Neues Jahr, neuer Job: Viele Anwälte wollen demnächst die Kanzlei wechseln

Eine Auswertung der azur-Associate-Umfrage 2021 nach Rechtsgebieten zeigt, dass es große Unterschiede bei der Wechselbereitschaft unter den jungen Anwälten gibt. Spitzenreiter – und folglich die Rechtsgebiete mit den größten Nachwuchssorgen – sind das Öffentliche Wirtschaftsrecht, IT-Recht und M&A. Auf diesen drei Beratungsfeldern sagen über ein Drittel der Umfrageteilnehmer, dass sie innerhalb der nächsten 12 Monate den Arbeitgeber wechseln wollen. Zum Vergleich: Insgesamt liebäugeln knapp 29 Prozent der Associates mit einem baldigen Wechsel.

Hohe Arbeitslast bei M&A-Teams

Im Transaktionsbereich (M&A, Mergers & Acquisitions) liegen die Probleme auf der Hand – die zeitkritischen Mandate der M&A-Anwälte bedeuten eine hohe, oft unberechenbare Arbeitsbelastung. In puncto Belastung vergeben nur noch die Private-Equity-Anwälte schlechtere Noten. Beim Gehalt sind die M&A-Juristen sogar am unzufriedensten. Fazit aus Associate-Sicht: Die hohe Arbeitslast wird finanziell nicht angemessen bewertet, die Transaktionsexperten wollen wechseln.

Die Wechselstimmung im Öffentlichen Wirtschaftsrecht ist aus den Zufriedenheitsnoten der azur-Umfrage nicht so leicht herauszulesen – viele der Bewertungen liegen im allgemeinen Durchschnitt. Vielleicht lockt bei dieser Spezialisierung der Öffentliche Dienst besonders viele Wechsler an. Interessant ist, wie wenig coronabedingtes Homeoffice die Ö-Rechtler hatten – gut zweieinhalb Tage pro Woche haben sie zuhause gearbeitet (die Umfrage fand im Sommer 2021 statt). Das ist weniger als der Durchschnitt, der bei 3,1 Tagen Homeoffice lag, und deutlich weniger als im IT-Recht.

Gute Jobaussichten im IT-Recht

Die IT-Rechtler, vermutlich Könige des Remote-Arbeitens, waren gut 3,5 Tage pro Woche im Homeoffice. Macht sie das zu Wechselkandidaten? Ihre Noten für die Gesamtzufriedenheit liegen jedenfalls unter dem Durchschnitt. Andererseits sehen sie selbst relativ gute Chancen für eine Kanzleikarriere. Ihre Chance auf den Vollpartnerstatus schätzen sie überdurchschnittlich ein. Parallelthese zu den Öffentlichrechtlern: Dort saugt der Öffentliche Dienst die Wechsler an, im IT-Bereich sind es die boomenden Tech-Giganten, die den wechselwilligen Anwälten gute Arbeitsmöglichkeiten bieten. Da kann die Partnerkarriere noch so rosig erscheinen.

Hinweis zur Methodik: Grundlage ist die azur-Associate-Umfrage 2021. Dort haben rund 3.200 Teilnehmer ihr Rechtsgebiet benannt. Hier berücksichtigt wurden die Top-15-Rechtsgebiete mit jeweils mehr als 50 Teilnehmern. Das entspricht rund 2.900 Teilnehmern.

 


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