Karriere zwischen Big Apple und Mainz
Als Associate verbrachte Jens Hafemann spontan 12 Monate im New Yorker Büro von Cleary Gottlieb Steen & Hamilton. Seitdem lief seine Karriere in der US-Kanzlei wie am Schnürchen. Heute ist er Partner im Frankfurter Büro der US-Kanzlei.

Jens Hafemann (45)
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, Frankfurt
Aufgewachsen in:
Quickborn und Hamburg
Erste berufliche Station:
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton
Spontaneität war gefragt. „Könntest du mir bitte Montag Bescheid geben, ob du nächsten Monat für ein Jahr nach New York gehen kannst?“, fragte Steuerpartner Daniel Weyde 2012 seinen Associate Jens Hafemann. Und Hafemann konnte. Seit vier Jahren war er damals schon Associate bei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton in Frankfurt. Den LL.M. und das Steuerberaterexamen hatte er neben seinem zweiten juristischen Staatsexamen ohnehin in der Tasche. Er packte seine Koffer, vertröstete seine Familie, die in Deutschland blieb, und arbeitete fortan für zwölf Monate mitten in New Yorks Finanzdistrikt, an der Südspitze Manhattans als einer von knapp 600 Anwälten, die Cleary dort beschäftigt.
Dabei war der heute 45-Jährige nur zufällig in der US-Kanzlei gelandet. Auf einer Bewerbermesse hatte er Romina Polley kennengelernt, langjährige Kartellrechtspartnerin bei Cleary. Sie sei authentisch gewesen, nahbar. Hafemann ließ sich überzeugen. Also verbrachte der Norddeutsche eine Referendarstage in Frankfurt – und fühlte sich wohl. Er hatte das Gefühl: „Der Schuh passt mir.“ 17 Jahre ist das jetzt her, und seine Karriere lief wie am Schnürchen. 2015 wurde er Senior Attorney, 2020 Counsel und nun steigt er Anfang 2025 zum Partner auf. Dabei ist dieser Werdegang alles andere als selbstverständlich in einer – in Deutschland – kleinen US-Kanzlei. In den vergangenen drei Jahren war Cleary vergleichsweise großzügig mit ihren Partnerernennungen in Deutschland: 2022 kam Julian Sanner in den Genuss, 2023 Mirko von Bieberstein, davor aber jahrelang niemand.

Bei seinem Einstieg hatte Hafemann aber keinen Kopf für solche Statistiken. Ihm gefiel es, Teil eines deutschen Teams zu sein, das große, internationalen Deals mit deutschem Bezug berät. Dabei fokussiert er sich auf Transaktionssteuern und Gesellschaftsrecht mit Steuerbezug. Eines seiner typischen Mandate: die Beratung von General Motors beim milliardenschweren Verkauf von Opel, bei dem Cleary mit einem großen internationalen Team die Strukturierung der Übernahme genauso übernahm wie die steuerlichen Aspekte.
Einen eigenen Business Case aufzubauen und so das Ticket in die Partnerschaft zu lösen, ist bei einem derartigen Mandatsportfolio kaum möglich. Aber Hafemann punktet mit seinen guten Kontakten, die er nun schon seit Jahren pflegt. Die Kollegen in London und Paris gehören dazu, mit ihnen arbeitet er eng zusammen, und natürlich diejenigen, die er damals in New York kennenlernte. Von seinem Büro im Main Tower, immerhin dem vierthöchsten Hochhaus in Deutschland, ist die Aussicht ähnlich wie damals in Manhattan. Privat hat sich Hafemann aber längst von Frankfurt verabschiedet. Er pendelt lieber täglich von Mainz.
Zwei Fragen an Hafemann:
Welchen Beruf haben sich Ihre Eltern für Sie vorgestellt?
Keinen bestimmten, die Hauptsache für sie war, dass er mir gefällt. Vielleicht eher irgendwas mit Pharmazie oder Medizin als Jura.
Wann und warum haben Sie zuletzt gelacht?
Ich lache ziemlich viel, auch über Kleinigkeiten. Und bevor ich mich ärgere, lache ich lieber – ein wenig schwarzer Humor schadet dabei gelegentlich auch nicht.
Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.