Der Super-Anwalt: Jan Bauer im Porträt
Jan Bauer kam über Umwege ins M&A-Geschäft. Heute zählt er zu den führenden Köpfen im deutschen Transaktionsmarkt. Wie er das geschafft hat? Mit viel Einsatz, wenig Schlaf und einem Ausbilder, der wusste, worauf es ankam.
Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Diese Weisheit von Wilhelm Busch passt ziemlich gut zu Dr. Jan Bauer, vor allem in der Anfangszeit seiner juristischen Karriere. Denn bevor der 53-Jährige M&A Anwalt und Managing-Partner bei der US-Kanzlei Skadden Arps Slate Meagher & Flom wurde, hat er seine Meinung zu Jura, Anwaltsberuf und Großkanzlei mehrmals gründlich überdacht. Und das kam so: Schon als Schüler arbeitete Bauer in der Kanzlei seines Vaters, der ebenfalls Anwalt war. Allerdings eher breit aufgestellt, vergleichbar mit einem Allgemeinmediziner. „Dieser Teil der anwaltlichen Arbeit hat mich damals nicht unbedingt angesprochen. Überhaupt lagen meine Interessen zu dieser Zeit eher im naturwissenschaftlichen Bereich“, erzählt Bauer. Mathe, Physik, Chemie sei sein Ding gewesen. Ein Studium im einem der Fächer habe er sich dann aber nicht zugetraut und sei schließlich doch bei Jura gelandet. Was Einfaches halt.
Nach Studium und Referendariat stellte sich dann die Frage der Arbeitgeberwahl. „Auf keinen Fall wollte ich in die Großkanzlei“, sagt Bauer. „Während des Referendariats habe ich in einer mittelgroßen Einheit gearbeitet. Das hat mir gut gefallen.“ Bei näherer Betrachtung stellte sich dann aber raus, dass mittelgroße Kanzleien nicht zwingend meritokratisch veranlagt sind. Sprich: Die individuelle Leistungsbereitschaft wird dort nicht immer genug gewürdigt. Schließlich fiel die Wahl auf Gleiss Lutz. Eine Großkanzlei. Die aber nicht Bauers Klischee entsprach. Begonnen hat seine anwaltliche Laufbahn in der Corporate-Praxis, also mit einem Mix aus Transaktionsberatung und gesellschaftsrechtlichen Themen. „Mich hat zunächst die Kombination aus rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekten sehr angesprochen“, sagt er.
Vom klassischen Corporate-Business führte sein Weg immer stärker in Richtung Transaktionsgeschäft. 2005, nach nur fünf Jahren, wurde er Partner. Seinen ursprünglichen M&A-Schwerpunkt verlagerte Bauer im Lauf der Jahre zunehmend in Richtung Private Equity. Er beriet einerseits hochkarätige Mandanten wie die US-Investoren Blackstone und KKR sowie den Ontario Teacher’s Pension Plan aus Kanada, war aber auch bei strategischen An- und Verkäufen weiter im Einsatz. Zum Beispiel bei Stammmandantin Kion, die er 2016 beim milliardenschweren Zukauf des US-Logistikers Dematic begleitete. 2018 folgte der Wechsel zu Skadden, zunächst als Leiter der Private-Equity-Praxis. Heute leitet er als Managing-Partner die Geschicke der gesamten Kanzlei in Deutschland.
„M&A ist nicht wie Tischtennis“
Den einen, ganz besonderen Deal in seiner Laufbahn gibt es für Bauer nicht. An die Beratung von Private-Equity- Investor Blackstone bei der Übernahme des Chemiekonzerns Celanese in den frühen Jahren seiner Laufbahn erinnert er sich allerdings gut und gerne. „Der erste große Deal bleibt besonders im Gedächtnis, auch wenn ich im Laufe meiner Karriere viele weitere gemacht habe.“ Und nicht nur Bauer ist diese Transaktion besonders in Erinnerung geblieben. „Mir fiel als junger Partner die Federführung bei der Übernahme von Celanese zu. Jan war mein Senior Associate“, erinnert sich Dr. Christian Cascante, Leiter der Private-Equity- Praxis bei Gleiss Lutz und Bauers langjähriger Weggefährte. „Täglich kam der Anruf vom Blackstone-Managing Director: ,We have 5 questions and you have 3 minutes to answer them‘. Es war eine sehr intensive Erfahrung, aber aufgrund des Teamspirits auch eine großartige Zeit.“ Der Deal war einer der ersten, aber bei Weitem nicht der letzte, den die beiden Anwälte zusammen über die Bühne brachten. „Jan war im Grunde der erste Associate, den ich bis in die Partnerschaft – und darüber hinaus – begleitet habe. In seinen Anfangsjahren hat er überwiegend für mich und mit mir gearbeitet,“, sagt Cascante. Dabei sei schnell klar geworden, dass „er mal ein super Anwalt wird und – wichtiger – auch ein netter Kollege ist.“ Auch Bauer denkt gerne an diese Zusammenarbeit zurück.
Neben der intensiven Arbeit im Team gefallen Bauer im M&A-Geschäft vor allem die ständig neuen Herausforderungen in Verhandlungen, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Parteien zusammenzubringen. „Wichtig ist, die richtige Balance zu finden. M&A ist nicht wie Tischtennis. Nicht jeder Punkt zählt in einer Verhandlung gleich viel. Man muss sich gut überlegen, bei welchen Themen man der Gegenseite entgegenkommen kann und will. Dafür ist man bei anderen Punkten, die für den eigenen Mandanten sehr wichtig sind, beharrlicher“, erklärt er.
Sprung ins kalte Wasser
Solche Verhandlungstaktiken lernen junge Juristen nicht an der Uni, sondern im Job. In Deutschland sind die Teams bei Skadden nicht sehr groß. Deshalb werden junge Anwälte früh in die Mandatsarbeit einbezogen und sitzen auch mit am Verhandlungstisch. Anfangs natürlich mit dem Partner, später dann vielleicht auch eigenverantwortlich.
Auch Bauer hat sich in jungen Jahren so seine Sporen verdient. „Mein Mentor bei Gleiss verfolgte das Ausbildungskonzept ,Schwimm oder ertrink‘. Klingt erstmal hart. Bedeutete aber eigentlich nur, dass er Vertrauen in uns Associates hatte und uns sehr früh sehr viel Verantwortung übertragen hat. Und das war für mich als junger Anwalt natürlich toll“, sagt Bauer. Allmählich kristallisierten sich dann Private-Equity-Unternehmen als Kernmandanten heraus. „Die Beratung des Sektors nahm zu dieser Zeit erst richtig Fahrt auf in Deutschland. Vielen älteren Partnern war diese Entwicklung nicht ganz geheuer. Also haben sie uns, der jüngeren Generation, dieses Feld überlassen.“ Aus Bauers Sicht eine gute Entscheidung. „Die Ansprechpartner bei unseren Private-Equity-Mandanten waren in einem ähnlichen Alter wie ich. Das war einfach etwas anderes, als mit dem General Counsel eines alteingesessenen Konzerns zu sprechen. Ich wurde als junger Anwalt ganz anders wahrgenommen.“
Die allgemein gängigen Vorurteile über Private-Equity- Mandanten teilt Bauer nicht. „Ja, sie sind anspruchsvoll. Aber sie sind auch sehr fokussiert und professionell, was die Zusammenarbeit interessant und smart macht.“ Anspruchsvolle Mandanten auf die Private-Equity- Branche zu reduzieren greift allerdings zu kurz. Wem es keinen Spaß mache, ständig herausgefordert zu werden, sollte sich überlegen, ob er in einer Großkanzlei richtig aufgehoben sei, findet Bauer.