Juristen promovieren immer seltener

Nur jeder zehnte Jurist erwirbt einen Doktortitel – Tendenz fallend. Während andere Fächer Promotionsquoten von über 70 Prozent erreichen, stagnieren die Rechtswissenschaften. Die Gründe liegen nicht nur in der langen Ausbildungsdauer.

Laut aktuellen Daten des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) belegt das Fach Rechtswissenschaften mit durchschnittlich 1.061 Promotionen in den Jahren 2022 bis 2024 Platz sechs im Fächervergleich. Deutlich mehr Doktortitel werden in Medizin (über 7.000), Biologie (1.964), Chemie (1.923), Physik (1.602) und Maschinenbau (1.301) vergeben.

Setzt man die Promotionen ins Verhältnis zu den Abschlüssen auf Masterniveau (inklusive Staatsexamen), wird die Zurückhaltung noch deutlicher: Während in Chemie 80 Prozent der Absolventinnen und Absolventen promovieren, liegt die Quote in Jura bei nur etwa 10 Prozent. Das macht die Rechtswissenschaften zu einem Fach mit vergleichsweise geringer Promotionsneigung.

Langfristiger Rückgang

Besonders auffällig: Die Zahl der juristischen Promotionen ist langfristig deutlich zurückgegangen. Während die Studienanfängerzahlen in Deutschland seit der Jahrtausendwende stark gestiegen sind – in den Rechtswissenschaften von knapp 103.00 im Jahr 2000 auf über 115.00 im Jahr 2024 –, blieb die Gesamtzahl der Promotionen über alle Fächer hinweg relativ konstant zwischen 24.000 und 29.000 pro Jahr. In den Rechtswissenschaften dagegen zeigt sich trotz stabiler Absolventenzahlen sogar ein Rückgang.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig: Das Jurastudium mit anschließendem Referendariat dauert ohnehin bereits zwischen sieben und neun Jahren – eine zusätzliche Promotionsphase von mehreren Jahren erscheint vielen als zu lange Durststrecke. Hinzu kommt, dass viele Lehrstühle bei der Auswahl ihrer Promovierenden sehr selektiv vorgehen: Ein Prädikatsexamen ist vielfach Voraussetzung, was nur eine überschaubare Zahl der Absolventinnen und Absolventen erreicht.

LL.M. als schnellere Alternative?

Zugleich hat sich mit dem Master of Laws (LL.M.) eine Titel-Alternative etabliert, die in kürzerer Zeit absolviert werden kann und international anerkannt ist. Während eine Promotion mehrere Jahre in Anspruch nimmt, lässt sich ein LL.M.-Studium im Ausland oft innerhalb eines Jahres abschließen. Für Großkanzleien und international ausgerichtete Arbeitgeber kann ein LL.M. mit Auslandserfahrung und verhandlungssicheren Fremdsprachenkenntnissen mindestens ebenso attraktiv sein wie ein Doktortitel.

Auch die Anforderungen der Arbeitgeber haben sich verändert: Während ein ‚Dr. jur.‘ früher in vielen Bereichen als Türöffner galt, legen Kanzleien heute oft mehr Wert auf persönliche Eignung, Praxiserfahrung und spezielle Kenntnisse etwa mit Blick auf Künstliche Intelligenz. Für eine akademische Laufbahn in der Forschung und Lehre bleibt eine Promotion hingegen unverzichtbar.

Die niedrige Promotionsquote in den Rechtswissenschaften spiegelt damit auch eine pragmatische Entscheidung vieler Absolventinnen und Absolventen wider: Der Aufwand einer mehrjährigen Dissertation steht nicht immer im Verhältnis zum beruflichen Nutzen – zumal alternative Qualifikationen wie der LL.M. schneller erreichbar sind und ähnliche Karrierechancen eröffnen.

Hier findest du Informationen zu rund 100 LL.M.-Programmen in Deutschland sowie einer Vielzahl von LL.M.s an beliebten ausländischen Law Schools, darunter in Großbritannien, den USA oder Kanada.


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