Kanzleiwachstum auf null

Jahrzehntelang wuchs der Rechtsmarkt über die Zahl seiner Köpfe. Nun brechen die Wachstumsraten weiter ein – und zwar quer durch die Liga, von den Magic-Circle-Giganten bis zu den kleinsten Einheiten der hundert umsatzstärksten Kanzleien im deutschen Markt.

Der Personaleinsatz war über Jahre die verlässlichste Größe im Rechtsmarkt. Wer wissen wollte, ob eine Kanzlei zuversichtlich in die Zukunft blickt, musste nur zählen, wie viele Berufsträger sie einstellte. Wachstum bedeutete Zuversicht, und Zuversicht bedeutete mehr Personal. Davon ist aktuell wenig übrig. Die 100 umsatzstärksten Kanzleien Deutschlands beschäftigten 2025/26 zusammen 16.727,5 Vollzeitkräfte – ein Zuwachs von gerade noch 0,2 Prozent. Nach Jahren stabilen Aufbaus von drei bis sieben Prozent steht der Personalmotor damit praktisch still.

Bemerkenswert ist dabei nicht allein die Zahl, sondern ihre Reichweite. Der Stillstand ist kein Phänomen einzelner Häuser oder eines einzelnen Segments. Er zieht sich durch die gesamte Liga.

Wer die Entwicklung der Vollzeitäquivalente über die vergangenen Jahre auffächert, stößt auf einen Befund, der auf den ersten Blick der ökonomischen Intuition widerspricht: Gerade am unteren Rand der Liste, bei den personell kleinsten Kanzleien der Plätze 71 bis 100, ist das Wachstum seit zwei Jahren rückläufig – und zuletzt besonders deutlich eingebrochen.

Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Kleine Einheiten wachsen von einer niedrigen Basis; ein paar zusätzliche Berufsträger schlagen dort prozentual stärker zu Buche. Dass ausgerechnet dieses Segment schrumpft statt zu expandieren, verweist auf große Unsicherheit. Doch nicht nur die Kleinen treten auf die Bremse. Auch an der Spitze, genauer gesagt, bei den zehn umsatzstärksten Kanzleien im deutschen Markt, kehrt sich der in den Jahren nach Corona nach einem kurzen Einbruch noch einmal forcierte Aufbau um.

So entsteht ein ungewohntes Bild: An beiden Enden der Liste – bei den größten und den kleinsten Einheiten – kommt der Personalaufbau zum Erliegen. Weiter in der Mitte gleichen vor allem die neben einigen Spezialkanzleien wie Redeker Sellner Dahs oder Seitz noch wachsenden US-Kanzleien einen deutlicheren Einbruch aus. Sie wachsen entgegen dem Trend.

Die Zurückhaltung bei Neueinstellungen betrifft nicht nur junge Associates, sondern auch Berufserfahrene. Nach Marktinformationen von JUVE suchen auch erfahrene Partner neue Kanzleien. Beide klassischen Wachstumswege stehen zugleich still – ein Doppeleffekt, der die Nullnummer beim Personaleinsatz erst richtig erklärt.

Alle Daten, alle Fakten der JUVE 100 findet ihr im aktuellen JUVE Rechtsmarkt.


Teilen:

Lies mehr zum Thema

azur Mail abonnieren