Legal Tech und KI: Das sind die besten Arbeitgeber
Legal Tech und KI werden die Ausbildung und Arbeitsweise junger Anwältinnen und Anwälte erheblich verändern – und tun es teilweise jetzt schon. Doch als Legal AI-Profi starten die wenigsten ins Berufsleben. Deshalb müssen auch die Arbeitgeber in die Tech-Ausbildung des Nachwuchses investieren. Viele der internationalen Großkanzleien und einige Rechtsabteilungen haben mittlerweile beeindruckende Ausbildungsprogramme auf die Beine gestellt, das zeigt auch die aktuelle Ausgabe der azur100. Wir stellen die Top-Arbeitgeber in Sachen Legal Tech vor.
Insgesamt gibt es beim Thema Tech noch erhebliche Unterschiede im Markt. Nur etwa 25 Prozent der Kanzleien, die an der azur100-Recherche teilgenommen haben, haben bereits ein strukturiertes Ausbildungsprogramm. Der überwiegende Teil (rund 55 Prozent) setzt auf einzelne Anwendungen, Schulungen oder Workshops.
Die Marktspitze der Top-Kanzleien baut strukturierte Kompetenzen auf und integriert Legal Tech in die tägliche Mandatsarbeit, während das Mittelfeld überwiegend reaktiv agiert und isolierte Lernformate ohne nachhaltige Wirkung nutzt. Innerhalb der Spitzengruppe stechen Freshfields, Osborne Clarke und Linklaters mit fünf Sternen im azur100-Ranking besonders hervor, da sie Legal Tech nicht nur als Kompetenz, sondern als strategischen Bestandteil der juristischen Wertschöpfung verstehen. Bei den Rechtsabteilungen hat derzeit Siemens die Nase vorn und überzeugt durch einen Mix aus modernen Tools und Praxisnähe.

Best Practices
Freshfields zeichnet sich durch eine besonders starke Integration von Legal Tech in die operative Mandatsarbeit aus. Programme wie die AI Academy werden nicht isoliert durchgeführt, sondern direkt mit konkreten Use Cases verknüpft. Die hohe Trainingsfrequenz, der Einsatz von AI Champions und die Entwicklung eigener Tools sorgen dafür, dass Legal Tech nicht abstrakt bleibt, sondern täglich produktiv genutzt wird.
Osborne Clarke hebt sich vor allem durch die Verzahnung von Ausbildung und Karriereentwicklung ab. Mit strukturierten Programmen wie verpflichtenden Prompt-Trainings, AI-Ambassador-Modellen und KI-Secondments schafft die Kanzlei echte Spezialisierungspfade. Legal Tech wird hier nicht nur gelernt, sondern als eigenständige Kompetenz aufgebaut, die langfristig die Karriere beeinflusst. Das führt zu einer deutlich tieferen Verankerung im Mindset der Organisation.
Realitätsbezug
Linklaters überzeugt durch eine besonders klare Systematik und globale Skalierung. Das modulare Curriculum kombiniert Legal Tech mit Effizienz, Projektmanagement und Legal Design und wird durch verpflichtende Basistrainings strukturiert eingeführt. Gleichzeitig sorgt der Einsatz von Tools wie Legora dafür, dass die Ausbildung unmittelbar in produktives Arbeiten übergeht.
Die Rechtsabteilung von Siemens setzt mit ihrem Programm klar an der Praxis an und sorgt dafür, dass moderne Tools wie LLMs und Microsoft 365 nicht nur zur Verfügung stehen, sondern tatsächlich im Arbeitsalltag genutzt werden. Es bleibt also nicht bei theoretischen Schulungen, sondern es fließt unmittelbar in die Tätigkeit ein. Darüber hinaus erprobt Siemens systematisch neue Legal-Tech-Lösungen in internen Gruppen. Das zeigt eine gewisse Innovationsfähigkeit und macht die Juristinnen und Juristen zufrieden, die das in der azur-Umfrage auch zum Ausdruck bringen.
Hohes Niveau
Auch Kanzleien wie CMS Hasche Sigle, A&O Shearman oder Hengeler Mueller agieren bezüglich Ausbildung auf hohem Niveau. Diese Kanzleien kombinieren strukturierte Trainings mit praktischer Anwendung und binden ihre Juristinnen und Juristen aktiv in die Entwicklung und Nutzung von Legal-Tech-Lösungen ein. Auffällig ist auch hier die Nähe zur Mandatsarbeit: Legal Tech wird nicht isoliert vermittelt, sondern direkt als Werkzeug zur Effizienzsteigerung und Qualitätsverbesserung eingesetzt. Kanzleien wie DLA Piper, Bird & Bird oder Greenberg Traurig bieten zahlreiche Trainingsformate und zeigen hohe Aktivität, verfügen jedoch häufig nicht über ein konsistentes Curriculum oder verpflichtende Lernpfade. Andere, wie Hogan Lovells oder Norton Rose Fulbright, setzen auf einzelne Programme oder Innovationsinitiativen, ohne diese in ein umfassendes Ausbildungssystem zu überführen. Und auch Inhouse gibt es neben Siemens mit BMW weitere Einheiten, die sich hervortun: Die neu aufgesetzte Legal-Tech-Akademie bietet BMW-Referendaren und Juristen die Möglichkeit zur Teilnahme an Workshops und Hackathons. Hinzu kommen praktische Tipps, um Tools in den Arbeitsalltag zu integrieren.
Die Auswertung der azur100-Recherche zeigt, dass der Großteil des Marktes das Thema Tech auch im Hinblick auf die Ausbildung des anwaltlichen Nachwuchses zumindest auf dem Radar hat. Trotzdem: Rund ein Viertel der teilnehmenden Kanzleien, meist Boutiquen oder kleinere mittelständische Kanzleien, macht zu diesem Thema in der azur-Recherche noch gar keine Angaben. Für sie wird es Zeit, sich das Thema genauer anzusehen. Denn Verschwinden werden Legal Tech und KI aus dem anwaltlichen Alltag so schnell nicht.
| Freshfields Highlights – Globales AI Academy Programm – Massive Trainingsdichte (100+ Sessions) – Integration von KI in operative Einheiten (z. B. Massenverfahren) Inhalte – Strukturierte Programme, Mix aus globalen Angeboten und lokalen Deep Dives – AI Champions Modell – Eigenes AI Toolkit mit konkreten Use Cases Alleinstellungsmerkmal – Extrem hohe Umsetzungsnähe – KI nicht nur Training, sondern Produktivsystem Das sagen Associates – „Eigenes Lab, direkte Anbindung zu Entwicklern, viel Freiraum bei der Umsetzung von neuen Lösungen“ – „Einbindung der Associates in Legal-Tech-Pilotprojekte“ – „Sehr viele Angebote und Schulungen“ |
| Linklaters Highlights – Globales Legal-Tech- und GenAI-Curriculum – Kombination aus: – Effizienz – Projektmanagement – Technologie – Starke Einbindung in juristische Arbeitsprozesse Inhalte – Verpflichtendes Basistraining für alle Einsteiger – Modulare Lernstruktur (inkl. E-Learning + Workshops – Ausbildung in: App-Entwicklung – Legal Design – Tool-Nutzung – Rollout eigener Plattform (u.a. Legora und interner GenAI-Chatbot) Alleinstellungsmerkmal – Globale Skalierung, kein lokales Programm Das sagen Associates – „Bereitstellung aller relevanten KI-Tools inkl. Videos und Workshops zur Erklärung“ – „Konkrete Tipps von anderen Anwälten, wie man seine Produktivität mithilfe von KI steigern kann“ – „Grandioses LT-Team und sehr gut geschulte Anwälte, zahlreiche Trainings, die die Berührungsangst verringern“ |
| Osborne Clarke Highlights – Ganzheitliches, karrierestufenübergreifendes Ausbildungsmodell – Kombination aus Ausbildung + Innovation + Spezialisierung Inhalte – Verpflichtendes Prompt-Training (Onboarding) – Über 10 Formate: – Workshops – Secondments – Innovationsprojekte – Programme: – AI Ambassadors – KI-Secondments (1–3 Monate) – Enge Zusammenarbeit mit Legal Engineers Alleinstellungsmerkmal – Stärkste Verzahnung von Ausbildung und Karriereentwicklung – Echte Spezialisierung möglich (z. B. AI Ambassador) – Ausbildung = Teil der Talentstrategie, nicht Add-on Das sagen Associates – „Eine eigene marktführende Legal Tech-Einheit und ständige Weiterbildungen zu diversen Legal Tech Tools“ – „OC Solutions und Secondments von Anwälten zur Legal Tech Einheit“ – „Passgenaue Entwicklung, Schulungen, Informationen seitens Management“ |
| Siemens Highlights – Klare Erwartungshaltung: Integration digitaler Tools in den Arbeitsalltag – Fokus auf aktuelle Technologien (insb. LLMs und Microsoft-Ökosystem)- – Erste strukturierte Ansätze zur Tool-Evaluierung im Unternehmen Inhalte – Schulungen zu: – LLMs (z. B. ChatGPT, Mistral, Gemini) – Microsoft 365-Tools (u. a. Power BI) – Prompting-Grundlagen – Anwendungsschulungen mit Fokus auf konkrete Tools – Interne Testgruppen zur Evaluierung neuer Legal-Tech-Lösungen Alleinstellungsmerkmal – Starker Fokus auf praktische Tool-Adoption im Unternehmenskontext – Systematische Erprobung neuer Technologien vor breitem Rollout Das sagen Inhouse-Juristen – „Großes Angebot an Legal Tech-Lösungen. Offener und mutiger Umgang mit Legal Tech“ – „Zahlreiche Learnings und Austausch zum aktuellen Fortschritt und Best Practise“ – „Zur Verfügung stehen viele verschiedene Tools und ein umfangreiches Schulungsangebot“ |