Sachliche Technikerin: Lisa Rieth im Porträt
Fokussiert und klar: So agiert Lisa Rieth in Patentstreitigkeiten. In ihren Verfahren gibt es immer einen technischen Hintergrund. Für die knifflige Mischung aus Technik und Jura ist sie genau die Richtige.
Lisa Rieth behält stets den Überblick – egal ob sie es bei ihrem Hobby als Imkerin mit Hunderten Bienen zu tun hat oder als Patentrechtlerin vor Gericht mit einem Team gegnerischer Anwälte. Nichts deutet darauf hin, dass bei ihr, wie sie zugibt, schon Tage vor einem Gerichtsverfahren der Adrenalinspiegel steigt. „Die mündlichen Verhandlungen in Patentstreitigkeiten sind jedes Mal ein Highlight meines Berufs“, sagt die 34-Jährige. Sie ist Counsel in der auf Intellectual Property (IP) spezialisierten Kanzlei Arnold Ruess.
Schwierige Wahl: Technik oder Jura
Erzählt sie von ihren Gerichtsverfahren, ist es vorbei mit der Ruhe. Dann sprudelt sie über vor Begeisterung. Für ihre Mandanten streitet sie um Patente für Videocodierung oder Mobilfunknetzwerke genauso wie um Pharma-Blockbuster. Dabei werden Technik und die darum geführten Auseinandersetzungen immer komplexer. „Jeder Fall ist anders. Und bald werden Fälle zu Patenten für KI-Anwendungen folgen“, ist sich Rieth sicher. Bereits früh zeigte sich bei ihr ein Talent für Technik. „Ich war schon in der Schule mathematisch und technisch interessiert“, erzählt die junge Counsel. Eine Zeit lang spielte sie sogar mit dem Gedanken, am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) Maschinenbau zu studieren. Letztlich fiel die Wahl doch auf das Jurastudium in Freiburg.
Verständlich kommunizieren
Ihre Leidenschaft für Technik lebte sie derweil im Nebenjob als studentische Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für solare Energien ISE aus, wo sie Berichte für Forschungsanträge schrieb. „Dabei habe ich gelernt, zwischen Technikern und Nichttechnikern zu vermitteln“, sagt Rieth. Ein gutes Training für ihren heutigen Job. Denn der Erfolg eines Verfahrens hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut es gelingt, den Richtern nicht nur ihre juristischen Argumente zu vermitteln, sondern auch die relevanten technischen Aspekte verständlich darzulegen.
Es folgte ein weiterer Nebenjob am Lehrstuhl für Geistiges Eigentum der Universität Freiburg. Dessen Leiter Professor Dr. Maximilian Haedicke legt traditionell einen starken Schwerpunkt auf Patentrecht, war er doch selbst mehrere Jahre Richter des auf Patentprozesse spezialisierten 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Das Thema Patentrecht ist nicht jedermanns Sache. In Vorlesungen zum Datenschutz saßen Hunderte von Studierenden, „in der Patentvorlesung waren wir nur rund 20 Studierende“.
Richtiger Standort: Düsseldorf
Diese familiäre Atmosphäre findet Lisa Rieth auch heute in ihrem Alltag wieder. Die Akteure in den Kanzleien, Unternehmen und Gerichten kennen einander, regelmäßig trifft sie auf diejenigen, die schon ihr Studium begleiteten.
Haedicke ist mittlerweile neben seiner Lehrtätigkeit Richter am Einheitlichen Patentgericht (UPC), und ein weiterer UPC-Richter, Ronny Thomas, leitete seinerzeit den Einführungslehrgang für ihre Referendars-Wahlstation am OLG Düsseldorf. So stand für sie früh fest, dass sie in einer Kanzlei mit einem Schwerpunkt auf Patentrecht arbeiten wollte – am besten an einem wichtigen Patentstandort. Rieths Wahl fiel auf die Düsseldorfer IP-Boutique Arnold Ruess. „Aufgrund der spezialisierten Patentkammern an den Gerichten konnte ich sicher davon ausgehen, in einer hiesigen IP-Kanzlei auch einen signifikanten Anteil an Patentrecht machen zu können“, sagt sie.
Sie kam, um zu bleiben. Abgesehen von einem mehrmonatigen Ausflug ins Münchner Patentteam von A&O Shearman (damals noch Allen & Overy) und einem Secondment bei der auf Litigation spezialisierten US-Kanzlei McKool Smith, fasste sie in Düsseldorf bei Arnold Ruess Fuß, wo sie 2024 zur Counsel ernannt wurde. „Patent Litigation bietet mir die optimale Schnittmenge aus Jura und Technik“, sagt sie. Und von der Aufregung im Gerichtssaal erholt sie sich beim Imkern mit ihren Bienen im Garten.