Die richtigen Schnittmengen

Die Mainzer Anwältin Mina Cho zeigt, dass man sich nicht immer zwischen zwei Dingen entscheiden muss. Ihre Kanzlei – eine klassische Mittelstands­beraterin – lässt ihr Raum zur Entfaltung.

Für den Journalisten beginnt das Gespräch mit einer kleinen Niederlage. „Auf einer Studienmesse hatte ich mich über Journalismus informiert. Das klang nicht wirklich spannend“, sagt Mina Cho (29) und lacht. Aber damals ist sie immerhin auf das Fach Jura gekommen: „Ein gestandener Rechtsanwalt erklärte mir dort, dass die logische Struktur der Juristensprache eine Verbindung von Deutsch und Mathematik ermöglicht.“

Auch bei der Wahl der Hochschule gelang es Cho, zwei Interessen unter einen Hut zu bekommen. Sie entschied sich 2012 für die EBS-Privathochschule und den damals recht neuen Jura-Studiengang, der in Wiesbaden eingerichtet wurde. Die EBS, an der man früher nur BWL studieren konnte, kombiniert Recht und Betriebswirtschaft in ihren Studienmodulen. „So musste ich mich nicht zwischen Jura und BWL entscheiden, das war gut“, erinnert sich Cho. Sie gehörte zu den Studierenden des zweiten EBS-Jura-Jahrgangs und schloss ihr Studium nicht nur mit der ersten juristischen Staatsprüfung, sondern auch mit einem M.A. in Wirtschaft ab. Dass sie seit Anfang 2021 als Anwältin bei Bette Westenberger Brink arbeitet, einer traditionsreichen Mainzer Adresse mit entschieden mittelständischer Orientierung, ist wegen der geografischen Nähe zu Wiesbaden nicht unbedingt Zufall.

Doch genauso gibt es inhaltliche Gründe: „Wir sind im Alltag sehr nah dran an den laufenden Ange­legenheiten der Mandanten. Das bedeutet auch, dass die Herausforderungen sich schnell wandeln können und man immer wieder vor neue Aufgaben gestellt wird.“ Die Nähe zur Wirtschaft machte von Anfang an den Reiz der Arbeit aus – Cho hat die Kanzlei schon vor dem Beginn des Referendariats als wissenschaft­liche Mitarbeiterin kennengelernt, später dann auch die Anwalts- und die Wahlstation bei den Mainzern
absolviert.

Mehr als ein schmaler, hochspezialisierter Job

Heute teilt sie ihre Arbeitstage zwischen unterschied­lichen Themenkomplexen auf – nicht untypisch für
eine Mittelstandskanzlei, in der alle mehr als nur einen schmalen, hochspezialisierten Job haben. Für Cho ist da einmal ein Großmandat der Kanzlei, in dem sie vor allem organisatorische Aufgaben übernimmt. Dazu gehören die Kommunikation mit dem Auftraggeber, sie muss Fristen und Prozesstermine im Blick behalten und die internen Kräfte koordinieren. Zudem ist sie im Finanzierungsbereich mit einer Spezialisierung auf Kryptowährungen tätig. Aber ihr eigentliches großes Arbeitsgebiet ist Compliance. „Eines meiner ersten Projekte als Anwältin war die Mitarbeit bei der Produktentwicklung von AdvoWhistle“, erzählt sie. Bette Westenberger Brink hat damit ein digitales Hinweisgebersystem geschaffen, das Mandanten zur Meldung von Regelverstößen in ihrem Unternehmen buchen können. Für mittelständische Mandanten kann Legal Tech einige Vorteile bieten, meint Cho: „Mit Legal Tech können Mittelständler schnelle und praktische Lösungen für alltägliche Fragen erhalten. Und das kann auch uns Beratern die Arbeit erleichtern.“

Bei AdvoWhistle fungieren die Mainzer Anwälte auch als Vertrauensanwälte, die eingehende Meldungen prüfen und zum weiteren Umgehen damit beraten. Cho ist stolz auf das fertige Produkt: „Ich bin nicht nur juristisch involviert, sondern auch technisch tief drin in der Materie und begleite die Entwicklung und Einrichtung beim Mandanten. Das geht von der Einrichtung des Meldebogens, mit dem die Verstöße
erfasst werden, bis hin zu Marketing und Präsentationen.“ Und Cho ist eine von vier Vertrauensanwältinnen und -anwälten, die für die Prüfung der eingegangenen Meldungen zur Verfügung stehen, „zur Not auch mal auf der Skipiste“.

Allerdings hebt sie hervor, dass gerade die Arbeitseinteilung in ihrer Kanzlei wohltuend anders ist als in einer Großkanzlei. Ständige Verfügbarkeit ist bei Bette Westenberger Brink gar nicht gefragt. Vor allem kann sie in Teilzeit arbeiten, mit einer Vier-Tage-Woche. So bleibt Zeit für Musik – im Chor und in einer Band –, für Sport und für ein Ehrenamt: Sie engagiert sich seit vielen Jahren in einer christlichen Pfadfindergruppe. Der Einsatz für Kinder – auch hier eine Schnittmenge – hat sie außerdem dazu gebracht, sich als Verfahrensbeistand in Kindschaftssachen zu qualifizieren. Diese Rolle hat sie bislang noch nicht ausgeübt. Aber für dieses Engagement hat sie Rückhalt der Kanzlei, wie sie betont: „Es gibt hier eine spürbare hohe Wertschätzung für das Individuum und viel Raum, die eigene Persönlichkeit zu entfalten.


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