Karrieresprung: Die Gamechangerin

An der Elbe legt man viel Wert auf Traditionen. Ann-Kathrin Schleusener hat gerade mit einer gebrochen – und das war längst überfällig. Sie wurde die erste Partnerin der Hamburger Corporate-Boutique Huth Dietrich Hahn.

Dr. Ann-Kathrin Schleusener (37)
Huth Dietrich Hahn
Aufgewachsen in: Hamburg
Erste berufliche Station: Huth Dietrich Hahn

Sie läutet eine neue Ära der Hamburger Traditionskanzlei Huth Dietrich Hahn (HDH) ein: Nach über 30 Jahren Kanzleigeschichte ist Ann-Kathrin Schleusener in diesem Jahr als erste Frau in die Partnerschaft aufgestiegen. Und das in einem extrem unternehmerischen Kanzleiumfeld. Den dafür erforderlichen Geschäftssinn übte sie schon früh. Sie handelte mit ihrem Bruder mit Konzertkarten, um eine Weltreise zu starten. Diese begann in Bangkok, führte über Hongkong nach Sydney, Hawaii, Kalifornien und Mexiko.

In Mexiko-Stadt brach sie ihre Reise allerdings ab. Dem Tequila zog sie nach einer Einladung von Poellath eine ordentliche Maß Wiesnbier vor. Doch mehr als ein Praktikum verbrachte Schleusener dann doch nicht bei Poellath in München – einmal Hamburgerin, immer Hamburgerin.

Durch ihr Studium an den Universitäten Hamburg, Lausanne, Bologna und Aix-en-Provence sowie ihren Stationen bei einer Reederei und der Deutschen Botschaft in Pretoria machte sie auf sich aufmerksam und erfuhr über persönliche Kontakte, dass HDH-Partner Dr. Georg Wittuhn eine Associate suchte. Noch während ihrer LL.M.-Ausbildung fing sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Hamburger Corporate-Boutique an. Wieso keine Frau auf dem Briefkopf sei und es keine angestellten Anwältinnen gebe, fragte sie ihn. Das sei so nie gewollt gewesen, aber es fehlte immer die passende Kandidatin, hieß es.

Mit Schleusener änderte sich das offensichtlich. Und sie wurde von der männlichen Partnerschaft, die im Markt für ein konservatives Kanzleibild steht, gefördert, konnte Erfahrung bei Globalaw Women’s Initiatives und dem Leadership-Programm sammeln.

Mittlerweile hat sich einiges geändert: Schleusener wurde sesshaft. Und bei HDH sind zwei weitere weibliche Associates zu den 18 Rechtsanwälten hinzugestoßen. Heute berät die auf Handels- und Gesellschaftsrecht spezialisierte Schleusener mittelständische Unternehmen, Unternehmer und wohlhabende Privatpersonen. Zu HDH kommen die Mandanten wegen des Anwalts (oder der Anwältin!), sagt Schleusener. Und diese Persönlichkeiten haben auch sie selbst überzeugt. Beim gemeinsamen Golfen merkte sie einmal mehr, dass es auf persönlicher Ebene auch langfristig gut passte.

Zudem sei es der freiheitliche Grundgedanke der Kanzlei, der ihr gefalle, nicht etwa von einem übergeordneten Managing-Partner Umsatzziele diktiert zu bekommen. Außerdem stehe HDH für Kontinuität und hohe Eigenverantwortlichkeit sowie einen vertrauensvollen Umgang miteinander. Das seien die Faktoren, die es ermöglichen, auch selbst erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein.

Das ist ihr gelungen. Mit 28 Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin eingestiegen, gelang ihr der Aufstieg in die Partnerschaft in weniger als 10 Jahren.

Splitstep nicht nur beim Tennis: Auch in Sachen Karriere war Ann-Kathrin Schleusener bereit zum großen Sprung.

Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürften: Wer wäre es und warum?

Udo Lindenberg, damit ich ihn fragen kann, wie man im Alter immer besser wird.

Wann und warum haben Sie zuletzt herzhaft gelacht?

„Ich habe ein Golfcart versehentlich in einen Bunker gefahren und zum Umkippen gebracht. Der Greenkeeper bestand im Anschluss darauf, dass mein männlicher Begleiter weiterfuhr.“


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