Mission Steuerstrafrecht

Anja Stürzl ist Steuerstrafrechtlerin mit Ausdauer und Leidenschaft – neuerdings als Partnerin bei der Frankfurter Kanzlei Rettenmaier.

Dr. Anja Stürzl (35)
Rettenmaier
Aufgewachsen in: Bonn
Erste berufliche Station: Wannemacher & Partner

Gearbeitet hat Anja Stürzl schon immer viel. Seit sie 14 war, erzählt sie, hat sie regelmäßig gejobbt – ob als Kellnerin oder in einem Schuhcenter in ihrer Heimatstadt Bonn. In ihrer Münchner Studienzeit sattelte sie von Politik auf Rechtswissenschaft um, schaffte aber dann doch Abschlüsse in beiden Disziplinen. Eine Zertifizierung als Fitnesstrainerin ermöglichte es ihr, nebenher Sport und Arbeit zu verbinden.

Heute hat sie ihre Leidenschaft in der Arbeit als Steuerstrafrechtlerin gefunden. „Ich habe gleich zu Beginn des Jurastudiums gemerkt: Das ist etwas für mich.“ Rasch fokussierte sie sich aufs Straf- und dann Wirtschaftsstrafrecht. Passend dazu arbeitete sie in spezialisierten Kanzleien wie Stetter oder Ufer Knauer. „Ich mag die Vielfalt des Jobs“, sagt Stürzl, „im Kern bin ich Strafverteidigerin, aber wichtig ist ein gutes Verständnis für wirtschaftliche und unternehmerische Zusammenhänge.“ Man müsse sich oft und schnell in andere Rechtsgebiete einarbeiten, etwa Gesellschafts-, Insolvenz-, Sozialversicherungsrecht oder Datenschutz. „Das macht mir Spaß.“

Nach rund dreieinhalb Jahren als Associate im renommierten Steuerstrafrechtsteam von Flick Gocke Schaumburg packt sie nun die nächste berufliche Herausforderung an. Zum Dezember zieht es sie, wie sie es ausdrückt, „zurück in die Boutiquenwelt“. In der Frankfurter Kanzlei Rettenmaier will sie als Partnerin ihre Karriere gestalten. Die auf Wirtschaftsstrafrecht ausgerichtete und etwa im Finanzsektor gut vernetzte Kanzlei gibt es seit rund acht Jahren. Der Namenspartner hatte seinerzeit selbst nach Stationen in angesehenen Sozietäten eine eigene Kanzlei gegründet. Stürzls Aufgabe wird es sein, auch das Steuerstrafrecht stärker zu etablieren. Nach Cum-Ex laufen schließlich schon die nächsten Ermittlungskomplexe mit potenziell sehr vielen Beschuldigten an.

Strafrechtteams geht es aber genau wie vielen anderen: Nachwuchstalente sind begehrt. Auch hier engagiert sich Stürzl mit viel Elan. Sie ist Mitgründerin und Vorstandsvorsitzende des Vereins Juwist – Juristinnen im Wirtschafts- und Steuerstrafrecht. Nur drei Jahre nach der Gründung gibt es schon rund 120 Mitglieder und viel prominente Unterstützung: Die Jahrestagung im September 2022 moderierte die angesehene Strafrechtlerin Dr. Hellen Schilling (Kempf Schilling). Freshfields-Partnerin Dr. Simone Kämpfer und Dr. Franziska Peters, Richterin am Bundesfinanzhof, unterstützen im wissenschaftlichen Beirat. Zum Konzept gehört auch ein Mentorenprogramm, das noch weiter ausgebaut werden soll. Stürzls Tipp für junge Strafrechtlerinnen: „Seid mutig! Und habt keine Angst, auch mal zu scheitern.“

Zwei Fragen an Stürzl:

Krafttraining: Im Studium und noch in der ersten Zeit als Anwältin arbeitete Anja Stürzl nebenbei im Fitnessstudio. (Foto: privat)

Welchen Beruf haben sich Ihre Eltern für Sie vorgestellt?
Meine Mutter sagte mir immer, es sei ihr egal, was ich mal mache. Wichtig war ihr nur, dass ich etwas erlerne, das mir Spaß macht und finanzielle Unabhängigkeit bringt. Sie hätte nie im Leben damit
gerechnet, dass ich Anwältin werde.

Welches Buch bedeutet Ihnen etwas?
Nathan der Weise. Denn von der Ringparabel könnten wir auch heute noch viel lernen. Mehr Toleranz und Empathie wären gerade in den aktuellen Zeiten wichtig.


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