Poellath schraubt am Partnertrack und am Gehalt
Poellath verkürzt den Weg in die Assoziierte Partnerschaft. Gleichzeitig verlagert die Kanzlei einen Teil der Vergütung in einen Ermessensbonus.
Damit rückt sie ein Stück weit von ihrem Eat-what-you-kill-Vergütungsmodell ab, das die Kanzleikultur über Jahre geprägt hat.
Poellath beschleunigt den Weg in die Partnerschaft. Die Assoziierte Partnerschaft ist künftig bereits nach sechs statt sieben Berufsjahren erreichbar und soll Anwälten mit konkreter Equity-Perspektive vorbehalten sein. Besonders aussichtsreiche Kandidaten können direkt vom Senior Associate aufsteigen, der Counsel verliert seine Funktion als Pflichtstation Richtung Partnerschaft und steht den Anwältinnen und Anwälten erst nach sechs statt bisher nach fünf Jahren offen.
Poellath zählt rund 40 Senior Associates, 34 Counsel und 18 Assoziierte Partner. Die neuen Regeln gelten für künftig ernannte Berufsträger auf diesen Stufen.
Mit dem neuen Karriereweg verknüpft Poellath eine Neuerung des Vergütungssystems. Künftig setzt sich die Vergütung von Senior Associates, Counseln und Assoziierten Partnern aus drei Bausteinen zusammen: Fixgehalt, Umsatzbeteiligung und ein neu eingeführter Ermessensbonus.
Für Poellath ist das ein bemerkenswerter Schritt. Kaum eine andere Kanzlei steht so stark für eine umsatzorientierte Vergütung. Das „Eat what you kill“-Prinzip prägt seit Jahren die Equity-Partnerschaft und strahlt auf die nachgelagerten Karrierestufen aus.
Ausgleich mit Unschärfe
Künftig verliert dieses Prinzip an Gewicht. Die Umsatzbeteiligung auf den von Senior Associates selbst erwirtschafteten Umsatz wird bei 20 Prozent vereinheitlicht und der bisherige Anstieg auf bis zu 25 Prozent entfällt. Bei Counseln sinkt sie von bislang 35 Prozent mit einer Steigerungsmöglichkeit bis 40 Prozent auf künftig 30 Prozent. Gleichzeitig reduziert sich das Fixgehalt nach dem fünften Berufsjahr von 180.000 auf 175.000 Euro.
Für Assoziierte Partner gilt künftig ebenfalls ein Fixgehalt von 175.000 Euro bei einer Umsatzbeteiligung von 35 Prozent. Nach Angaben der Kanzlei ersetzt das Modell ein bislang differenziertes System mit Beteiligungssätzen zwischen 40 und 50 Prozent sowie unterschiedlich hohen Fixgehältern, die teilweise unterhalb derer von Counsel lagen.
Als Ausgleich für die niedrigeren Umsatzbeteiligungen führt Poellath einen Ermessensbonus ein. Mit ihm sollen Leistungen honoriert werden, die sich nicht unmittelbar im Umsatz niederschlagen. Anders als die Umsatzbeteiligung ist der Bonus jedoch nicht klar kalkulierbar, sondern hängt von der Bewertung durch die verantwortlichen Equity-Partner ab.
Wettbewerb um Bindung

Ziel sei es, Anwälte früher an unternehmerisches Denken heranzuführen, gezielter auf die Partnerschaft vorzubereiten und junge Leistungsträger langfristig zu binden, sagt Co-Managing Partner Peter Peschke. „Wer später Partner werden will, braucht mehr als einen hohen Umsatz aus eigener Beratungsleistung.“ Im Ermessensbonus werden Kriterien wie Business Development, Mandatsakquise, Mitarbeiterführung, Ausbildung jüngerer Anwälte, Vorträge, Publikationen oder interne Kanzleiarbeit berücksichtigt.
Die Reform passt zu einer Entwicklung, die sich insgesamt im deutschen Kanzleimarkt beobachten lässt. Viele Kanzleien konkurrieren vor allem über steigende Gehälter um Nachwuchsjuristen, doch inzwischen gewinnen Karriereperspektiven und die realistische Aussicht auf Partnerschaft an Bedeutung. Geld allein reicht selbst im Spitzensegment oft nicht mehr aus, um talentierte Anwälte langfristig zu halten. Entscheidend werden zunehmend Fragen nach Verantwortung, Entwicklungsmöglichkeiten und unternehmerischer Perspektive.

Die Münchner Co-Managing Partnerin Dr. Eva Nase bewertet die Resonanz auf die beschlossenen Änderungen in Karriereweg und Vergütung insgesamt als verständnisvoll: „Die Reaktionen innerhalb der Kanzlei waren positiv.“ Nach JUVE-Informationen sorgen die Veränderungen dennoch für Unruhe. Einige Anwälte empfinden die niedrigeren garantierten Umsatzanteile als Verschlechterung. Unter den angestellten Anwälten herrscht nach JUVE-Informationen Enttäuschung.
Professionalisierung im Hintergrund
Die Umgestaltung steht dabei nicht isoliert. Die Kanzlei professionalisiert ihre internen Strukturen insgesamt. Im Mai holte Poellath etwa Sebastian Winzer als Director Finance. Er war zuvor bei Brinkmann & Partner sowie Freshfields und soll die Datengrundlage für Managemententscheidungen und das Controlling verbessern.