Mit Fintech nach oben

Neuanfänge sind Florian Reuls Ding. Gut für die Schufa: Als neuer Chefsyndikus soll er die digitale Transformation des Unter­nehmens vorantreiben.

Dr. Florian Reul (41) Schufa, Wiesbaden
Aufgewachsen in: Erkelenz am Niederrhein
Erste berufliche Station: Linklaters in Frankfurt

Oft finden Juristinnen und Juristen in Großkanzleien ihre Spezialisierung erst spät auf ihrem Karriereweg. Zunächst lernen sie viel. Vor allem viel Verschiedenes. Als Florian Reul 2014 Associate bei Linklaters wird, hat er bereits ein sehr klares Profil: Bank- und ­Finanzrecht mit Affinität zu Tech- und Digitalisierungsthemen. Diese Spezialisierung, die ihn nun an die Spitze der Schufa-Rechtsabteilung führte, entspringt einem Mix aus Zufällen und strategischen Entscheidungen – und Reuls Neigung, regelmäßig etwas anderes auszuprobieren: „Neuanfänge finde ich immer interessant, es reizt mich, mit neuen Leuten in neuer Umgebung etwas aufzubauen.“ Erster großer Neuanfang war ein High-School-Aufenthalt mit der gemeinnützigen Austauschorganisation ‚YFU Youth for Understanding‘, der ihn auf eine Ranch in Texas führte. Damals ahnte Reul noch nicht, dass dies später für seine Karriere wichtig sein könnte. Doch der Schüleraustausch faszinierte ihn so nachhaltig, dass er sich bei YFU nach seiner Rückkehr jahrelang ehrenamtlich engagierte. „Eigentlich spielte sich mein gesamtes Sozialleben bei der Arbeit für die YFU ab“, sagt Reul. Aus dieser Zeit stammt auch der Kontakt zu Dr. Florian Mahler, heute Partner bei Clifford Chance. Reul, der im Studium Erfahrungen im IT- und Medienrecht gewonnen hatte, wollte zwischen dem Ersten und Zweiten Staatsexamen promovieren. Es fügte sich, dass Mahler für Clifford damals ein Banking-Team in Düsseldorf mit aufbaute und Reul eine promotionsbegleitende Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter anbot. Auch im anschließenden Referendariat in Berlin wählte er mit dem Finanzministerium wieder eine Station mit Branchenbezug.

Im Frühjahr 2014 erreichte ihn ein Brief. Mit Glückwünschen zum Zweiten Staatsexamen und einer Tafel Schokolade meldete sich Linklaters. Dort hatte Reul fünf Jahre zuvor ein Praktikum gemacht. „Ich mag eigentlich keine Schokolade“, sagt Reul, „aber es hat mich sehr fasziniert, dass sich Linklaters nach so langer Zeit an einen Praktikanten erinnert.“ Im Vorstellungsgespräch machte es sofort ‚klick‘ und Reul wusste: Da will ich anfangen! Einen ähnlichen Moment erlebte er, als er bei einem Secondment in Londoner Büro mit dem Thema Fintech in Berührung kam.

Finance und IT, hier kommt für Reul zusammen, was zusammengehört. Zurück im Frankfurter Büro trieb Reul gemeinsam mit
Dr. Christian Storck, dem Leiter des Finance-Departements, die Fintech-Beratung in Deutschland voran. Als Managing-Associate übernahm er 2018 die Position des Head of Fintech Germany bei Linklaters, 2023 stieg er zum Counsel auf. Am Anfang wurde das Thema Fintech als vermeintliche Start-up-Beratung kanzleiintern etwas belächelt. Doch spätestens als sich auch die großen Player im Dax, wie Commerzbank und Daimler Truck, für Blockchains und E-Geld interessierten, änderte sich das Image. „Das war schnell eine Erfolgsstory“, erinnert sich Reul.
Nun steht der Job bei der Schufa für den nächsten Neuanfang. Eine Aufgabe, bei der die digitale Transformation eines Finanz- und Datenunternehmens und seiner rund 15-köpfigen Rechtsabteilung im Vordergrund steht. Für Reul fügen sich damit wieder mehrere Steinchen seiner Karriere zu einem Bild.

Zwei Fragen an Reul:

Florian Reul macht nun Karriere bei der Schufa, nicht als American-Football-Spieler. Das war nur ein Intermezzo als Austauschschüler in Texas.

Welches nichtjuristische Buch bedeutet Ihnen etwas?

‚Stranger in a Strange Land‘, von Robert A. Heinlein – ein Klassiker der SciFi-Literatur.

Was macht Ihnen schlechte Laune?

Wenn Menschen sich nicht die Mühe geben, einander zu verstehen, und nicht an der Sache interessiert arbeiten.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.


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