er kann sich bestens in seine Auftraggeber hineinversetzen. „Über die Jahre hinweg habe ich fast schon freundschaftliche Beziehungen zu einigen Mandanten aufgebaut. Ich kenne sie gut und weiß, was diese Mandanten wollen: Sind sie zum Beispiel bereit, auch mal ein Risiko einzugehen?“ Voigt wird konkreter. „Oder ist die Grauzone für sie tabu, möchten sie lieber im ‚weißen Bereich‘ bleiben?“ Jemand, der so strukturiert ist wie Voigt, hat bestimmt noch einige Ziele auf seiner Liste, würde man meinen. Aber der Eindruck täuscht. „Ich habe keine bestimmten Pläne oder Ziele – für mich ist der Weg das Ziel. Es gibt nicht das eine Ziel oder den Meilenstein, den es zu erreichen gilt.“ Zumindest, bis die nächste spontane Idee auf ihre Verwirklichung wartet.


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